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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
Die Periode mit starkem Festeis beginnt im zehnjährigen Durchschnitt am 1. bis 2. Dezember; zwischen
dem Einsetzen der Hauptvereisung und diesem Termin Hegt also die mittlere Spanne mit leichtem Festeis. Die
Festeisbildung wird dann während des Winters nicht mehr gestört.
Während zwischen erstem Eis und erstem starken Festeis durchschnittlich eine Spanne von 15 TagenMiegt,
verringert sich diese am Schluß der Vereisung, also zwischen letztem starken Festeis und letztem Eis auf 7 Tage.
Das letzte starke Festeis tritt durchschnittlich am 15. Mai auf, während das Verschwinden des Eises überhaupt
durchschnittlich bereits am 22. Mai vor sich geht. Die dazwischen liegende Spanne entspricht, den Meldungen
nach zu urteilen, nicht ausschließlich leichtem Festeis, das etwa durch Wärme porös geworden wäre, sondern
wird vielfach auch von beweglichen Eisarten eingenommen. Allerdings ist auch hier anzunehmen, daß in dem
Falle, wo der Eisgang nach starkem Festeis mit Treib- oder zusammengeschobenem Eis beginnt, das zuvor noch
gemeldete starke Festeis bereits durch Luft- und Wasserwärme sowie direkte Einstrahlung geschwächt worden ist.
Die Schwankungen zwischen den Extremfällen im Eisgang sind im Verhältnis zu denen des Eisbeginns
recht gering. Während beim Eisbeginn die Extreme am 28. Oktober und 19. Dezember, also eine Spanne von über
50 Tagen, festzustellen sind, beträgt die Schwankung zwischen frühestem und spätestem Verschwinden des Eises
maximal nur 24 Tage, nämlich vom 9. Mai bis zum 2. Juni. Die Mehrzahl der Fälle gruppiert sich um Ende
Mai—-Anfang Juni.
21. Die Eisverhältnisse von Jakobstad (Bottnischer Meerbusen). Abb. 26.
Jakobstad, dessen geographische Lage durch folgende Zahlen gekennzeichnet wird: 63°41' N und 22°45' E,
ist meerwärts von einem ausgedehnten Schärenhof umgeben; wegen der dadurch bedingten ruhigen Eisverhältnisse
ist es möglich, brauchbare Mittelwerte zu gewinnen. Zwischen der vorher beschriebenen Station Toppila und
Jakobstad findet sich leider keine vermittelnde Beobachtungsstation mit längeren Eisbeobachtungsreihen (nach
Tägl. Eisberichten).
Der Beginn der Vereisung liegt durchschnittlich am 30. November. Die Schwankung zwischen den beob
achteten Extremen der zehn Jahre beträgt über zwei Monate, wenn man den sehr späten Winter 1929/30 mit
rechnet; ohne diesen ergibt sich eine Spanne von nur 27 Tagen zwischen 11. November und 8. Dezember. In
drei Wintern traten Vorperioden von meist kurzer Dauer auf, in zwei Fällen sogar zwei hintereinander. Die Pause
bis zur Hauptvereisung erreichte 1928/29 sogar 22 Tage. Der durchschnittliche Termin des Beginns der Haupt
vereisung liegt am 6. Dezember unter Einbeziehung des abnormen Winters 1929/30. Der Beginn des Auftretens
des starken Winterfesteises liegt durchschnittlich am 17. Dezember.
Bemerkenswert ist der sehr unruhige erste Teil des Winters 1924/25. Zwar beginnt die Hauptvereisung
zusammenhängend am 22. Dezember, aber der Zusammenhang ist doch bis Ende Januar noch sehr lose, indem
deutlich in dem Charakter des Eises mehrere Schwächezeiten erkennbar sind, während denen das Eis aufbrach
oder an Stärke abnahm, so daß nur wenig gefehlt hätte, um diesen ersten Teil der „Hauptvereisung“ in weitere
Vorperioden zu zerlegen. Zu den Wärmevorstößen, wie sie aus dem Temperaturdiagramm von Haparanda und
Vasa hervorgehen, besteht eine klare Beziehung, indem die Zeiten mit geschwächtem Eis (z. B. leichtes Festeis
nach starkem) unmittelbar auf solche Wärmevorstöße folgen. Die Periode mit zusammengeschobenem Eis, die von
Ende Dezember 1924 bis Mitte Januar 1925 erkennbar ist, dürfte eingeleitet sein durch westliche bis südliche Winde.
Sonst beginnt die Vereisung hier in allen Jahren mit leichtem Festeis. Die Spanne zwischen Beginn der
Hauptvereisung und starker Festeisbildung beträgt durchschnittlich 11 Tage, schwankt aber zwischen 26 (1930/31)
und 2 Tagen (1929/30). Die Vorperiode 1924 begann sogar mit starkem Festeis; ob hier subjektive Fehler vor
liegen, bleibe dahingestellt.
Eine Unterbrechung der Vereisung im Mittwinter geht aus den Tägl. Eisberichten nicht hervor.
Das Verschwinden des Eises geht durchschnittlich am 12. Mai vor sich. Das Aufhören des starken Winter
festeises wird etwa 8 Tage vorher erwartet. Die Schwankungen zwischen spätestem und frühestem Eisgang sind
auch hier nicht so stark wie beim Beginn der Vereisung. Als extremste Daten ergaben sich während der 10 Jahre
der 16. April 1930 und der 7. Juni 1924. Die Mehrzahl der Jahre scheint zu ergeben, daß der Eisgang Mitte Mai
erfolgt. Die Spanne zwischen Aufhören starken Festeises und Verschwinden des Eises wird in der Regel von
leichtem Festeis eingenommen, wenngleich in zwei Wintern sofort Treibeis sich an das starke Festeis anschließt.
Der Winter 1926/27 zeigte einen außerordentlich früh beginnenden Zerfall des Wintereises, der schon Anfang
April in den Meldungen erkennbar ist und erst Mitte Mai zum Verschwinden führt. Das Eis des Winters war hier
infolge Ausbleibens extrem tiefer Temperaturen nur schwach. Andererseits verlangsamten Kälterückfälle im April
und Mai den endgültigen Zerfall.
Der Eisgang des Winters 1922/23 war außerordentlich unruhig, indem seit Ende April Packeis gemeldet
wurde, das Ende Mai ins Treiben geriet. Aus den finnischen Beobachtungen geht allerdings nicht vorher, wo
durch die Packung des Eises zu dieser Jahreszeit bedingt sein sollte. Möglicherweise handelte sich sich um altes,
schon früher zusammengefrorenes Packeis, das in diesem Zustande den Winter überdauerte.
22. Die Eisverhältnisse von Vasa (Bottnischer Meerbusen). Abb. 27.
Vasa liegt ziemlich geschützt im Schärenhof östlich der Inseln im Nordkvark. Leider liegen nach den
Tägl. Eisberichten nur zwei Jahre Beobachtungen vor, so daß sich eine Besprechung auf einige Grundzüge dieser
zwei Winter beschränken muß.