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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3 
Eine Interpolation des Beginns der Vereisung aus den benachbarten ßeobachtungsstationen Karlsborg (öst 
lich) und Luleä (westlich) stößt auf Schwierigkeiten, da die Lage ganz anders ist. Rödkallen dürfte auf Grund 
seiner exponierten Lage vor dem Mündungsgebiet des Luleälf einen wesentlich späteren Eisbeginn aufweisen. Die 
Entfernung dieser einzelnen Schäre zum Festland bei Luleä beträgt rund 25 km und bis zur nächsten Schäre etwa 
7 km. Da die Eisbildung zunächst von der Küste aus beginnt, ist anzunehmen, daß Rödkallen erst entsprechend 
später vereist. Aus den wenigen Daten scheint dies hervorzugehen. 
ln dem frühen Winter 1925/26 zeigt sich am 10. November leichtes Eis, das bald wieder verschwindet, 
trotzdem die Frostperiode anhält. Erst Ende November setzt die Eisperiode mit Treibeis ein. Es ergibt sich 
daraus ferner, daß in der Nachbarschaft schon Eis vorhanden sein muß. Dies wird bestätigt durch die Eisver 
hältnisse von Karlsborg und Luleä. Im Winter 1931/32 begann die Vereisung am 8. Dezember, das Eis verschwand 
aber gleich wieder, um erst am 12. Dezember wieder endgültig einzusetzen. 
Der Zeitpunkt, an dem zum ersten Mal die Schiffahrt geschlossen wird, scheint im wesentlichen auch mit 
dem Auftreten starken Festeises zusammenzufallen. Jedoch ist diese Annahme nicht sicher, da aus den Eis 
berichten hervorgeht, daß die Schiffahrt in Rödkallen geschlossen wird, wenn auch die Häfen des Festlandes, 
Luleä und Karlsborg, geschlossen sind. Der Zeitpunkt des Aufhörens der Schiffahrt dürfte dementsprechend in 
Rödkallen dem eigentlichen Auftreten von schiffahrthinderndem Festeis voraufgehen. Da Rödkallen an der Fahr 
rinne nach Luleä liegt, muß natürlich praktisch die Schiffahrt zur gleichen Zeit geschlossen werden wie in Luleä, 
ob das Eis nun in Rödkallen noch leichter oder ebenfalls schon stark ist. 
Klar liegen die Verhältnisse während des Abschlusses der Vereisung, da dann die Eisverhältnisse in den 
Zufahrtstraßen nach Luleä von großer Bedeutung für die Schiffahrt sind. Es ergibt sich nämlich, daß Rödkallen 
eine längere Eisperiode besitzt als die Küstenplätze. Der Eisgang ist durchschnittlich erst am 29. Mai abge 
schlossen. innerhalb der 10 Jahre treten nur geringe Schwankungen von durchschnittlich nicht mehr als 5 Tagen 
auf, lediglich der Winter 1923/24 zeigte, daß nach vorübergehender Eisfreiheit am 6. Juni noch vom 9. bis 
21. Juni wieder Treibeis auftrat. Rechnet man diesen Ausnahmewinter ab, dann liegt der Durchschnitt des Eis 
ganges etwa am 27. Mai. Dieser Wert scheint ein hohes Maß von Wahrscheinlichkeit zu besitzen und dürfte wegen 
der geringen Amplitude innerhalb der beobachteten 10 Jahre auch von praktischer Bedeutung für jedes Jahr sein.*' 
Der erwähnte strenge Winter 1923/24 war gleichzeitig der längste des ganzen Ostseegebietes überhaupt, 
soweit die Beobachtungen der Tägl. Eisberichte zurückreichen. Nicht die absolute Länge, sondern die lange 
Dauer in den „Sommer“ hinein ist auffallend. Es hat verschiedene Winter gegeben, die schon im Oktober zur Ver 
eisung führten. Von keinem anderen Winter und keiner anderen Beobachtungsstation wird jedoch dieser späte Eis 
gang erreicht, der mit dem astronomischen Sommeranfang zusammenfällt. Auch seine absolute Länge von Beginn 
bis zum Schluß liegt immer noch 10 Tage über dem angenäherten Durchschnitt von Rödkallen. Hierbei ist zu be 
rücksichtigen, daß aus den Meldungen nicht hervorgeht, ob schon im November Eis vorhanden war, da Luleä 
bereits seit dem 13. November ununterbrochen Eis meldete. Es ist also möglich, daß die Vereisung in Wirklich 
keit noch eher begann und so die Länge des Winters noch erhöhte. 
Die Ursache für die lange Vereisungsdauer im Frühsommer liegt in der topographischen Lage begründet. 
Die Station liegt weit draußen. Der Eisgang der Festlandsstationen, der durch atmosphärische Ursachen und den 
Wasserstau der Flüsse bedingt ist, bringt ein Abtreiben der Eismassen in die See hinaus mit sich. Stationen, die 
weit draußen liegen, melden also außer dem Eis, das sich im Laufe des Winters an Ort und Stelle gebildet hat, 
im Frühsommer mit Beginn und nach Aufhören des „Küsteneisganges“ Treibeis oder zusammengeschobenes Eis, 
das seewärts driftet, aber von der Küste stammt. Deshalb schließt in Rödkallen die Eisperiode ausschließlich mit 
Treibeis und darum können auch nach Aufhören des Eisganges wieder geringe Treibeismengen erscheinen, wie das 
z. B. 1923/24 und 1931/32 der Fall war. 
Perioden mit leichtem Festeis bilden sich gegen Schluß der Vereisung nur selten und jedenfalls nie ab 
schließend. Das Eistreiben setzt schon sehr früh ein und dauert verschieden lange; die Extreme liegen bei 
49 Tagen und 2 Tagen. Der frühe Eisaufbruch 1925/26 am 14. April wurde durch das Eintreten steifer Nord 
westwinde bedingt (Windstärke 4), die jedoch bald abflauten und nach Osten drehten, dadurch wurde ein see 
wärts gerichtetes Wegtreiben verhindert, und das Aufhören des Frostes um den 22. April bedingte ferner, daß das 
Treibeis nicht fest wurde. So kam es, daß sieh das Treibeis vom 14. April bis zum Schluß der Eisperiode am 
4. Juni halten konnte. 
Besondere Wetterlagen bedingten in einzelnen Fällen Abwandlungen des normalen Verlaufs des Eisganges. 
50 bedingten Südsüdostwinde (Stärke 4) am 22. Mai 1923 das Auftreten von starkem Packeis nach der bisheri 
gen Festeisperiode. Das Eistreiben, das am 28. Mai einsetzte, läßt sich ebenso einfach aus den Luftströmungen 
erklären: am 28. Mai meldete Haparanda Nordnordwest (Stärke 6), noch am 30. herrscht NNW' 4. Die Kürze 
des Eistreibens erklärt sich aus dem Anhalten der starken ablandigen Winde, die für eine rasche Beseitigung des 
Eises sorgten. — Im Winter 1926/27 wurde vor dem Treibeis am Schluß leichtes Festeis gemeldet, das auf einen 
ungestörten Abschmelzvorgang schließen läßt, jedoch war die Stärke des Festeises noch erheblich, denn 
trotz steifer Nordwestwinde am 8. Mai und anhaltender Nordnordostwinde danach setzte kein Eistreiben ein, das 
vielleicht zu erwarten gewesen wäre, zumal die Temperaturen bereits Ende April über den Nullpunkt stiegen, am 
Jedoch nicht für die See weiter draußen.
	        
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