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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 52. Bd. Nr. 1.
9. Für eine dynamisch wichtige Front ist der ausgeprägte Präfrontalwind typisch. Die Windstärke
überschreitet dabei bei einer gewissen Geschwindigketi eine kritische Grenze, bei der die turbulenten
Anstöße so kräftig werden, daß eine plötzliche Auflösung der Bodeninversionsschicht (Kaltlufthaut) statt
findet. Die Temperatur steigt an, und eine dynamisch belanglose Scheinfront entsteht, die sich jedoch im
Druck- und Hydrometeorenfeld nicht auswirkt. Bei Vorhandensein einer geschlossenen Schneedecke wird
die verhältnismäßig leichte Auflösung der Bodeninversionsschicht (Kaltlufthaut) erschwert bzw. verhindert,
da eine rasche Wärmezufuhr vom Erdboden auch nach Abschirmung durch den aufziehenden Altostratus-
Schirm nicht stattfindet.
Maskierter Kälteeinbruch.
Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten für die Auswirkung einer in der kälteren Jahreszeit in
kontinentale Gebiete einbrechenden Kaltluftmasse. In dem einen Falle wird die kinetische Energie auf
die ruhende Kaltluftschicht übertragen und diese dabei teilweise aufgerieben. Die Beseitigung der kon
tinentalen Kaltlufthaut (cPKe, cAKe) findet in diesem Fall durch einen „maskierten“ (H. v. Ficker 22,
König 30, Schreiber 58) Kälteeinbruch statt. Reicht jedoch die kinetische Energie zur Aufreibung der
Kaltlufthaut (Bodeninversionsschicht) nicht aus, dann gleitet die Kaltmasse oberhalb der dünnen Kaltluft
haut weiter und wirkt sich dann für den Boden ähnlich wie eine aufgleitende Warmmasse aus.
Maskierter Wärmeeinbruch.
Bei ausgeprägtem präfrontalem Föhn vor der Warmfront kommt es oft zur Ausbildung eines „mas
kierten Wärmeeinbruchs“ (einer maskierten Warmfront nach Bergeron). Mit einsetzendem Föhn — nach
Zerstörung der Bodeninversionsschicht — bildet sich eine Scheinfront aus, wobei die Temperatur so hoch
steigen kann, daß beim eigentlichen Durchgang der Warmfront häufig sogar Temperaturrückgang eintritt.
Bei Berechnung (Benutzung der ©'-Werte vgl. Kap. II) dürfte jedoch fast ausnahmslos auch bei vorange
hendem präfrontalem Föhn nach Durchgang der eigentlichen Warmfront eine Zunahme der ©'-Tempera
turen zu verzeichnen sein.
II. Verwertung der
aerologischen Aufstiege und Bergstationen.
Neben einer größeren Anzahl von Bergstationen verfügt besonders Mitteleuropa über relativ zahl
reiche Aufstiegswerte aus der freien Atmosphäre. Die sehr regelmäßig durchgeführten deutschen aero
logischen Aufstiege ermöglichen daher bei der Luftmassenanalyse schon in den Vormittagsstunden bei
der Diagnose und Prognose des täglichen Wetterdienstes von der „indirekten Aerologie“ zu einer mehr
„direkten Aerologie“ überzugehen.
Die bisher in der Praxis am häufigsten verwendete, gesonderte Darstellung von Temperatur und
Feuchte wird jedoch meist keine eindeutig befriedigende Auswertung der Aufstiegsergehnisse für die
Luftinassen-Analyse ermöglichen, zumal die Temperatur der freien Atmosphäre nur eine bedingt konser
vative Eigenschaft der Luftmasse darstellt. Erst unter Berücksichtigung der Feuchte findet man durch
Berechnung des Wärmegehalts der Luft eine besonders für aerologisch-synoptische Bearbeitungen geeignete
Größe: die Äquivalenttemperatur T' bzw. die äquivalent-potentielle Temperatur ©' (vgl. Robi^sch 46).
Unter T' versteht man die um die äquivalente Temperaturdifferenz A t vermehrte absolute Temperatur,
wobei T' „dem gesamten in der Masseneinheit Luft vorhandenen Wärmeinhalt proportional ist“. Wenn
die Äquivalenttemperatur auf Wassersättigung bezogen wird, ist dabei nach Robi^sch A t = * - S =———-