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Walter Piersig: Schwankungen von Luftdruck und Luftbewegung
Zugstraße 4. Tiefdruckgebiete von der westafrikanischen Küste, nordwärts bis etwa 20°N reichend, ziehen entlang
der Front NE-Passat/SW-Monsun nach W bis SW; diese Zyklonen lösen die unperiodischen, nordwärts ge
richteten sommerlichen Monsunvorstöße aus.
In das Gebiet der tropischen Zirkulation selbst führen die Zugstraßen 2a — diese nur bei SE-
Kurs —, 2b, 3a, 3b, 4. Ihren Ausgang von diesem Gebiet nehmen nur die Zugstraßen 3a und 4; Zyklonen
dieser Zugstraßen sind möglicherweise Äußerungen der vom äquatorialen System ausgehenden Luftdruckwellen,
wie sie Schmauss (36) annimmt.
Ebensowenig wie die seit langem bekannten Zugstraßen der europäischen Tiefdruckgebiete (37) darf man
sich die hier besprochenen Zugstraßen linienhaft vorstellen: sie sollen wie jene nur eine allgemeine mitt
lere Tendenz für die Bahn dieser Zyklonen geben.
Tabelle 10.
Häufigkeit und jahreszeitliche Verteilung bei den Zyklonenbahnen, 1881 bis 1911.
Zugstraße
1
2a
2b
2c
2
3a
3b
3c
3
4
Summe
Monat
I
10
7
6
6
19
5
4
9
38
ii
18
8
4
—
12
5
2
3
10
—
40
in
10
14
5
—
19
1
1
5
7
—
36
IV
7
7
2
—
9
2
—
4
6
—
20
V
4
2
—
1
3
—
—
1
1
—
8
VI
—
—
—
—
—
—
—
3
3
(x)
3
VII
—
—
—
—
—
—
—
1
1
X
1
VIII
XX
—
IX
—
—
—
—
—
1
—
1
2
XX
2
X
6
4
—
1
5
2
2
1
5
X
16
XI
14
6
5
—
11
1
2
4
7
(x)
32
XII
13
5
4
5
14
1
—
3
4
—
30
Summe:
82
53
26
13
92
13
12
30
55
226
3. Häufigkeit und jahreszeitliche Verteilung der zyk 1 onalen Störungen
(Tabelle 10).
Die Häufigkeit der Störungen durch Zyklonen, die sich auf den Zugstraßen 1 oder 2 bewegen, ist
wesentlich größer als diejenige bei Zugstraße 3. Da feiner bei Typ 2 die Zugstraße 2a, bei Typ 3 die Bahn 3c
am häufigsten begangen wird, so ergibt sich, daß bei weitem die größte Anzahl der Passatstörungen durch Tief
druckgebiete bedingt werden, die selbst ihren Weg außerhalb des Passatgebietes nehmen.
Die Erscheinungen bei den Zyklonen der Zugstraße 4 sind nicht als Passat„störungen“ in gleichem Sinne
aufzufassen, ihr Auftreten in jedem Jahre und zu ganz bestimmter Jahreszeit gibt diesen vielmehr die Eigenschaft
des klimatologisch Normalen.
Die jährliche Häufigkeit von Zyklonen auf den einzelnen Zugstraßen erreicht maximal die Werte 5 bei
Zugstraße 1 in den Jahren 1892 bis 1896; 8 und 6 bei den Zugstraßen 2 in den Jahren 1891 und 1909; 6 bei
den Zugstraßen 3 im Jahre 1884. Bei letzteren ist die Abnahme der Häufigkeit etwa seit der Jahrhundertwende
auffallend: In den letzten 10 Jahren sind es 10 Fälle gegenüber 45 in den vorhergehenden 21 Jahren!
Die jahreszeitliche Verteilung. Während es zu den Kriterien der Zugstraße 4 gehört, daß sie mit
Regelmäßigkeit in allen Jahren beschritten wird, trifft das für die übrigen Zugstraßen nicht zu, wie sich
schon aus der Anzahl der Fälle für diese ergibt. Es liegt aber auch bei diesen, besonders bei Typ 1 und 2, ein
jährlicher Gang in der Häufigkeit vor:
Die Zugstraßen 1 und 2 werden am häufigsten in den Monaten II und III begangen; die Änderungen in
der Häufigkeit zu Beginn und Ende dieser Zeit sind bemerkenswert. Am zahlreichsten sind Störungen durch
Zyklonen auf Zugstraße 1 im II, durch solche auf Zugstraße 2 im I und III, in letzterem Monat besonders durch
Zugstraße 2a. Die Sommermonate, VI bis IX, sind dagegen völlig frei von Störungen dieser Art, was mit der
im Mittel relativ weit nördlichen Lage des Subtropenhochs zu dieser Zeit in Einklang steht.
Typ 3 tritt zwar ebenfalls vorzugsweise im Winterhalbjahr, mit dem Häufigkeitsmaximum im II, auf; Zug
straße 3c wird aber gelegentlich auch in den übrigen Monaten begangen, lediglich der VIII blieb ganz frei davon.
Zugstraße 4 zeigt eine von den Monaten VIII und IX nach beiden Seiten etwa gleichmäßig abklingende
Häufigkeit (in Tab. 10 durch verschiedene Verwendung des Zeichens „x“ angedeutet). Extreme Termine sind:
28. V. 02, 25. XI. 92 und 25. XI. 00.