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Full text: 55, 1936

Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhältnisse des Bottnischen Meerbusens 
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finnischen Seite an der Küste gehalten, der meist damit verbundene Wärmevorstoß führt dann zu einer Ver 
minderung des Eises. 
Hellström hat auf die verschiedene Bedeutung der Windrichtungen für die Beeisung hingewiesen. Danach 
ergeben sich in % Wahrscheinlichkeit für die finnische Küste der Bottensee: NNE und ENE 100% Beeisung, 
E und ESE fast 100% Beeisung, WNW bis N 67—100% Beeisung, SSW nur 44% Beeisung. Durchschnittlich 
ergibt sich Enteisung zu 80% bei SW'—W' Resultanten. Diese Zahlen entsprechen dem thermischen Charakter der 
W r inde; die Windrichtung als solche wirkt jedoch vielfach dem entgegen, da die finnische Seite bei Ostwinden 
rein mechanisch öfters enteist wird, bei südwestlichen dagegen Eispackung aufwedst. Auf diese Weise ergibt sich 
ein recht kompliziertes Verhalten der Be- und Enteisung für die finnische Seite, das Hellström näher untersucht hat. 
Von einem gewissen Zeitpunkt an wird das Küsteneis jedoch gegen Windwirkung, auch von Osten her 
unempfindlich sein. Die von Hellström festgestellten Wirkungen der verschiedenen Windrichtungen auf die Ver 
eisung sind also zu Beginn der Vereisung und gegen Ende besonders ausgeprägt, im Hochwinter betreffen sie nur 
das Meer. 
Die mechanischen Wirkungen verhalten sich also bei den See- und Landwinden auf der finnischen Seite 
entgegengesetzt den thermischen Wirkungen. Die finnische Seite zeigt aber im ganzen genommen schwerere Eis 
verhältnisse als die schwedische; lediglich im Frühjahr, wo die Landwinde schon erwärmt sind, zeigt sich eine 
Begünstigung der finnischen Seite, denn zur Zeit des Eisganges herrschen NE-Winde vor. Im März vermögen sie 
das Küsteneis noch nicht zu beeinflussen, da dieses dann noch zu stark ist und die Temperatur der Landwinde noch 
sehr niedrig ist. Im April dagegen kehren sich die Verhältnisse um, die Sonneneinstrahlung hat das Eis geschwächt, 
und die Landwinde sind wärmer, so daß der Eisgang von der Küste rasch vor sich geht. Südwestwinde können 
Verzögerungen bringen, da sie das Eis an der Küste packen, diese Winde sind jedoch seltener. 
Der Eisgang ist Anfang bis Mitte Mai zu erwarten, der Unterschied zwischen den nördlichen und süd 
lichen Teilen des hier zusammengefaßten Küstenabschnittes ist nicht so groß wie etwa auf der schwedischen Seite. 
Entsprechend der Breitenlage in den nördlichen Teilen ist dort Neueisbildung noch sehr spät im Frühjahr möglich. 
1914 wurde vom Forschungsschiff „Nautilus“ noch am 27. Mai bei Jakobstad Blaueisbildung beobachtet, die aber 
keine besondere Bedeutung mehr hatte. 
Der gleichmäßige Charakter der Vereisung auf eine größere Küstenstrecke hin wird, wie schon vorher 
angedeutet, durch das Gegenspiel der mechanischen und thermischen Wirkung der Winde bedingt. Die eisbildende 
Wirkung der kalten Ostwinde wird durch die mechanische der Abdrift abgeschwächt, die eisschmelzende Wirkung 
der Südwestwinde wird durch die Packeisbildung z. T. aufgehoben. Die zeitlichen Grenzen sind gegeben durch: 
1. die noch nicht ausreichende Kälte der Ostwinde im Herbst, die noch keine intensive Eisbildung verursacht und 
2. die größere Erwärmung der Landwinde im April, die dann die mechanische Wirkung nicht mehr aufhebt, 
sondern unterstützt. 
Die maximale Eisdicke in diesen Küstengebieten schwankt zwischen 30 cm in milden und 60 cm in strengen 
Wintern. Schneelage über dem Eis bedingt oft eine Verstärkung, so hatte Vasa im März 1931 bei 60 cm Eisdicke 
eine Schneehöhe von 40 cm darüber aufzuweisen. Schwankungen in der Höhe der Schneedecke machen sich nicht 
unmittelbar in der Dicke der Eisdecke bemerkbar, woraus die schützende Wirkung der Schneedecke über dem Eis 
hervorgeht. Zum Beispiel mag folgende Zahlenreihe dies beleuchten: 
Schneedecke in cm . 32 40 40 20 15 23 20 10 7 0 gemessen in Vasa 
(vom 6. III. bis 8. V. 31) 
Eisdicke in cm ... 60 60 60 60 60 60 60 58 53 10 
Es besteht noch ein weiterer Unterschied des nordfinnischen Schärenhofes gegen die nördlicheren Gebiete: 
die milden Winter machen sich bei einer Betrachtung einer längeren Reihe von Wintern weit mehr bemerkbar als 
im Norden. Unter den zehn Wintern aus den Täglichen Eisberichten zeigen die Stationen der nördlichen Bottenwiek 
keinen, der auffallend kurz und milde gewesen wäre. Dies stimmt ganz mit den Verhältnissen des Weißen Meeres 
(nach Richter 1934) überein, während die südlich anschließende Küste (finnische sowie schwedische) deutlich 
zwei besonders milde Winter zeigt, die ohne vermittelnde Fälle sich von den übrigen Wintern abheben. 
Ein weiterer Unterschied gegen die Eisverhältnisse des nördlichen Schärenhofes der Bottenwiek ist das 
Fehlen der Landlösung des Küsteneises. In den Grenzgebieten bei Jakobstad mag es höchstens in ganz schweren 
Eisjahren Vorkommen, daß das Schmelzen auch von der Küste aus beginnt und meerwärts fortschreitet. Das Vor 
kommen von Treibeis weiter draußen ist ein anderes Problem, das nicht zu der Untersuchung des Küsteneisgürtels 
gehört. Darüber vgl. den Abschnitt über die Bottenwiek (Kap. 9). Erwähnt sei hier nur, daß sich die angrenzen 
den Meeresteile vor dem nordfinnischen Küstengebiet nicht einheitlich verhalten, indem die Verhältnisse in der 
Bottenwiek von denen der Bottensee abweichen. Zwischen diese schiebt sich noch die Meerenge des Nordkvark, 
die wieder andere Eisverhältnisse aufweist. Die offene See jenseits des Randes des nordfinnischen Schärenhofes 
verhält sich also verschieden in ihren nördlichen, mittleren und südlicheren 'Feilen, während der Schärenhof dies 
nicht in dem Maße tut. 
Die größte Breite des Festeissaumes längs Finnlands NW-Küste findet sich im Gebiet des Nordkvark, 
hier buchtet sich der Schärengürtel weit nach Westen aus; infolgedessen erreicht der Festeissaum hier die größte 
Breite, die der im Nordostwinkel der Bottenwiek nicht nachsteht.
	        
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