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Volltext : 55, 1936

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  55.  Band,  Nr.  3

Teil  sogar  durch  Neueisbildung  verstärkt  wurden.  Dies  war  der  Fall  im  Winter  1925/26,  wo  bereits  Mitte  März
das  Eis  verschwunden  war,  am  24.  März  wieder  einsetzte,  am  31.  für  einen  Tag  verschwand  und  darauf  am
1.  April  erneut  begann.  Fast  den  ganzen  April  hindurch  wird  dann  leichtes  Festeis  gemeldet,  das  am  29.  April
von  Treibeis  abgelöst  wird.  Die  Temperaturen  von  Härnösand  liegen  Ende  März  und  Anfang  April  unter  dem
Gefrierpunkt,  um  am  10.  April  darüber  anzusteigen.  Der  eigentliche  Eisgang,  wenn  man  von  der  Unterbrechung
im  März  absieht,  fand  also  erst  im  Mai  statt.  Das  Treibeis  verstärkte  sich  vorübergehend  um  den  10.  Mai,
schwächte  sich  dann  wieder  ab  und  verschwand  gänzlich  am  29.  Mai.
Im  Winter  1922/23  fand  kein  eigentlicher  Eisgang  statt;  die  Vereisung  schließt  hier  unmittelbar  mit  starkem
Festeis  ab.  Auch  in  den  Wintern  1927/28  und  1928/29  wird  nach  starkem  Festeis  plötzlich  Eisfreiheit  gemeldet,
allerdings  folgten  später  noch  einige  Tage  mit  Treibeis,  und  zwar  1927/28  36  Tage  mit  schwerem  Eistreiben
in  der  Mitte  der  Periode,  dagegen  1928/29  nur  mit  einem  Tag  Treibeis.
Die  Art  des  Eisganges  ist  charakteristisch  für  Stationen,  die  weit  draußen  liegen:  es  tritt  fast  ausschließlich ­
  Treibeis  auf,  das  verschieden  lange  anhält.  Jedenfalls  ist  die  Länge  der  voraufgegangenen  Eisbedeckung
nicht  ausschlaggebend  für  die  Dauer  des  Eistreibens,  der  Winter  1926/27  hatte  nur  einen  Eisgang  von  6  Tagen
Treibeis  bei  insgesamt  121  Tagen  mit  Eis,  dagegen  wies  der  Winter  1927/28  bei  125  Tagen  mit  Eis  einen  Eisgang ­
  von  36  Tagen  auf,  der  sogar  für  sich  als  Nacheisperiode  auftrat.  Infolge  der  vorgeschobenen  Lage  ist  es
dementsprechend  wahrscheinlich,  daß  Eis  aus  den  Nachbargebieten  bzw.  Küstengebieten  durch  Strömungen  herantransportiert ­
  wird.
Daß  im  Winter  1932  dagegen  gar  kein  Treibeis  zum  Abschluß  auftrat,  war  sicher  eine  Folge  davon,  daß
der  Winter  allenthalben  sehr  eisarm  gewesen  war.  Das  zuletzt  gemeldete  Eis  war  nur  leichtes,  loses  Eis.
Die  Monate  größter  Eiswahrscheinlichkeit  sind  in  Bremö  der  Februar  und  der  März,  größtenteils  auch  der
April.  Wenn  also  bis  zum  März  kein  Eis  aufgetreten  ist,  ist  auch  weiterhin  mit  keiner  Eisbildung  mehr  zu
rechnen,  diese  Wahrscheinlichkeit  ergibt  sich  aus  dem  sehr  milden  Winter  1931/32,  wo  es  gerade  eben  noch  zu
einer  Eisbildung  gekommen  ist,  und  das  Eis  bereits  verschwand,  als  die  Temperatur  noch  unter  Null  lag.  Im
Januar  sind  gegen  Ende  des  Monats  die  ersten  kurzen  Vorperioden  zu  erwarten.
10.  Die  Eisverhältnisse  von  Alnösund  (Bottnischer  Meerbusen)  Abb.  15.
Der  Alnösund  ist  zwischen  Sundsvall  und  der  vorgelagerten  Insel  Alnö  gelegen,  er  führt  im  Norden  zum
Klingerfjärd  an  der  Mündung  des  Indalsälf  und  im  Süden  zur  Mündung  des  Ljungan.  Das  Fahrwasser  von  Alnösund ­
  ist  demnach  sehr  geschützt  und  den  unmittelbaren  Einflüssen  der  freien  See  entzogen,  außerdem  überwiegt
