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Full text: 55, 1936

Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhältnisse des Bottnischen Meerbusens 
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In der Regel gehen der eigentlichen Hauptvereisung eine Reihe von Vorperioden voraus, die nur kurz 
sind und selten große Pausen zwischen sich lassen. Die größte eisfreie Zwischenzeit betrug 18 Tage vom 10. bis 
28. Januar 1927. Hier waren aber bereits zwei Vorperioden voraufgegangen, eine eintägige am 21. Dezember und 
eine lOtägige vom 1. bis 10. Januar. Die folgende größere Pause findet durch die Temperaturen von Härnösand 
keine hinreichende Begründung. 
Der Beginn der Hauptvereisung selbst ist noch ziemlichen Störungen ausgesetzt, die jedoch nicht mehr zu 
einer Unterbrechung der Vereisung führen konnten. Solche Verhältnisse lagen deutlich vor in den Jahren 1923/24, 
1925/26, 1927/28, 1928/29 und 1930/31. In diesen Wintern begann die zusammenhängende Eisperiode mit Treib 
oder Packeis, Eisarten, die nur unter unruhigen Verhältnissen entstehen können, sei es durch Luft- oder Meeres 
strömungen. 1923/24 und 1925/26 schoben sich sogar zwischen das Treibeis Tage mit Festeis ein, das aber 
wieder aufgebrochen wurde, um erst später wieder, dann endgültig, aufzutreten. 
Leichtes Festeis findet sich zu Beginn der Vereisung nur selten, häufiger tritt Treibeis oder Packeis auf. 
Dies spricht für vollmarine Verhältnisse, wo die ruhige Eisbildung der Küste fehlt. Erst wenn sich starkes Fest 
eis gebildet hat und damit die Verbindung mit der Küste geschaffen ist, verhält sich auch dieses Gebiet wie Fest 
landsgebiete in bezug auf die Vereisung. 
Die eigentliche Hauptvereisung verläuft ungestört, sie fällt in der Regel in die Monate Februar und März, 
nur 1923/24 reichte sie von Ende Januar bis Mitte Mai. 
Der Eisgang ist meist ziemlich kurz, jedenfalls kürzer, als man bei einer so frei im Meere liegenden 
Station erwarten sollte. Nur 1930/31 dauerte das Abtreiben des Eises länger als durchschnittlich, nämlich über 
20 Tage. Selbst der strenge und lange Winter 1923/24 wies nur eine Eisgangperiode von 13 Tagen auf. 
In vier Wintern wird unmittelbar nach starkem Festeis eisfrei gemeldet, erst kurze Zeit darauf tritt dann 
Treibeis auf. Eigenartig waren die Verhältnisse beim Eisgang 1925/26, wo am 27. März starkes Festeis plötzlich 
von Eisfreiheit abgelöst wurde und erst am 25. Mai, also nahezu 2 Monate später, noch eine 2tägige Treibeis 
periode auftritt. Dieses Eis muß zweifellos aus anderen Gebieten herangetrieben sein. 
Die Art des Eisganges wurde schon erwähnt. Ausschließlich findet sich Treibeis, das die Eisbedeckung ab 
schließt, oft in mehreren Perioden wie 1926/27, 1928/29 und 1931/32. 1924/25, wo keine eigentliche Hauptver 
eisung festzustellen ist, hörte die Eisbedeckung mit Eispressungen auf. In dieser Tatsache spiegelt sich die marine 
Lage wider mit ihren einen ruhigen, kurzen Eisgang verhindernden Verhältnissen. 
9. Die Eisverhältnisse von Bremö (Bottnischer Meerbusen) Abb. 14. 
Die Insel Bremö liegt südöstlich von Sundsvall, der Halbinsel Björkö vorgelagert, von dem Festland ge 
trennt durch den etwa 2 km breiten Bremösund. Da die Küsten des Festlandes nördlich wie südlich stärker west 
wärts zurückweichen, ist zu erwarten, daß sich die vorgeschobene Lage in den Eisverhältnissen zu erkennen gibt. 
Mittlere Daten auszurechnen ist bei der Unregelmäßigkeit der Eisverhältnisse in den einzelnen Jahren nicht 
möglich. 
Das erste Eis trat in den Extremen am 1. Dezember 1925 und am 25. Februar 1932 ein. In drei Wintern 
war der Eisbeginn im Dezember, in vier weiteren Ende Januar — Anfang Februar. Die Eisverhältnisse wechseln 
außerordentlich stark, hinsichtlich der Dauer wie der Art. Nur in einem einzigen Falle (1922/23) gab es den 
ganzen Winter hindurch nur eine Eisperiode, die demnach gleichzeitig die Hauptvereisung darstellte. Sonst gehen 
der Hauptvereisung, sofern eine solche überhaupt deutlich eintritt, eine bis vier Vorperioden voraus. Die Dauer 
ist ebenfalls unregelmäßig; es finden sich ein- bis dreitägige Vorperioden, die sich jedoch meist an die Kälte 
perioden (Beobachtungsstation Härnösand) anschließen. Die Häufigkeit von kurzen Vorperioden, die nicht mit 
einander Zusammenhängen, sondern stets von eisfreiem Wasser abgelöst werden, spricht deutlich für ausgeprägt 
marine Verhältnisse, wie es in der geographischen Lage der Station schon zum Ausdruck kommt. Allerdings geht 
der marine Einfluß nicht so weit, daß die Eisbedeckung unabhängig von den Kälteperioden verlaufen kann. 
Die Art des Eisbeginns ist wechselvoll. Treibeis und leichtes Festeis kommen abwechselnd vor. Treibeis 
perioden können ein bis 30 Tage dauern, ebenso Zeiten mit leichtem Festeis ein bis 14 Tage. Eine 
strenge Abhängigkeit der Treibeisperioden von den Witterungsverhältnissen (Auftreten starker Winde) ließ sich 
nicht feststellen, auch bei ruhigem Hochdruckwetter kann Treibeis erscheinen. Die Strömungsverhältnisse spielen 
demnach bei dieser weit vorgeschobenen Station eine große Rolle. 
Die Hauptvereisung fällt durchschnittlich in die Monate Februar oder März, selten reicht sie bis in den 
April hinein. In zwei Wintern fand überhaupt keine Eisbildung statt, 1924/25 und 1929/30. Im Winter 1931/32 
trat kein starkes Festeis auf, nur Ende Februar und bis Mitte März 6 kurze Eisperioden mit leichtem Eis bzw. 
Treibeis. Im Winter 1930/31 lag das Schwergewicht der Vereisung erst im März, starkes Festeis trat vom 
14. März bis 1. April auf. Vorauf gegangen waren von Mitte Januar ab nur 4 kurze Perioden, am 2. März begann 
erst zusammenhängendes Eis, das sich dann zu einer kurzen Hauptvereisung entwickelte. 
Der Eisgang ist ebenso wechselhaft wie die Vereisung. Ein mittlerer Termin läßt sich nicht angeben, 
da die Schwankungen zu groß sind. Als frühestes Datum für das Aufhören des Eises ergab sich der 24. März 
1932, als spätestes der 29. Mai 1926. In drei Wintern vollzog sich der Eisgang rasch, ohne daß später Nacheis 
perioden auftraten. In den übrigen 5 Wintern mit Eis gliederte sich der Eisgang in mehrere Perioden, die zum
	        
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