Gerhart Schinze: Die praktische Wetteranalyse.
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die Warmfront am Boden erreicht hat (Okklusion), bereits eine starke zyklonale Windzirkulation aus-
gebildet haben. Von diesem Zeitpunkt ab wird die ursprünglich thermische Zyklone (das barometr. Mini
mum) in ihrer weiteren Entwicklung einem Wirbel im hydrodynamischen Sinne des Wortes als End
zustand zustreben. Dementsprechend wird nunmehr das weitere Fortschreiten des Zirkulationssystems
der unteren Schichten nur noch durch die Geseke der Trägheit oder die umgehenden, allgemeinen Luft
strömungen bewirkt werden. Darum wird auch in den meisten Fällen die Geschwindigkeit dieses Systems
(also des im Druckfeld am Boden wahrnehmbaren barometr. Minimums) abnehmen und schließlich
stationär werden. Der Warmsektor, der vom Okklusionsaugenblicke ab von der Erde sich loslöst und mit
immer höher werdender unterer Grenze in der Höhe fortschreitet, wird aber auch weiterhin ein jedoch
an Intensität abnehmendes Fallgebiet vor sich erzeugen. Der vorherrschenden Windrichtung im Testieren
den warmen Sektor entsprechend schreitet dieses Fallgebiet dann fort (vgl. Palmen 42).
Die sogenannte „stationäre Zyklone“ (nach Ekholm) ist also nach der luftmassenmäßigen Arbeits
methode eine thermisch tote Zyklone, die sich allmählich ausfüllt, d. h. also eine Zyklone, in der die Um
wandlung potentieller Energie in kinetische Energie aufgehört hat. Handelte es sich dabei um ein sehr
tiefes und vor allem umfangreiches barometr. Minimum, so kann aus ihm eine sogenannte Zentralzyklone
(Zentraltief) entstehen. Dies bedeutet, daß die noch nachfolgenden thermischen Zyklonen derselben Serie
— vgl. auch den später behandelten Serienbegriff (J. Bjerknes und H. Solberg 9) und häufig auch noch die
der nächsten Serie von der Zirkulation der Zentralzyklone (Zentraltief) erfaßt werden und diese um
kreisen. Dabei tritt der von Ekholm beschriebene Niederschlag in der stationären Zyklone auf (vgl. auch
Hann Lehrbuch S. 572, Bemerkungen). Der Niederschlag dürfte hierbei teils Instabilitäts-, teils Aufgleit
charakter haben, da in einer durch Kaltluftmassen sich auffüllenden Zentralzyklone sowohl durch Instabilität
der Kaltmasse als auch durch die in der Höhe noch aufgleitenden Restmassen (bzw. durch Gesamthebung
und Konvergenz der Massen oder geordnete Auslösung der Feuchtlabilität) (Refsdal 44) Niederschläge er
zeugt werden (vgl. auch W-Wettertyp). Der von Ekholm besonders erwähnte Nebel in solchen Zentral
zyklonen ist wohl durch Entstehung einer Bodeninersionsschicht durch das beim Auffüllen stattfindende
Abflauen der Winde unter gleichzeitiger Abkühlung relativ feuchter Luftmassen zurückzuführen. Dies
dürfte besonders in winterlichen Zentralzyklonen über Wasser der Fall sein, wo die Kaltmasse durch
thermische Konvektion über der warmen Unterlage rasch hohe relative Feuchtigkeit erreicht und hei
Windabnahme Nebelbildung sich einstellt (Willet 62). Das gleiche beobachten wir auch häufig hei flachen
stationären Zyklonen nach verbreiteten Niederschlägen im Sommer über dem Kontinent.
An dieser Stelle sei besonders auf die ausführlichen Untersuchungen von E. Palmen hingewiesen,
von denen hier nur folgende wichtigste Regeln über Fallgebiete wiedergegeben seien:
1. Ein barometrisches Fallgebiet zyklonalen Charakters bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die mit
der Windgeschwindigkeit im Warmluftkörper in der Nähe des Fallzentrums zunimmt.
2. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Fallgebiete ist in der Regel kleiner als die geostrophische Wind
geschwindigkeit an der Erdoberfläche innerhalb des warmen Gebietes und auf jeden Fall kleiner als
die geostrophische Windgeschwindigkeit (aus dem Druckgradienten an der Erdoberfläche berechnet)
in größerer Höhe der Atmosphäre (2—3 km).
3. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Fallgebiete ist durchschnittlich etwas größer als diejenige asymme
trischer Zyklonen.
Einige andere Regeln, die durch das Studium der Isallobaren-bzw.Isallothermen-Gebilde (Tichomiroff 60)
gefunden worden sind, sollen hier noch erwähnt werden. Die nachfolgende Regel von Defant besagt (Defant 16,
II, S. 152—170), daß die wandernden Steig- und Fallgebiete der Temperatur ein Ausdruck für die Verlage
rung von kalten und warmen Luflmassen bzw. ihrer Begrenzungen, der Kaltfront und Warmfront (am
Boden oder in der Höhe) sind. „Verlaufen die Strömungslinien der Luft von einem Fallgebiet der
Temperatur in ein Steiggebiet der Temperatur, so findet im letjteren Gebiete eine Druckzunahme statt,
die umso größer ist, je größer die isallothermische Differenz beider Gebiete ist; verlaufen aber die
Strömungslinien von einem Steiggebiet in ein Fallgebiet der Temperaturen, so fällt der Druck in leßterem
Gebiete.“ (Defant II, 16, Wettervorhersage S. 189 und 243.)