hier  im  Norden  und  Süden  stark  die  Süßwasserzufuhr  der  genannten  zwei  Flüsse.  Dadurch  wird  im  ganzen  eine
wesentlich  schwierigere  Eislage  zu  erwarten  sein,  die  sich  eng  an  die  Verhältnisse  von  Binnengewässern
anschließen  dürfte.
Der  Eisbeginn  liegt  im  Mittel  der  zehn  Jahre  etwa  am  7.  Dezember,  der  der  Hauptvereisung  etwa  am
14.  Dezember.  In  zwei  Wintern  kamen  nur  vorläufige  Eisperioden  vor,  einmal  1924/25,  wo  sie  sehr  ausgedehnt
war  (vom  6.  XII.  bis  16.  I.)  und  dann  1930/31,  wo  sie  nur  zwei  Tage  währte  (20.  bis  22.  XII.).  Die  absoluten
Extreme  des  Eisbeginns  sind  der  2.  November  1926  und  der  12.  Januar  1932.  Die  Mehrzahl  der  Winter  entfernt
sich  aber  in  den  Daten  des  Eisbeginns  nicht  über  10  Tage  von  dem  errechneten  Durchschnitt.
Mit  einer  Ausnahme  tritt  zuerst  leichtes  Festeis  auf,  nur  im  Winter  1930/31  zeigte  sich  in  jenen  zwei  Tagen
der  vorläufigen  Periode  Treibeis.  Hierin  und  in  der  Tatsache,  daß  das  Festeis  zu  Beginn  noch  öfters  von  Packoder
  Treibeis  abgelöst  wird,  spiegelt  sich  die  Eigenart  einer  schmalen  Meeresverbindungsstraße  noch  wider,  wo
trotz  geschützter,  kontinentaler  Lage,  die  Einflüsse  von  Nord  und  Süd  sich  gelegentlich  bemerkbar  machen  und  die
Eisbildung  gestört  wird.  Die  Zeiten  mit  unruhiger  Eisbildung,  wie  sie  durch  zusammengeschobenes  oder  Treibeis
dokumentiert  sind,  können  immerhin  bis  zu  über  einen  Monat  andauem,  wie  im  Winter  1924/25,  wo  am  11.  Dezember ­
  bei  ansteigenden  Temperaturen  (über  0°  bis  Mitte  Januar)  Treibeis  auftritt.  Das  Treibeis  hielt  bis  zum
16.  Januar  an,  also  durchweg  bei  Temperaturen,  die  eine  Neueisbildung  verhinderten.  Erst  dann  wurden  die
Gewässer  eisfrei,  um  um  den  5.  Februar  endgültig  zu  vereisen.  Das  Eis,  das  Anfang  Dezember  bei  einer  kurzen
Frostperiode  gebildet  wurde,  reichte  nicht  aus,  um  die  nachfolgende  sehr  lange  Wärmeperiode  zu  überdauern.
Die  längere  Packeisperiode  im  November  1926,  welche  auf  eine  Woche  leichten  Festeises  folgte,  fiel  zusammen ­
  mit  einer  anhaltenden  Föhnlage  mit  südöstlichen  bis  östlichen  Wänden.  Dadurch  dürfte  ein  Eisstau  auf
die  bottnische  Küste  bedingt  gewesen  sein.  —  Umgekehrt  fiel  die  Treibeisperiode  im  Dezember—Januar  1924/25
zusammen  mit  einer  Periode  anhaltender  westlicher  undsüdwestlicher  Winde.
Die  Hauptvereisung,  d.  h.  die  Zeit  mit  starkem  Festeis,  fällt  durchschnittlich  in  die  Monate  Februar  und
März.  Das  Fehlen  der  Signatur  für  starkes  Festeis  im  Winter  1931/32  zeigt,  daß  der  Winter  ziemlich  milde  war
und  nur  leichte  Festeisbildung  gestattete.  Dies  wird  im  übrigen  durch  die  anderen  Stationen  bestätigt.
Andererseits  ist  es  nicht  recht  verständlich,  wenn  in  den  Berichten  starkes  Festeis  unmittelbar  bis  zum
letzten  Tag  mit  gemeldetem  Eis  überhaupt  angegeben  wird,  wie  im  Frühjahr  1925,  1926  und  1931.  Als  ebensowenig ­
  wahrscheinlich  muß  man  die  Angabe  starken  Festeises  gleich  zu  Beginn  des  Winters  1923/24  betrachten,
wenn  auch  der  Winter  sich  in  der  Folgezeit  als  sehr  streng  erwies.
            
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