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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 52. Bd. Nr. 1.
die im Sommer über dem Kontinent in antizyklonalen Lagen überwiegend eine an Ort und Stelle umge
wandelte und erwärmte Kaltmasse darstellt, hat yseinen häufigsten Wert bei 0.65 bis 0.70,
während bei 0.55 bis 0.60 liegt.
Typ-Thetagramm (T L).
In Fig. I 7 ist als Beispiel für eine mTW der kälteren Jahreszeit der Aufstieg vom 15. Januar 1930
von Hamburg zur Darstellung des Typ-Thetagramms benutjt worden. Nach einer bodengestörten Über-
gangssdiicht treffen w r ir ab 600 m auf typische, winterliche mTW. Als Repräsentant für eine aktive,
homogene mTW der wärmeren Jahreszeit wurde München vom 13. Juli 1931, 8 Uhr, gewählt. Im Gegensatj
zur kälteren Jahreszeit beginnt die mTW bereits am Boden und hat im vorliegenden Falle eine Mächtig
keit von 4000 m. Ab 4700 m bis zum Ende dieses Aufstieges findet sich austrocknende TW-f vor.
Fig. I 8 zeigt das Typ-Thetagramm der cTW mit einer für die kältere Jahreszeit besonders typisch
ausgeprägten Bodenkaltluftschicht, die durch den Aufstieg von München vom 7. November 1931 8 Uhr
repräsentiert wird. Bei der winterlichen cTW zeigt sich an den siid- und mitteldeutschen aerologischen
Stationen in den Schichten zwischen 500 und 2500 m der typische Föhneinfluß der Alpenkette. In Höhen
lagen über 3000 m macht sich dagegen meist eine Zunahme der relativen Feuchte bemerkbar. Für die
wärmere Jahreszeit wurde zur Darstellung der cTW der Aufstieg von Berlin vom 26. Mai 1931 8 Uhr
herangezogen. Der Hauptunterschied zwischen cTW und mTW liegt überwiegend in den y-Werten, wobei
in Mitteleuropa > 0.65 und ;' m ^^ < 0.65, meist sogar unter 0.60 liegt. Der y-Wert der sommer
lichen mTW liegt fernerhin niedriger wie der winterliche mTW-Wert. Bei der winterlichen cTW macht
sich außerdem — wie schon vorher erwähnt — der Föhneinfluß der Alpenkette besonders stark bemerkbar.
Typ-Thetagramm (E L).
Der in Fig. II1 im Thetagramm dargestellte Aufstieg von Friedrichshafen vom 23. Juli 1929 7 Uhr ist
besonders bemerkensw T ert. Ein dynamisch bedingtes antizyklonales System — der nordwärts ver
lagerte Hochdruckgürtel der Roßbreiten — befindet sich über Mitteleuropa (vgl. auch Schinze 50). Die
absinkenden warmen Massen dürften äquatorialen Ursprungs sein, wobei ihre untere Begrenzung beim
Vormittagsaufstieg in Friedrichshafen in 900 m Höhe liegt. Am Boden befindet sich Friedrichshafen dabei
bis 600 m in einer subtropischen, der äquatorialen Luft (EL) (Schmauss 57) gegenüber kälteren M.
Im Gegensatj zu aktiven M zeigen die inaktiven, absinkenden M eine ganz andere Form des Typ-
Thetagramms. Als Beispiel wurde ein Aufstieg von Lindenberg am 3. Februar 1929 8 Uhr gewählt
(Fig. II 2). Im Bereiche eines antizyklonalen Systems — im Gegensatj zur dynamischen Antizyklone vom
23. Juli 1929 handelt es sich hier um eine thermische Antizyklone — findet ein starkes Absinken
der cAK statt. Den stärksten Temperaturanstieg zeigen die untersten 175 m — die eigentliche durch
nächtliche Ausstrahlung entstandene Bodeninversionsschicht. Von 300 m bis 1800 m finden wir eine Sperr
schicht und von 1800 m bis zum Ende des Aufstieges bei 2700 m treffen wir eine Übergangsschicht an.
Diese Dreiteilung — Bodeninversionsschicht, Sperrschicht und Übergangs
schicht —- ist für thermische Antizyklonen typisch.
In den nun folgenden Beispielen seien noch einige besonders ausgeprägte mitteleuropäische Wetter
lagen (der Bodenwetterkarte) in ihren aerologischen Aufstiegen durch Thetagramme charakterisiert.
Zunächst werden in Figl 9 drei im Thetagramm dargestellte Aufstiege von Lindenberg am 9. Februar
1929 wiedergegeben, die den kräftigsten cAK-Einbruch des extrem kalten Februar zeigen. Beim
8-Uhr-Aufstieg befindet sich die vorstoßende cAK noch östlich von Lindenberg, und das Lindenberger
Thetagramm zeigt eine gut ausgebildete bis 200 m reichende Bodeninversionsschicht. Der 11-Uhr-Aufstieg
befindet sich in der eigentlichen Frontalzone, das Thetagramm zeigt mit Ausnahme des Bodenwertes in der
ganzen durchmessenen Schicht gegenüber 8 Uhr eine Abahme von & und der y-Wert 0.30 ist typisch für
Frontalzonen (Übergangszonen) in aktiven Massen. Beim 14-Uhr-Aufstieg ist die cAK in Lindenberg ein