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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3
vor Beginn der Vereisung in Verbindung mit dem Auftreten von erstem Frost und erstem Eis ergeben sich
Schlüsse auf die Wärmemenge des voraufgegangenen Sommers. Als Monat, der stets von Anfang bis zu Ende Eis
aufwies, kann nur der März gelten, während alle anderen Monate während der 10 Jahre teilweise einmal eisfrei
waren.
15. Die Eisverhältnisse von Gäsön (Bottnischer Meerbusen, vor Skellefteä). Abb. 20.
Gäsön liegt etwa 3 km vor der Mündung des Skellefteälf in ziemlich freier Lage. Der Einsatz der Vereisung
ist recht unregelmäßig und läßt sich schwer für den Durchschnitt ermitteln, dafür ist der Schluß der Vereisung
nur sehr geringen Schwankungen unterworfen, so daß eine sehr zuverlässige Mittelbildung möglich ist.
Der Einsatz der Vereisung zeigt große Schwankungen innerhalb der zehn Jahre; nur 2—3 Jahre gruppieren
sich annähernd um den Durchschnitt. Es kommt hinzu, daß vielfach vorläufige Eisperioden auftreten; in fünf
Wintern war dies der Fall. Diese treten allerdings gegenüber der Hauptvereisung stark zurück. Im Winter 1924/
25 ist der Beginn der Vereisung nicht klar ersichtlich, denn nach der Wetterlage ist am 18. Dezember nicht plötz
lich starkes Festeis zu erwarten; es muß angenommen werden, daß an diesem Termin die Schiffahrt geschlossen
werden mußte im Zusammenhang mit der Vereisung anderer Stationen.
Ein Vergleich der Eisbildung mit den Witterungsverhältnissen stößt für diese Station insofern auf gewisse
Schwierigkeiten, als die beiden in Betracht kommenden Vergleichsorte Haparanda und Härnösand, die allein aus
den täglichen Wetterberichten in Frage kommen, schon etwas weit abliegen. Bei ruhigen Hochdruckwetterlagen
kann ein Interpolationsverfahren nicht angewandt werden, da dann die Temperatur weitgehend durch lokale Ein
flüsse bedingt wird.
Der errechnete Durchschnitt des Eisbeginns liegt am 11. Dezember; läßt man aber die vorläufigen Eis
perioden unberücksichtigt, so errechnet sich der 17. Dezember als Mittel aus den beobachteten 10 Jahren. Die
vorläufige Eisperiode umfaßt höchstens 11 Tage (1927/28). Im November 1925 war sogar nur einen Tag lang
Eis vorhanden, das rasch wieder verschwand.
Der Beginn des Festeises ist etwa 5 Tage nach Einsetzen der Hauptvereisung anzunehmen, nur 1923/24 trat
schon nach 1 Tag leichten Eises starkes Festeis auf, ohne daß wesentlich tiefe Temperaturen wahrscheinlich sind.
Ohne die Annahme eines kühlen Sommers läßt sich der frühe intensive Beginn wohl kaum genügend erklären.
Der Charakter des Beginns der Vereisung ist ziemlich wechselnd; es kommen außer leichtem Neueis auch
zusammengeschobenes Eis, sogar Packeis und schwere Eismassen vor. Die Packungen werden durch östliche bis
nordöstliche Winde bedingt (vgl. die Wetterlage am 24. November 1925, Ostwind Stärke 4). Die kurze vorläufige
Eisperiode 1927/28 zeigt sehr wechselnde Verhältnisse. Zu Beginn bildete sich zusammengeschobenes Eis, nach
dem schon längere Zeit tiefe Temperaturen geherrscht haben. Nach 5 Tagen wird leichtes Festeis gemeldet, das
vom 22. bis 25. November ins Treiben kommt (leichte Südostwinde) und dann verschwindet. Verwunderlich ist
hierbei die schwache Eisbildung trotz der tiefen Temperaturen: Haparanda meldete seit dem 24. Oktober Tempera
turen unter —10° (am 14. November tritt bei Gäsön erst Eis auf), Härnösand meldete nach unterbrochenen Frost
perioden zwischen 0° und —10° vom 20. Oktober an, vom 10. bis 15. November Temperaturen unter —10°, erst
danach konnte sich Eis bilden. Ausschlaggebend ist wohl, daß die Frostperiode schon außergewöhnlich früh ein
setzte. Während Haparanda im Durchschnitt erst am 25. November strengen Frost zu erwarten hat, trat dieser
1927 schon über einen Monat früher ein, zu einer Zeit, als das Meerwasser noch nicht genügend abgekühlt war.
Der späteste Beginn der Vereisung war im Winter 1929/30, wo erst Anfang Februar Eis gemeldet wurde.
Am ersten Februar wird die Schiffahrt geschlossen, ohne daß vorher Eis aufgetreten ist. Der Schluß erfolgte sicher
im Zusammenhang mit anderen Stationen. Wie die weiter südlich gelegene Station Västra Kvarken meldet, trat
dort um den 3. Februar das erste Eis auf im Gefolge einer intensiven Kälteperiode, die sowohl in Haparanda wie
in Härnösand ausgeprägt ist.
Der Eisgang zeigt geringe Schwankungen von Jahr zu Jahr. Der Durchschnitt liegt am 27. Mai, die durch
schnittliche Abweichung von diesem Mittelwert beträgt 5 Tage, jedoch bei der Mehrzahl der Winter nur drei
Tage, lediglich zwei Winter weisen Extreme auf. So endete der Eisgang 1923/24 erst am 6. Juni, noch am
11. Juni trat vorübergehend leichtes Treibeis auf. Dagegen endete der Eisgang 1929/30 schon am 13. Mai, nach
dem bereits Anfang April das Eis vorübergehend verschwunden war. Von diesen Ausnahmen abgesehen, dürfte der
27. Mai als durchschnittlicher Termin für das letzte Eis ziemlich genau in den einzelnen Jahren zutreffen.
Die Vereisung endet regelmäßig mit einer längeren Treibeisperiode; die Dauer schwankt zwischen 40 und
10 Tagen. In einzelnen Fällen wird das Treibeis durch kurze Zeiten mit zusammengeschobenem Eis oder gar
Packeis unterbrochen. Die Ursache der auffallenden Treibeishäufigkeit zum Schluß der Vereisung liegt in der
freien Lage zum Meere.
Am 30. April wird durchschnittlich das letzte Festeis gemeldet; darauf folgt die durchschnittlich 27tägige
Periode mit Treibeis. Eine Unterbrechung der Treibeisperiode findet seltener statt, in einem Falle zweimal zu
Anfang, nämlich vom 5. bis 9. und vom 11. bis 14. April 1930 (darauf noch einen Monat Treib- und Packeis), und
in zwei Fällen am Schluß: am 6. Juni 1924 nach 3tägiger Eisfreiheit und am 3.—4. Juni 1926 nach 3tägiger Eis
freiheit tritt noch etwas Treibeis auf.