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Volltext : 55, 1936

Dr.  Joachim  Blüthgen:  Die  Eisverhältnissc  des  Bottnischen  Meerbusens

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türen  ergibt.  Durch  solchen  Wechsel  besonders  ausgezeichnet  waren  die  Winteranfänge  1924/25,  auch  1925/26,
1928/29,  1929/30,  1930/31  und  1931/32.  Der  milde  Winter  1924/25  beginnt  mit  zusammengeschobenem  Eis  im
Februar  bei  starken  südlichen  Winden  (Stärke  7),  verbunden  mit  einem  Wärmevorstoß,  während  die  vorangegangene ­
  Kälte  in  Västra  Kvarken  noch  kein  Eis  bildete.  Es  muß  daher  angenommen  werden,  daß  das  Eis  durch  die
Winde  von  Süden  her  stammt,  wo  schon  früher  Eisbildung  stattgefunden  haben  muß.  Am  22.  Februar  wird
Packeis  gemeldet  bei  ruhigem  Hochdruckwetter,  es  folgt  Treibeis  bei  Nordostwinden.  Ende  des  Monats  wird
Fesleis  gemeldet,  gleichzeitig  treten  langanhaltende  Schneefälle  auf.  Vermutlich  haben  diese  die  Verstärkung  der
Eisdecke  unterstützt.
Gelegentlich  verschwindet  das  Eis,  ohne  daß  die  Temperatur  über  0°  steigt.  Dies  ist  z.  B.  1925/26  der
Fall.  Nach  ötägiger  z.  T.  sehr  strenger  Frostperiode  tritt  am  30.  November  zuerst  Treibeis  auf;  dies  geschieht  bei
ruhigem,  fast  windstillem  Hochdruckwetter.  Anfang  Dezember  tritt  Festeis  ein  bei  anhaltendem  Frost.  Die  Wetterlage ­
  erfährt  danach  eine  Umgestaltung,  indem  im  Bereich  der  ganzen  Ostsee  föhnige  südliche  Winde  bis  Stärke  4
wehen,  die  Temperatur  liegt  im  Finnischen  und  Bottnischen  Meerbusen  noch  unter  0°.  Trotz  Anhalten  des  Frostes
wird  die  Eisdecke  zerstört  und  treibt  rasch  ab,  erst  einen  Tag  lang  als  Treibeis  bei  Nordwestwinden  (schalten  sich
zwischen  die  Hochdruckwetterlage  und  die  folgende  Föhnlage),  darauf  einen  Tag  lang  als  zusammengeschobenes
Eis.  Danach  bleibt  das  Seegebiet  Västra  Kvarken  eisfrei,  erst  nach  einer  Woche  tritt  wieder  Treibeis  auf,  das
schließlich  zur  Hauptvereisung  führt.
Das  Verhältnis  zwischen  Einsetzen  der  ersten  Frostperiode  und  dem  Eisbeginn  gestaltet  sich  sehr  verschieden. ­
  Während  in  dem  einen  Extrem  1922/23  schon  nach  drei  Tagen  Frost  vom  28.  November  ab  Treibeis
auftritt,  das  die  Hauptvereisung  einleitet,  bedingt  1924/25  erst  die  6.  Frostperiode  im  Februar  Eisbildung  (die
1.  Frostepoche  liegt  hier  schon  Mitte  November,  Dauer  6  Tage).  Anfang  Dezember  treten  sogar  Temperaturen
unter  —10°  auf  (2.  Frostperiode),  Mitte  Dezember  liegt  die  3.  Frostzeit,  vom  7.  bis  10.  Januar  die  4.,  vom  21.  bis
Ende  Januar  die  5.  und  vom  2.  bis  8.  Februar  die  6.,  gleichzeitig  die  erste  eiswirksame  Frostperiode,  bei  deren
Schluß  erst  die  Eisbildung  in  Gestalt  zusammengeschobenen  Eises  einsetzt.  Als  Mittel  läßt  sich,  unter  Weglassung
einzelner  leichter  Frosttage,  festhalten,  daß  die  erste  Eisbildung  etwa  nach  der  3.  bis  4.  Frostperiode  eintritt.
Rechnet  man  die  voraufgegangenen  Frosttage,  d.  h.  Tage  mit  Frühtemperaturen  unter  0°  zusammen  und  gewinnt
daraus  das  Mittel,  so  ergibt  sich  der  erste  Eisbeginn  nach  21  Tagen  mit  Frost.  Die  Abweichungen  in  einzelnen
Jahren  sind  dann  z.  T.  als  eine  Folge  größerer  oder  kleinerer  sommerlicher  Wärmespeicherung  aufzufassen,  so  ergibt ­
  sich,  daß  die  Sommer  vor  1922/23,  1923/24,  1927/28  und  1931/32  relativ  kühl  gewesen  sein  müssen  (vgl.
