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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3 
Der Verlauf der Hauptvereisung ist stets noch sehr unregelmäßig. Ungestörte Perioden mit starkem Festeis 
auf längere Dauer gibt es nicht. Immer wieder wird die Festeisbildung durch Treibeis unterbrochen. 1923/24 
wurden sogar fünf kleinere Perioden mit starkem Festeis, die sämtlich miteinander durch Zeiten mit Treibeis in 
Verbindung stehen, gemeldet. 1930/31 bestand die „Hauptvereisung“ nur aus einer über einen Monat währenden 
Treibeisperiode ohne jegliches Festeis, an die sich mit kurzen Zwischenräumen noch drei kleinere Treibeisperioden 
anschlossen. Ob diese größere Treibeisperiode schon als richtige Hauptvereisung angeprochen werden darf, ist 
noch zweifelhaft, da, wie schon dargelegt, das Vorkommen von Treibeis nicht so sehr an die Temperaturverhält 
nisse gebunden ist und man darum zumindest nicht von einer „autochthonen“ Hauptvereisung sprechen darf. Der 
Zusammenhang der Hauptvereisung 1923/24 ist auch nur durch Treibeis hergestellt, so daß der Begriff hier eben 
falls noch nicht einwandfrei angewandt werden kann, da bei gleichen Temperaturverhältnissen zufällige Faktoren, 
die in der Lage und örtlichen Strömungsverhältnissen zu suchen sind, diesen Zusammenhalt ebensogut hätten stören 
können. Lediglich 1928/29 und 1922/23 traten unzweideutige Hauptvereisungen auf, mit einer an eine Frost 
periode geknüpften starken Festeisbildung. 
1927/28 traten sieben einzelne Eisperioden von nur kurzer Dauer auf, von denen noch keine den Rang 
einer Hauptvereisung erreicht hat. Auch der Winter 1931/32 bestand nur aus einer, sehr spät auftretenden kurzen, 
in sich aber nicht einheitlichen Vereisung. 
Der Schluß der Eisbedeckung wird in allen Wintern, in denen Eis überhaupt vorkommt, durch Treibeis ge 
bildet. Teils handelt es sich um mehrere kleinere Nacheisperioden wie 1928/29, teils um eine Zeit mit Treibeis, 
die sich der Hauptvereisung unmittelbar anschließt. Ende März bis Anfang April ist das lezte Eis zu erwarten. 
Die Extreme liegen am 19. April (allein drei Fälle) und am 19. März (zwei Fälle). Eine größere Spanne als 
11 Tage ist zwischen den einzelnen Nacheisperioden nicht beobachtet worden. 
4. Die Eisverhältnisse von Grundkall en (Siidkvark). 
Grundkallen Feuerschiff befindet sich am nördlichsten Ausgange des Südkvark in freier, maritimer Lage 
(60°30' N und 18°55' E). Die Eisverhältnisse dürften demnach die für festlandsferne Gebiete typischen Eigen 
schaften aufzuweisen haben. Eine Mittelbildung ist, wie sich aus dem Diagramm ergibt, völlig ausgeschlossen. 
Der Eisbeginn, sofern überhaupt von einem solchen gesprochen werden kann, kann sich bis in den Februar 
verzögern, 1929/30 fand überhaupt keine Eisbildung statt, dagegen war der Winter 1923/24, der andernorts eben 
falls sehr streng war, ungewöhnlich lang und unterscheidet sich nur wenig von festlandsnahen Stationen. Er be 
gann mit zwei eintägigen Treibeisperioden am 11. bzw. 14. Januar, am 24. Januar setzte die Hauptvereisung ein 
mit leichtem Festeis, das am 5. Februar in starkes Festeis überging. 
Vorherrschend beim Eisbeginn wie überhaupt beim Auftreten von Eis ist Treibeis. Packeis oder zusammen- 
geschobenes Eis findet sich nie. Nur die auf den ersten Blick kenntlichen strengen Winter zeigten auch Festeis 
bildung in größerem Ausmaß, ln diesen Wintern, 1923/24, 1925/26 und 1930/31, muß der Südkvark ganz zuge 
froren gewesen sein. Von dem Moment an, wo eine geschlossene Eisdecke den Südkvark bedeckt, besteht natürlich 
erhöhte Wahrscheinlichkeit, daß sie sich infolge des konservativen Verhaltens einer Eisdecke sowie infolge der 
Zufuhr von Eis aus dem Norden länger hält. Treibeis dagegen, oder lokale Eisflächen, werden, solange sie nicht 
mit der Küste und untereinander fest werden, stets nur vorübergehend sein, da schon die Meeresströmung nach 
Süden für raschen Abtransport sorgt. Aus diesem Grunde finden sich in den 10 Jahren keine Übergangswinter wie 
an anderen Stationen, die zwischen den eisarmen und den eisreichen Wintern vermitteln. 
Wie sehr die Eisverhältnisse hier von den Strömungsverhältnissen des Wassers und der Luft abhängig sind, 
und wie wenig ausschlaggebend die tiefen Temperaturen sein können, geht aus dem eisarmen Winter 1928/29 her 
vor, der fast überall tiefe Temperaturen und auch erhebliche Eisbildung zeigte, bei Grundkallen aber als einer 
der „mildesten“ Eiswinter erschien. Er wies im ganzen nur 5 kurze Eisperioden auf, von denen die längste eine 
Woche und die kürzeste einen Tag dauerte. Während des Hochwinters, im Februar und März, zeigte sich über 
haupt kein Eis, obgleich in Stockholm im Februar durchweg tiefe Temperaturen herrschten. 
Der Eisgang, sofern ein solcher ausgebildet ist, liegt dann recht spät. Die drei Winter mit starkem Festeis 
endeten erst im Mai, und 1923/24 schloß sich nach Aufhören des Festeises am 13. Mai noch eine Treibeisperiode 
an, die vom 19. bis 24. Mai währte. Auch in den Wintern, in denen fast gar kein Eis gebildet war, traten noch 
ziemlich spät kurze, meist nur 2tägige Treibeisperioden auf. Diese Verhältnisse stehen im Zusammenhang mit 
der Tatsache, daß das im Bottnischen Meerbusen gebildete Eis mit dem allgemeinen Strom südwärts verfrachtet 
wird und, sofern es nicht dem Schmelzprozeß unterwegs völlig anheimfällt, den Südkvark passieren muß, wo es 
dann in wärmeres Wasser der Ostsee gelangt und bald verschwindet. In den Wintern, in denen der Südkvark eine 
feste Eisdecke zeigte, hat sich das südwärts driftende Eis aus dem Bottenbusen im Südkvark gehäuft und der Eis 
gang hat nach Aufbruch der Eisbrücke große Mengen von Eis südwärts in die Ostsee treiben lassen. Leider sind 
die Beobachtungen nicht immer vollständig, und manche Lücke wird in Kauf genommen werden müssen. Für die 
Eisverhältnisse des gesamten Bottnischen Meerbusens ist jedoch diese Station ihrer Lage zufolge von grundlegender 
Wichtigkeit, namentlich was den Eisgang betrifft.
	        
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