Aus dem Reisebericht« der deutschen Bark „Aeolus“,
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Aus dem Reiseberichte des Kapt. F. Reiner s, Führer der
deutschen Bark „Aeolus“.
(Mittkeilimg von der Deutschen &ee№&rie t )
I. Einige Bemerkungen über Bordeaux. 1 )
Den Seelootsen trifft man schon weit aufserbalb der Mündung der Gironde.
Derselbe bringt das Schiff nach der Rhede von Pauillac> wo geankert und der
Besuch der Zoll- und GcsondheUsbehörde abgewartet wird. Die Zollvisite
nimmt hier die Schiffspapiere und die Proviantliste in Empfang. Letztere mufs
so vollständig als möglich ausgefertigt sein und besonders ganz genaue Angaben
über dio Menge des an Bord befindlichen Tabaks und der Streichhölzer, auf
welche Gegenstände die Regierung ein Verkaufsmonopol hat, enthalten. Nach
diesen beiden Artikeln wird denn auch ganz besondere Umschau gehalten, und
wenn nur das Geringste mehr gefunden wird, als die Proviantliste besagt, so
erfolgt eine Geldstrafe von 50 Pres, Der Eifer der Zollbeamten wird noch
dadurch erhöht, dafs ihnen ein Theil der Geldstrafe als Belohnung zufäilt. Da
es nicht selten vorkommt, dafs einem Schiffe Unannehmlichkeiten durch Ver
heimlichung obiger Artikel seitens der Mannschaft entstehen, so sollte der
Kapitän strenge darauf halten, dals die Leute ihm ihren ganzen Vori'ath an
Tabak und Streichhölzern vorlegon, damit er im Stande ist, das genau richtige
Quantum in der Proviantliste aufführen zu können. Reichlich soviel als der
Bedarf während des Aufenthalts in Bordeaux beträgt, wird den Leuten wieder
ausgebäudigt; alles Andere wird versiegelt, häufig auch noch Kaffee, Thee und
Bier. Von Pauillac an mufs ein 3,6 m (12 Fufs) und tiefergehendes Schiff
unter den gewöhnlichen Verhältnissen einen Schlepper nehmen, der es nach
Bordeaux bringt, ebenso auch, um später wieder von dort zurückzugelangen. Da
in Bordeaux nur eine Schleppdampfer-Gesellschaft besteht, so ist der Schlepp
lohn erklärlicherweise ein recht hoher. Z«r Zeit des Neu- und Vollmondes
läuft eine sehr stärke Strömung auf der Gironde, namentlich in den Monaten
Juni, Juli uud August, in denen derselbe, wie mir die Lootsen versichert haben,
manchmal für die Schiffe gefährlich werden soll. Die starke Strömung ver
ursacht häufig viel Zeitverlust und Arbeit bei der Vertäuung des Schiffes in
Bordeaux. Der Änkergrund in Pauillac hält sehr schlecht, und wenn Wind und
Strömung einander entgegenstehen, wird der Anker leicht unklar, was wiederum
ein Treiben des Schiffes zur Folge haben kann.
Schiffsproviant ist in Bordeaux sehr theuer, desgleichen alle Reparaturen.
II. Häfen und Fahrten an der Westküste von Mexico. 2 )
Von San Blas nach Mazatlan. San Blas, welches wir von Bordeaux
am 7. Oktober 1887 nach einer 127 tägigen Reise erreicht hatten, wurde am
14. desselben Monats um 12 Uhr Nachts mit der Bestimmung nach Mazatlan
wieder verlassen. Mit der bis 8 Uhr Morgens anhaltenden südlichen Briese
wurde zunächst westwärts von der Küste abgesteuert. In den ersten Tagen
der Reise hatten wir leichte Winde aus nordwestlicher bis nordöstlicher Richtung
und einen starken südöstlichen Strom. Diese Verhältnisse, bei denen an ein
Aufarbeiten mit dem tiefbeladenen Schiff nicht zu denken war, brachten „ri eolw“
in die Nähe der Inseln Tres Marias. Erst am 21. Oktober wurde die Gelegen
heit etwas günstiger, indem bei gewitterhaftein, böigem Wetter östliche und
südöstliche Wände durchkamen. Am folgenden Tage ankerte „Aeolus“ nach
einer Reise von 7 Tagen auf der Rhede von Mazatlan.
Mazatlan. Auf der Innenrhede, in der Nähe von Cderw-lnsel, ist der
Ankergrund steinig, weshalb der Kapitän, auch gegen das Anrathen seines
Lootsen, bestrebt sein sollte, mehr nach der Insel Creston hinüber zu ankern.
Seit drei Jahren sind die Unkosten eines Schiffes in den mexikanischen Häfen
erhöht worden; das Tonnengeld in Mazatlan beträgt jetzt 1 Doll. 55 Cts. pro
Reg.-Totme und das Feuergeld für jedes fremde Schiff 25 Doll. Letzteres ist
J ) Siehe ebenfalls diese Annalen, Jahrgang 1886, Seite 811.
*) » » * * , 1884 „ 485.