Kapitel  Ic).  —  Besonders  warme  Sommer,  wo  also  die  Summe  der  Frosttage  vor  der  Eisbildung  ziemlich  groß
ist,  gingen  vermutlich  folgenden  Wintern  voran:  1924/25,  1926/27,  1929/30  und  1930/31.  Die  hohe  Sommerwärme ­
  ist  in  der  Hauptsache  jedoch  erst  in  den  Fällen  wahrscheinlich,  wo  die  Zeit  der  Frosttage  ohne  Eisbildung
sich  über  einen  großen  Zeitraum  des  Winters  erstreckt  und  wo  die  Eisbildung  wesentlich  später  als  der  Durchschnitt ­
  liegt.  Der  Summe  der  eisfreien  Frosttage  nach  wurde  der  Sommer  1926  auch  zu  den  warmen  gerechnet.
Da  aber  in  diesem  Herbst  der  Frost  schon  früh  (Mitte  Oktober)  einsetzte,  war  das  Wasser  trotz  möglicherweise
kühlem  Sommer  noch  zu  warm  für  eine  Eisbildung.  Wenn  die  Zahl  der  eisfreien  Frosttage  als  Kennzeichen
warmer  oder  kühler  Sommer  benutzt  werden  kann,  dann  also  unter  der  Voraussetzung  gleichzeitigen  Frosteinsatzes. ­
  Bei  dem  verschiedenen  jährlichen  Einsetzen  der  Frostperioden  muß  demnach  berücksichtigt  werden,  daß
auch  bei  kühlen  Sommern  die  Summe  eisfreier  Frosttage  größer  ist,  wenn  der  Frost  zeitig  kommt  und  bei  warmen
Sommern  die  Summe  eisfreier  Frosttage  kleiner  ist,  wenn  der  Frost  sehr  spät  kommt.
Der  Eisgang  zeigt  die  typischen  Verhältnisse  eines  ungeschützten  Seegebietes:  Treibeis  von  mitunter  sehr
langer  Dauer  herrscht  vor.  In  keinem  Winter  schließt  die  Vereisung  mit  ruhigem  Zerfall  des  Eises.  Die  Eisgangperiode ­
  dauert  5  bis  62  Tage,  im  Mittel  28  Tage.  Die  Schwankungen  in  den  einzelnen  Jahren  sind  sehr  groß.
Unterbrechungen  des  Eisganges  treten  wiederholt  auf,  bis  zu  2mal  im  Frühjahr.  Rechnet  man  vorübergehendes
Wiederfestwerden  nach  Treibeis  auch  als  positive  Unterbrechung  des  Eisganges,  so  kommt  sogar  eine  dreimalige
Unterbrechung  in  einem  Jahre  vor.  Selbst  8  Tage  nach  Aufhören  des  Eistreibens  kann  noch  strichweise  Treibeis
erscheinen  (Mai  1925).
Der  Durchschnitt  des  letzten  Eises  liegt  am  20.  Mai,  die  Schwankungen  betragen  aber  bis  zu  2  Monate
zwischen  beiden  Extremen  (2.  April  bzw.  2.  Juni).  Nur  4  von  den  10  Wintern  weichen  mit  weniger  als  5  Tagen
vom  Mittel  ab.  Gegenüber  der  letzten  Frostperiode  in  Härnösand  (Zeit  des  letzten  Frostes  von  mindestens  zweitägiger ­
  Dauer),  die  durchschnittlich  auf  den  3.  April  fällt,  ergibt  sich  eine  Verspätung  des  letzten  Eises  um
47  Tage.
In  einigen  Fällen  wird  der  Eisgang  mit  Packeis  eingeleitet.  Die  beiden  extrem  milden  Winter,  die  sich
durch  sehr  späten  Eisbeginn  auszeichneten,  weisen  auch  extrem  frühen  Eisgang  auf.  Das  Aufhören  des  Festeises
wird  für  1924/25  zum  18.  März  angegeben,  für  1929/30  auf  den  26.  März.  Dies  sind  die  frühesten  Termine  der
zehn  Winter.
Zusammenfassend  ergibt  sich,  daß  Västra  Kvarken  ein  Beispiel  wechselhafter  Eisverhältnisse  gibt,  die
starken  jährlichen  Schwankungen  unterworfen  sind.  Die  Schwankungen  in  der  Art  der  Vereisung  ergeben  sich
aus  der  Mittellage  zwischen  küstennahem  Gebiet  und  freiem,  den  Meeresströmungen  zugänglichem  Seegebiet.
Nicht  nur  der  Einsatz,  sondern  auch  der  Eisgang  weisen  große  Unterschiede  auf;  allerdings  ist  die  Art  und  Weise
des  Eisganges  immer  die  gleiche,  während  die  Art  der  Vereisung  wechselt.  Aus  der  Zahl  der  eisfreien  Frosttage
            
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