Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhältnisse des Bottnischen Meerbusens
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16. Die Eisverhältnisse von L u 1 e ä (Bottnischer Meerbusen). Abb. 21.
Luleä gehört zu den bottnischen Küstenstationen, seine Eisverhältnisse werden außerdem durch die Lage
an der Mündung des Luleälf beeinflußt. Es ist der großen Süßwasserzufuhr wegen von vornherein mit inten
siverer Vereisung zu rechnen als weiter seewärts. Eis zeigt sich auch, daß die Schwankungen sowohl des Beginns
wie des Schlusses der Vereisung nicht sehr groß sind, so daß die zehn Beobachtungsjahre bereits zur Aufstellung
eines angenäherten Mittels ausreichen.
Der mittlere Beginn der Vereisung liegt am 11. November, jedoch sind die Meldungen über den Beginn
1922 nicht vollständig. Von dieser Unklarheit abgesehen, zeigt sich, daß die Vereisung von 1922 an immer früher
einsetzt, 1925—1928 sehr früh, schon im Oktober, liegt, um von da an bis 1932 fortlaufend später einzusetzen.
Nur in zwei Fällen verschwand das erste Eis wieder. Der 1. November 1925 war vorübergehend eisfrei, die
Ursache dazu liegt in der Wärmeperiode vom 25. bis 31. Oktober, auch im andern Falle, Dezember 1929, löste
sich das Eis infolge eines Wärmevorstoßes auf; der 11.—17. Dezember waren eisfrei.
Je nach den vorangegangenen Sommertemperaturen beginnt die Eisbildung entweder bereits mit der ersten
Frostperiode oder aber mit der folgenden; nur in einem Falle, 1929, erst mit der dritten. Das erste Eis 1929
konnte sich aber auf die Dauer nicht halten, sondern löste sich, nachdem Ende November und bald darauf auch
Anfang Dezember die Temperatur über 0° lag, nach 8tägiger Wärme auf. Schon am 17. Dezember, als Haparanda
noch über 0° meldet, setzt in Luleä die Eisbildung von neuem ein, diesmal aber endgültig. Es wird dies durch die
5. Frostepoche dieses Winters eingeleitet. Für den späten Beginn muß die hohe Wärme des Wassers vom vergan
genen Sommer her verantwortlich gemacht werden, denn die erste Frostepoche 1925 lag ebenfalls schon im Okto
ber, dauerte nur 5 Tage und führte bereits zur Eisbildung, die beinahe zur endgültigen Vereisung geführt hätte.
Hier können also keine wesentlichen Wärmemengen vom Sommer her auf gespeichert gewesen sein. Freilich ist in
allen Fällen zu berücksichtigen, daß der Vergleichsort für die Temperaturen, Haparanda, rund 10Ö km Luftlinie
von Luleä entfernt ist.
Die erste Eisbildung beginnt durchschnittlich etwa 13 Tage nach Einsetzen der ersten Frostperiode und
durchschnittlich nur 4 Tage nach Einsetzen der ersten eiswirksamen Frostepoche. Die Meldungen von starkem Fest
eis sind nicht immer zuverlässig, da vielfach nur die Schiffahrt als geschlossen gemeldet wird ohne Angabe der
Eisverhältnisse; der Schluß der Schiffahrt fällt aber durchaus nicht immer mit dem Einsetzen starken Festeises zu
sammen, sondern hierfür sind auch die gleichzeitigen Eisverhältnisse an anderen Orten der Fahrstraße nach Luleä
maßgebend. In den Jahren seit 1925 scheinen die Angaben genauer gemacht worden zu sein; aus diesen 7 Jahren
ergibt sich, daß Festeis durchschnittlich einen vollen Monat nach der ersten Eismeldung eintritt, die Schwankun
gen sind recht gering, die einzelnen Werte gruppieren sich in der Tat auffallend um den Wert von 30 Tagen.
Die Eisperiode beginnt in 6 von den letzten 7 Jahren mit leichtem Festeis oder Neueis, das allmählich in
starkes Festeis übergeht. Im Winter 1925/26 herrschten abweichende Verhältnisse zu Beginn der Vereisung
(24. Oktober), indem nämlich hier zu Anfang zusammen geschobenes Eis auftrat, danach leichtes Festeis, und dann
eine Wärmeperiode vorübergehendes Verschwinden des Eises verursachte. Es folgte darauf wieder zusammen
geschobenes Eis und Packeis, das sogar 20 Tage anhielt und schließlich in starkes Packeis bzw. Eispressungen
überging, um erst danach Ende November sich in starkes Festeis umzuwandeln. Das Eis hatte sich an Ort und
Stelle unter unruhigen Verhältnissen gebildet, die sofort Schiebeis bedingten. Ende Oktober meldet Haparanda
Südostwind Stärke 4. Daß die darauffolgende Periode mit leichtem Packeis Anfang November bei leichten ver
änderlichen Nordwinden auftrat, mag wohl seine Ursache in topographischen Verhältnissen haben, da die Ge
wässer um Luleä durch Schären und Halbinseln so reich gegliedert sind, daß beinahe alle Windrichtungen Eis
packungen bedingen.
Aus der Zeit des Hochwinters liegen keine Meldungen über Eisveränderungen vor. Vermutlich war die Eis
decke inzwischen auch so widerstandsfähig geworden, daß selbst starke Winde sie nicht zu zerstören vermochten.
Der Eisgang tritt im Mittel am 25. Mai ein, die einzelnen Werte weichen nur etwa drei Tage (mittlere Ab
weichung) davon ab. Die Extreme des Eisganges liegen nur 20 Tage auseinander, einmal verschwand das Eis
erst am 2. Juni, das andere Mal schon am 12. Mai. Der Eisgang vollzieht sich sehr rasch, hieran dürfte der Auf
bruch des Luleälf einen wichtigen Anteil haben. Treibeis findet sich nur sehr selten (drei Winter), in der Regel
scheint der allmähliche Zerfall in Eisbrei vorzuherrschen. Das letzte starke Festeis wird durchschnittlich noch
am 15. Mai gemeldet, so daß etwa 10 Tage verstreichen, ehe der Eisgang (im weiteren Sinne) abgeschlossen ist.
Die Verzögerung der Vereisung (d. h. des Eisganges) gegenüber dem letzten Frost beträgt einen Monat,
gegenüber der letzten strengen Frostperiode 57 Tage. Die Gesamtlänge der Vereisung ergibt sich zu durchschnitt
lich 6 Monaten und 14 Tagen, die Festeisperiode reicht von Anfang Dezember bis Mitte Mai, also etwa 5% Monate.
17. Die Eisverhältnisse von Rödkallen (Bottnischer Meerbusen). Abb. 22.
Die Meldungen über den Beginn der Vereisung bei Rödkallen sind nicht vollständig, oft wird nur Schluß
der Schiffahrt gemeldet ohne Angaben über die Eisverhältnisse. Nur in wenigen Wintern konnte der Einsatz der
Vereisung genau verfolgt werden. Für eine Ermittelung des Durchschnitts reichen die Angaben nicht aus. Genaue
Meldungen liegen über den Eisgang vor, dieser wird deshalb besonders berücksichtigt werden müssen.