accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : 52, 1933/34

Ger  hart  Schi  uze:  Die  praktische  Wetteranalyse.

25

Verschiedene  Wirkungsarten  der  Fronten  (Frontenregeln).
Bei  der  Konstruktion  der  Fronten  sind  noch  einige  prinzipielle  Punkte  erwähnenswert,  und  gleichzeitig ­
  sollen  hier  noch  einige  „Frontenregeln“  gegeben  werden.
1.  Eine  Front  ist  immer  der  Station  am  nächsten,  die  im  Druckfeld  den  tieferen  Druck  (Trog)  hat,
wobei  jedoch  ein  Trog  nicht  unbedingt  eine  Front  enthalten  muß.
2.  Über  die  Bewegung  der  Kaltfront  und  Warmfront  läßt  sich  verallgemeinernd  sagen,  daß  die  Kaltfront ­
  überwiegend  sich  so  fortbewegt,  wie  es  die  Strömung  (Stärke  und  Richtung)  im  topographisch  bzw.
orographisch  ungestörten  Gelände  auf  der  kalten  Seite  der  Diskontinuität  vorschreibt.  Hierbei  ist  jedoch
vorausgesetzt,  daß  die  Frontfläche  keinerlei  Veränderungen  ihres  vertikalen  Profils  erleiden  darf;  ferner
soll  in  der  Kaltmasse  hinter  der  Kaltfront  keinerlei  Vertikalbewegung  Vorkommen  und  eine  Aufreibung ­
  (Zerstörung)  der  Kaltmasse  durch  Überführung  der  Kaltluft  in  Warmluft  mit  Hilfe  von  „Wolkentransport“ ­
  nicht  stattfinden.  Zusammenfassend  bedeutet  dies  also,  daß  eine  Diskontinuitätsfläche  der
aktiven  Kaltmasse  als  praktisch  nahezu  undurchdringliche  Trennungsfläche  zweier  verschiedener  Luftmassen ­
  anzusehen  ist.  Die  Warmfrontaufgleitfläche  ist  dagegen  nicht  als  ganz  undurchdringlich  anzusehen.
Die  Geschwindigkeit  der  Warmmasse  hinter  der  Warmfront  wird  verzögert  durch  das  Ablecken  eines
Teiles  der  voranliegenden  seichten  kälteren  Masse,  die  aufgewirbelt  wird  und  in  die  Warmmasse  einverleibt, ­
  mit  dieser  sich  fortbewegt.  Die  potentielle  Energie  der  absinkenden  Kaltmasse  wird  dabei  teilweise
in  kinetische  Energie  umgewandelt,  zum  großen  Teil  jedoch  dazu  benutzt,  die  Reibungswiderstände  zu
überwinden.
3.  Die  beiden  wichtigsten  Veränderungen  im  Strömungsfeld,  die  eine  Kaltfront  erleidet,  sind  entweder ­
  Beschleunigung  oder  Verzögerung.  Im  ersten  Falle  bewegt  sich  die  Kaltfront  besonders  schnell,  und
die  hinter  der  Kaltfront  folgende  Kaltmasse  sinkt  aus  einigen  Kilometern  Höhe  sich  addiabatisch  erwärmend ­
  und  austrocknend  rasch  zusammen  und  es  kommt  zur  Auflösung  oder  Spaltung  der  Kaltfront
(J.  Bjerknes,  11).  Bei  der  verzögerten  Kaltfront  dagegen  zeigt  die  Warmmasse  große  Bewegung,  während
die  Kaltmasse  nur  langsam  strömt,  und  es  entsteht  zuletzt  eine  cpiasistationäre  Diskontinuität.
4.  Besonders  auf  der  Rückseite  großer  Zentralzyklonen  kommt  es  häufig  zur  Ausbildung  von  verzögerten ­
  Kaltfronten,  an  denen  oft  ein  breites  Regenband  entsteht.
5.  Strömt  die  Warm-  und  Kaltmasse  in  gleicher  Richtung,  so  ist  die  Front  im  allgemeinen  flach
geneigt  und  das  zusammenhängende  Niederschlagsgebiet  findet  sich  erst  in  größerer  Entfernung  von  der
eigentlichen  Frontschnittfläche  mit  dem  Erdboden  (im  Bereiche  der  Kaltluft).
6.  Bei  nur  schwacher  Aufwärtsbewegung  auf  nur  schwach  geneigten,  fast  horizontalen  Diskontinuitätsflächen
  kommt  es  bei  Niederschlagsbildung  nur  zu  Nieseln  (bzw.  Sprühregen);  zu  großtröpfigem  (normalem) ­
  Landregen  gehört  dagegen  relativ  stärkeres  Aufgleiten  auf  relativ  stärker  geneigten  Gleitflächen.
7.  Schauerniederschläge  sind  dagegen  auf  vertikale  Aufwärtsbewegung  an  der  Kaltfront  oder
innerhalb  der  Kaltmasse  zurückzuführen.
8.  Bei  der  Frontenkonstruktion  ist  ferner  zu  beachten,  daß  die  Isallobaren-Begrenzungen  keinesfalls ­
  in  allen  Teilen  parallel  mit  den  Fronten  gehen  oder  mit  diesen  zusammenfallen  müssen!
Die  größte  Vertiefung  im  Isallobarenfeld  befindet  sich  rechts  vom  Okklusionspunkt.
Einige  besondere  Regeln  von  Bergeron  über  die  Fallgebiete  seien  weiterhin  angeführt:
a)  Ein  präfrontales  Fallgebiet,  das  in  der  Mitte  (im  Zentrum)  außergewöhnlich  stark  fällt,  wird  sechs
oder  zwölf  Stunden  später  beinahe  verschwunden  sein  und  im  Druckfeld  fängt  das  Tief  sich  an  auszufüllen.
b)  Sowohl  Wolkengebiet  wie  Fallgebiet  einer  Okklusion  sind  quer  auf  die  allgemeine  Strömung
orientiert.  Dies  gilt  auch  von  der  Warmfront,  die  zum  ersten  Mitglied  einer  Serie  gehört.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.