Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhältnisse des Bottnischen Meerbusens
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In der Regel gehen der eigentlichen Hauptvereisung eine Reihe von Vorperioden voraus, die nur kurz
sind und selten große Pausen zwischen sich lassen. Die größte eisfreie Zwischenzeit betrug 18 Tage vom 10. bis
28. Januar 1927. Hier waren aber bereits zwei Vorperioden voraufgegangen, eine eintägige am 21. Dezember und
eine lOtägige vom 1. bis 10. Januar. Die folgende größere Pause findet durch die Temperaturen von Härnösand
keine hinreichende Begründung.
Der Beginn der Hauptvereisung selbst ist noch ziemlichen Störungen ausgesetzt, die jedoch nicht mehr zu
einer Unterbrechung der Vereisung führen konnten. Solche Verhältnisse lagen deutlich vor in den Jahren 1923/24,
1925/26, 1927/28, 1928/29 und 1930/31. In diesen Wintern begann die zusammenhängende Eisperiode mit Treib
oder Packeis, Eisarten, die nur unter unruhigen Verhältnissen entstehen können, sei es durch Luft- oder Meeres
strömungen. 1923/24 und 1925/26 schoben sich sogar zwischen das Treibeis Tage mit Festeis ein, das aber
wieder aufgebrochen wurde, um erst später wieder, dann endgültig, aufzutreten.
Leichtes Festeis findet sich zu Beginn der Vereisung nur selten, häufiger tritt Treibeis oder Packeis auf.
Dies spricht für vollmarine Verhältnisse, wo die ruhige Eisbildung der Küste fehlt. Erst wenn sich starkes Fest
eis gebildet hat und damit die Verbindung mit der Küste geschaffen ist, verhält sich auch dieses Gebiet wie Fest
landsgebiete in bezug auf die Vereisung.
Die eigentliche Hauptvereisung verläuft ungestört, sie fällt in der Regel in die Monate Februar und März,
nur 1923/24 reichte sie von Ende Januar bis Mitte Mai.
Der Eisgang ist meist ziemlich kurz, jedenfalls kürzer, als man bei einer so frei im Meere liegenden
Station erwarten sollte. Nur 1930/31 dauerte das Abtreiben des Eises länger als durchschnittlich, nämlich über
20 Tage. Selbst der strenge und lange Winter 1923/24 wies nur eine Eisgangperiode von 13 Tagen auf.
In vier Wintern wird unmittelbar nach starkem Festeis eisfrei gemeldet, erst kurze Zeit darauf tritt dann
Treibeis auf. Eigenartig waren die Verhältnisse beim Eisgang 1925/26, wo am 27. März starkes Festeis plötzlich
von Eisfreiheit abgelöst wurde und erst am 25. Mai, also nahezu 2 Monate später, noch eine 2tägige Treibeis
periode auftritt. Dieses Eis muß zweifellos aus anderen Gebieten herangetrieben sein.
Die Art des Eisganges wurde schon erwähnt. Ausschließlich findet sich Treibeis, das die Eisbedeckung ab
schließt, oft in mehreren Perioden wie 1926/27, 1928/29 und 1931/32. 1924/25, wo keine eigentliche Hauptver
eisung festzustellen ist, hörte die Eisbedeckung mit Eispressungen auf. In dieser Tatsache spiegelt sich die marine
Lage wider mit ihren einen ruhigen, kurzen Eisgang verhindernden Verhältnissen.
9. Die Eisverhältnisse von Bremö (Bottnischer Meerbusen) Abb. 14.
Die Insel Bremö liegt südöstlich von Sundsvall, der Halbinsel Björkö vorgelagert, von dem Festland ge
trennt durch den etwa 2 km breiten Bremösund. Da die Küsten des Festlandes nördlich wie südlich stärker west
wärts zurückweichen, ist zu erwarten, daß sich die vorgeschobene Lage in den Eisverhältnissen zu erkennen gibt.
Mittlere Daten auszurechnen ist bei der Unregelmäßigkeit der Eisverhältnisse in den einzelnen Jahren nicht
möglich.
Das erste Eis trat in den Extremen am 1. Dezember 1925 und am 25. Februar 1932 ein. In drei Wintern
war der Eisbeginn im Dezember, in vier weiteren Ende Januar — Anfang Februar. Die Eisverhältnisse wechseln
außerordentlich stark, hinsichtlich der Dauer wie der Art. Nur in einem einzigen Falle (1922/23) gab es den
ganzen Winter hindurch nur eine Eisperiode, die demnach gleichzeitig die Hauptvereisung darstellte. Sonst gehen
der Hauptvereisung, sofern eine solche überhaupt deutlich eintritt, eine bis vier Vorperioden voraus. Die Dauer
ist ebenfalls unregelmäßig; es finden sich ein- bis dreitägige Vorperioden, die sich jedoch meist an die Kälte
perioden (Beobachtungsstation Härnösand) anschließen. Die Häufigkeit von kurzen Vorperioden, die nicht mit
einander Zusammenhängen, sondern stets von eisfreiem Wasser abgelöst werden, spricht deutlich für ausgeprägt
marine Verhältnisse, wie es in der geographischen Lage der Station schon zum Ausdruck kommt. Allerdings geht
der marine Einfluß nicht so weit, daß die Eisbedeckung unabhängig von den Kälteperioden verlaufen kann.
Die Art des Eisbeginns ist wechselvoll. Treibeis und leichtes Festeis kommen abwechselnd vor. Treibeis
perioden können ein bis 30 Tage dauern, ebenso Zeiten mit leichtem Festeis ein bis 14 Tage. Eine
strenge Abhängigkeit der Treibeisperioden von den Witterungsverhältnissen (Auftreten starker Winde) ließ sich
nicht feststellen, auch bei ruhigem Hochdruckwetter kann Treibeis erscheinen. Die Strömungsverhältnisse spielen
demnach bei dieser weit vorgeschobenen Station eine große Rolle.
Die Hauptvereisung fällt durchschnittlich in die Monate Februar oder März, selten reicht sie bis in den
April hinein. In zwei Wintern fand überhaupt keine Eisbildung statt, 1924/25 und 1929/30. Im Winter 1931/32
trat kein starkes Festeis auf, nur Ende Februar und bis Mitte März 6 kurze Eisperioden mit leichtem Eis bzw.
Treibeis. Im Winter 1930/31 lag das Schwergewicht der Vereisung erst im März, starkes Festeis trat vom
14. März bis 1. April auf. Vorauf gegangen waren von Mitte Januar ab nur 4 kurze Perioden, am 2. März begann
erst zusammenhängendes Eis, das sich dann zu einer kurzen Hauptvereisung entwickelte.
Der Eisgang ist ebenso wechselhaft wie die Vereisung. Ein mittlerer Termin läßt sich nicht angeben,
da die Schwankungen zu groß sind. Als frühestes Datum für das Aufhören des Eises ergab sich der 24. März
1932, als spätestes der 29. Mai 1926. In drei Wintern vollzog sich der Eisgang rasch, ohne daß später Nacheis
perioden auftraten. In den übrigen 5 Wintern mit Eis gliederte sich der Eisgang in mehrere Perioden, die zum