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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3 
Winter war 1924/25, der zwar hier wesentlich länger war gegenüber 1929/30 und gegenüber den benachbarten Sta- 
tionen (u. a. auch Gävle), aber sich durch häufige Unterbrechungen der Vereisung auszeichnete. Vier getrennte 
Perioden lassen sich feststellen, die in sich wieder durch Zeiten mit Treibeis gegliedert werden. Es ist dies der 
veränderlichste von allen Eiswintern. 
Rechnet man die Vorperioden ab, erhält man als durchschnittlichen Beginn der Hauptvereisung den 13. Ja 
nuar, als Schluß den 20. April. Im Winter 1927/28 bildete sich während des ganzen Winters gar kein starkes 
Festeis. Die längste Periode mit starkem Festeis scheint der Winter 1925/26 gehabt zu haben, die von Ende De 
zember bis in den April reichte. Die im Diagramm noch längere Periode des Winters 1923/24 kann kaum als 
völlig zuverlässig gelten, da sicherlich ein Teil des hier als starkes Festeis angesprochenen Eises leichtes Festeis 
war, ein plötzliches Aufhören der Vereisung mit starkem Festeis ist unwahrscheinlich, und die übrigen Winter be 
stätigen dies auch. — 1928/29 ebenso wie auch 1930/31 verstärkte sich das inzwischen mürbe gewordene Eis 
wieder. Nach einigen Tagen mit leichtem Festeis Anfang April wird wieder starkes Festeis Mitte April gemeldet, 
das in Verbindung mit neuerlichem Frost Anfang April steht. 
Der Eisgang zeigt keinen einheitlichen Charakter, indem Jahre mit ruhigem Zerfall und solche mit Abdrift 
und Packung wechseln. Als mittlerer Termin des letzten Eises ergab sich der 25. April, der Hauptvereisung der 
20. April (vgl. oben), da in drei Fällen Nacheisperioden Vorkommen. Diese Nacheisperioden folgten sehr bald 
auf die Hauptvereisung, in zwei Fällen (1926/27 und 1924/25) nach eintägiger Eisfreiheit, im dritten Falle nach 
vier eisfreien Tagen. Im Frühjahr 1927 bestand die Nacheisperiode ausschließlich aus Treibeis. Ende März war 
Öregrundsgrepen eisfrei geworden, die Temperatur war bei vorwiegend südlichen Winden meist etwas über dem 
Nullpunkt, trotzdem wenig nördlicher noch ziemliche Kälte herrschte. Etwa über den Älandsinseln lag um diese 
Zeit eine Tiefdruckrinne, auf deren Südseite milde Luft eingetroffen war. Um die Monatswende, nach eintägiger 
Eisfreiheit, sprang der Wind auf nördliche Richtungen und die Bucht erhielt Treibeis. Dieses hielt sich nun trotz 
später wechselnder Winde noch bis zum 19. April, nachdem in den letzten Tagen starke westliche bis südwestliche 
Winde wehten. — Unklar sind die Beziehungen zwischen Temperatur, Wind und Eis bei der Unterbrechung der 
Vereisung im Frühjahr 1925, die auch nur einen Tag währte. Die Temperatur lag wohl über dem Gefrierpunkt, 
aber trotz Anhaltens der milden Witterung unter stillen Hochdruckverhältnissen erschien nach eintägigem Treib 
eis starkes Festeis, welches am 17. April bei stärkeren südlichen Winden in Packeis überging. Das Wiederver 
eisen war möglicherweise eine Folge der an der schwedischen Küste südwärts gehenden Meeresströmung, die trotz 
ruhiger Wetterlage das Eis der nördlichen Gebiete in die Öregrundsgrepen geraten ließ. 
Im März 1930 verschwand das bis dahin herrschende Packeis nach einer langdauernden Periode stürmi 
scher und milder westlicher Winde. Erst Mitte März trat eine starke Frostperiode ein, die Neueisbildung bedingte. 
Am 19. setzten wieder warme Südwestwinde ein, und am 22. geriet das neugebildete Eis ins Treiben, um bei den 
gleichen Witterungsverhältnissen am 24. zu verschwinden. Die Nacheisperiode war also in diesem Falle entgegen 
gesetzt den anderen Fällen durch Neueisbildung bedingt, während die beiden anderen Fälle eine Abhängigkeit 
nicht von der Temperatur, sondern von Wind- und Meeresströmungen erkennen lassen. 
Das Frühjahr 1932 zeigte einen sehr unruhigen Eisgang. Im März begann das Schwächerwerden des Eises. 
Am 18. geriet es bei Winden aus WSW ins Treiben, am 22. wird zusammengeschobenes Eis gemeldet, nachdem 
die Winde über Windstille nach N und nun nach WSW gedreht haben. Am 26. gerät das Eis neuerdings ins Trei 
ben, bei nördlichen, tags darauf aber südlichen Winden. Zwei Tage später verschwindet es bei südlichen Winden. 
Es ergibt sich hieraus, daß der Eisgang in Öregrundsgrepen auf Schwierigkeiten stößt, die im wesentlichen 
durch die Lage bedingt sind, da die Abdrift nach Norden durch den südwärts gehenden Strom mit Eis aus nörd 
lichen Gebieten, nach Osten durch Gräsö, nach Süden durch die Enge der Meeresstraße, nach Westen durch das 
Festland gehindert ist. Auf diese Weise währt die Vereisung oft länger, als es durch die Temperaturverhältnisse 
wahrscheinlich ist. 
6. Die Eisverhältnisse von Gävle (Bottnischer Meerbusen) (Abb. 11). 
Gävle liegt am inneren Ende der etwa 10 km ins Land einschneidenden Gävlebucht, die sich landeinwärts 
stark verengt, und an deren Mündung mehrere Inseln liegen (u. a. auch Eggegrund). Infolge dieser geschützten 
Lage und der Nähe des Festlandes sind auch stark kontinental beeinflußte Eisverhältnisse zu erwarten, wie aus 
den folgenden Ausführungen hervorgeht. Die Schwankungen, dies sei vorweggenommen, sind verhältnismäßig 
gering gegenüber anderen Stationen, so daß eine Mittelbildung möglich ist. 
Der mittlere Termin des Auftretens des ersten Eises liegt um den 28. Dezember, allerdings treten gelegentlich 
Vorperioden auf, so daß der mittlere Termin der Hauptvereisung erst auf den 5. Januar zu liegen kommt. Die 
Schwankungen sind nicht unwesentlich, wenngleich sie eine Mittelbildung noch einigermaßen rechtfertigen. Das 
früheste Auftreten von Eis ist am 1. Dezember beobachtet worden (1925), das späteste in den beiden milden 
Wintern 1924/25 und 1929/30 am 2. bzw. 6. Februar. 1924/25 begann die Hauptvereisung sogar erst am 3. März, 
nachdem Ende Februar nach einer anfänglichen Vereisung noch wieder offenes Wasser war. Im allgemeinen 
begann das Eis in den letzten Jahren stets später. 
Die Vereisung beginnt regelmäßig mit Festeis, ob aber in den ersten zwei Wintern die Meldung über 
starkes Festeis als Eisbeginn zu Recht besteht, dürfte zum mindesten fraglich erscheinen. In allen übrigen Fällen 
wird zuerst leichtes Festeis gemeldet. Diese ruhige Eisbildung, die sich eng an die erste größere Kälteepoche
	        
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