accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 54, 1935/36

Dr.  Walter  Manegold:  Die  Wetterabhängigkeit  der  Oberflächenströmungen  in  den  Pforten  der  Ostsee

31

2.  Ausstrom
Gruppe  A  Vl/IIIb  (Tief:  Frankreich,  Hoch:  Finnland)
Beispiel  vom  4.  Februar  1921  (zu  S.  18,  dazu  Karte  10)
Nordöstlich  des  Ladogasees  etwa  liegt  der  Kern  des  Hochs  mit  787  mm  und  beherrscht  den  ganzen  Erdteil
mit  seinen  Isobaren,  die  nur  einen  Gradienten  von  kaum  mehr  als  1  mm  anzeigen  und  in  unserm  Gebiet  etwa
westnordwest-ostsüdöstlich  streichen:  das  ist  der  allgemeine  Eindruck  der  Wetterkarte,  der  schon  am  2.  Februar
und  am  7.  Februar  immer  noch  besteht.  Erst  westlich  Irlands  und  des  Kanals,  südlich  bis  in  die  Biskaya  und  nach
Südfrankreich  sich  erstreckend,  erscheint  während  des  4.  Februar  ein  Gebiet  geringen  Drucks,  das  in  unserm  Gebiet ­
  nur  das  Gefälle  etwas  verstärkt  (am  5.  19  Uhr)  und  für  die  Richtung  der  Isobaren  verantwortlich  ist.

Abtlg.

4.  8  Uhr

4.  19  Uhr

5.  14  Uhr

5.  19  Uhr

6.  8  Uhr

6.  19  Uhr

West

768,3

768,1

769,9

770,9

772,6

774,6

Mitte

769,3

769,7

770,7

771,6

773,1

774,2

Ost

778,8

778,1

779,7

780,0

780,1

780,5

Ungemein  gleichmäßig  und  beständig  ist  die  Wetterlage.  Von  einem  Anfang  oder  Ende  des  Falles  kann  man  nicht
sprechen.  Langsam  und  stetig  breitet  sich  noch  bis  zum  6.  der  Einfluß  des  Hochs  weiter  nach  Westen  aus.  Der
Unterschied  der  Abteilungen  untereinander  verschiebt  sich  nicht  bis  zur  Nacht  auf  den  6.  Februar.  Von  nun  ab
wird  der  Unterschied  Nordsee—Ostsee  geringer.  Eine  Aussicht  auf  Änderung  der  Lage  ist  nicht  vorhanden.
Der  Wind  weht  allgemein  aus  E.  Die  Stärke  erreicht  besonders  im  Westen  unseres  Gebietes  4  und  5  Bft.
Immerhin  ist  also  der  Wind  gegenüber  allem  bisher  Gewohnten  schwach.  Innerhalb  der  angegebenen,  allerdings
nur  engen  Grenzen  schwankt  er  nach  Richtung  und  Stärke.
Der  Strom  läuft  bei  jedem  Feuerschiff  in  der  Hauptausstromrichtung,  und  zwar,  bis  auf  kleine  Abweichungen ­
  in  Skagen  und  Laeso  Trindel,  ohne  Schwankung  in  Richtung  und  Geschwindigkeit  während  der  ganzen
Betrachtungszeit.  Die  Geschwindigkeit  ist  allgemein  nur  gering  (s.  Tabelle  6).  Es  ist  kein  Wetteranzeichen  vorhanden, ­
  das  für  den  Strom  von  3,5  sm/h  in  Schultz’  Grund  und  Lappegrund  verantwortlich  zu  machen  wäre.  Es
ist  nur  merkwürdig,  daß  er  kurz  vor  dem  Abnehmen  des  Luftdruckunterschiedes  Nordsee—Ostsee  so  schnell  läuft;
denn  andererseits  ist  es  undenkbar,  daß  eine  unmittelbare  Luftdruckwirkung  sich  gerade  nur  bei  diesen  beiden
Feuerschiffen  so  stark  äußern  könnte.  Auch  sonst  ist  ein  Gesetz  für  kleine  Geschwindigkeitsschwankungen  des
Stroms  nicht  zu  erkennen.  Es  ist  eben  „ungezwungener“  Strom  (vgl.  S.  19).
3.  Strom  aus  nähme
Zugstraße  IVb  (mit  Hochgebiet  Ia)
(Tief:  südwestliche  Ostsee,  Hoch:  Britische  Inseln)
Beispiel  vom  15.  Januar  1929  (zu  S.  29,  dazu  Karte  11)
Westlich  10°  WL  liegt  in  breiter  Front  ein  Hoch  (775  mm).  Weiter  östlich  folgen  am  15.  8  Uhr  eng  gescharte ­
  N—S-Isobaren  über  der  Nordsee  und  dann  ein  Tiefdruoktal,  dessen  Achse  von  Jütland  über  Süd-  und
Mittelschweden  bis  nach  Nordostfinnland  reicht.  Darin  ist  innerhalb  unseres  Gebietes  ein  Kern  vorhanden,  der
im  Laufe  des  15.  über  die  südwestliche  Ostsee  zieht.  Am  16.  8  Uhr  hat  das  Tief  noch  nicht  Wisby  erreicht.  Es
füllt  sich  hier  langsam  auf.  Westlich  davon  beträgt  der  Gradient  am  16.  4  mm.  Der  Luftdruck  beträgt  im  einzelnen:

Abtlg.

15.  8  Uhr

15.  19  Uhr

16.  8  Uhr

16.  14  Uhr

West

753,3

755,6

758,6

758,6

Mitte

751,4

738,2

744,9

746,7

Ost

744,6

742,6

745,8

747,6

Nord

747,5

751,7

753,0

754,1

Der  Verlauf  des  Tiefdrucktals  ist  in  den  Zahlen  vom  15.  8  Uhr  deutlich  zu  verfolgen.  Die  Nordsee  hat  den  höchsten ­
  Druck.  Die  mittlere  Abteilung  steht  noch  außerhalb  des  Jütland-Tiefs;  Abteilung  Ost  wird  gerade  von  dem
voraufgegangenen  Tief  überdeckt;  Abteilung  Nord  liegt  schon  westlich  des  Tiefdruckgebiets.  Am  15.  19  Uhr  ist
das  Jütland-Tief  genau  nach  Abteilung  Mitte  gerückt;  auch  die  Abteilung  Ost  wird  davon  erfaßt.  Am  16.  nimmt
der  Druck  überall  zu,  und  zwar  in  Abteilung  Mitte  mehr  als  in  Ost,  denn  in  dessen  Nähe  bleibt  das  Tief  liegen.
Auch  in  der  Nordsee  steigt  der  Druck.  Der  Luftdruckunterschied  Nordsee—Ostsee  ist  stets  klar  positiv.
Der  Wind  kommt  an^l5.  8  Uhr  in  Skagen  und  Gotenburg  aus  SE,  aber  schon  im  südlicheren  Kattegat
und  in  der  westlichen  Ostsee  aus  SW—WSW.  Entsprechend  dem  Vorrücken  des  Jütland-Tiefs  am  15.  krimpt  nun
der  Wind  nördlich  von  ihm,  im  S  schießt  er  aus:  In  Skagen  dreht  er  nach  NE,  südlich  der  Drogden  nach  NW
und  weiter  nach  N,  so  daß  am  16.  8  Uhr  der  Wind  im  Westen  unseres  Gebietes  ziemlich  einheitlich  aus  NNW—
NNE  weht.  Die  mittlere  Ostsee,  in  die  das  Tief  zu  dieser  Zeit  hineinzurüoken  beginnt,  hat  an  der  Westküste  NE-,
an  der  Ostküste  SW-Winde.  So  bleibt  es  bis  in  den  17.  hinein.  Wenn  man  sich  die  Bewegung  des  Tiefs  vo-rstellt,
sind  die  Windverhältnisse  ganz  klar;  aber  an  sich  betrachtet,  erscheinen  sie  sehr  verwickelt.  Solange  das  Tief  noch
westlich  Jütland  liegt,  beträgt  die  Windstärke  1—2,  aber  noch  am  15.  steigert  sie  sich  bis  6,  im  Süden  und  bei
den  Feuerschiffen  bis  8  und  9  Bft.  Am  Abend  des  16.  nimmt  sie  im  Westen  des  Gebiets  bis  etwa  5  ab  und  ist
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.