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Volltext : 52, 1933/34

Dr.  J  o  h  a  n  n  Richter:  Die  Vereisung  der  Beltsee  und  südlichen  Ostsee  im  Winter  1928/29.  51

die  Trift  der  Maud  (1)  eine  Dauer  von  zwei  Jahren  umfassen.  Die  längste  Zeitspanne  unserer
Ostseetriften  dagegen  beträgt  rund  vier  Wochen.
5)  Drittens  besteht  ein  Unterschied  in  dem  Beobachtungsmaterial.  Die  Positionen  der  Polartriften ­
  beruhen  auf  genauem  astronomischem  Besteck.  Windrichtung  und  -Stärke  wurden  stündlich ­
  und  zweistündlich  beobachtet:  auf  der  Maud  wurde  sogar  größtenteils  mit  einem  registrierenden ­
  Anemographen  gearbeitet.  Die  Positionen  der  in  der  Ostsee  treibenden  Schiffe  dagegen ­
  wurden  durch  Peilung  oder  Besteckrcchnung  gefunden.  -Windrichtung  und  -Stärke
wurden  vierstündlich  festgestellt.  Die  Windstärke  wurde  in  Beaufort-Graden  geschätzt.
4)  Endlich  wurden  die  Daten  der  drei  genannten  Polartriften  von  vornherein  mit  der  Absicht
einer  späteren  wissenschaftlichen  Verarbeitung  gewonnen,  dementsprechend  waren  geeignete
Beobachtungsinstrumente  an  Bord.  Auch  diese  Voraussetzung  trifft  für  unsere  Ostseetriften
nicht  zu.  Das  Hin-  und  Hertreiben  der  vom  Eise  eingeschlossenen  manövrierunfähigen  Handelsschiffe ­
  war  für  Schiff  und  .Mannschaft  eine  höchst  unerfreuliche,  ja  sogar  lebensgefährliche
Angelegenheit,  wie  der  durch  Eispressung  bewirkte  Untergang  der  Götaälf  ja  zeigt  (s.  S.  18).

Wir  werden  demnach  schon  aus  dem  oben  Gesagten  den  Schluß  ziehen  können,  daß  wir  nur  angenäherte ­
  Ergebnisse  zu  erwarten  und  außerdem  noch  mit  einem  überwiegenden  Einfluß  durch  die
Landmassen  zu  rechnen  haben.
Wenden  wir  uns  nun  den  wissenschaftlichen  Voraussetzungen  für  eine  Eistrift  zu.  so  können  wir
drei  Faktoren  feststellen,  von  denen  eine  solche  Eistrift  abhängt:
1)  A  on  der  Tangentialkraft  des  Windes,
2)  Von  der  ablenkenden  Kraft  der  Erdrotation.
5)  Vom  Eiswiderstand.
Die  hieraus  entstehende  Trift  kann
4)  von  einem  unter  dem  Eise  laufenden  Strom  verändert  werden.
Für  die  Behandlung  der  Ostseetriften  eignet  sich  Sverdrups  Theorie  (1)  der  Maud-Trift  auf  dem
Nordsibirischen  Schelf;  denn  die  hydrographischen  Verhältnisse  beider  Meere  stimmen  in  den  für
die  Eistrift  wichtigen  Faktoren  weitgehend  überein:  einer  salzreichen  Unterschicht  ist  eine  salzarme
Oberschicht  aufgelagert.  Dies  ist  von  Bedeutung  für  die  Reibung,  die  bei  der  Bewegung  der  Schichten ­
  übereinander  hin  an  der  Grenzfläche  beider  auftritt.  Freilich  ist  in  der  Ostsee  mit  dem  Vorhandensein ­
  eines  unter  dem  Eise  laufenden  Stromes  zu  rechnen,  während  der  Nordsibirische  Schelf
stromlos  ist.
Wir  wollen  deshalb  Sverdrups  Theorie  für  unsere  Untersuchungen  zugrunde  legen,  aber  aus
nachstehenden  Gründen  uns  auf  den  einfachen  Fall  stationärer  Verhältnisse  beschränken:
1)  Ist  der  zeitliche  Triftverlauf  sehr  gering,  so  daß  Aenderungen  von  Windrichtung  und  Geschwindigkeit ­
  keine  große  Bedeutung  haben  werden.
2)  Des  Einflusses  der  Landkonfiguration  auf  den  Trift  verlauf  wegen.
3)  Der  überaus  wechselnden  Stärke  des  Eises  wegen.
Nach  Sverdrup  lauten  die  Bewegungsgleichungen  der  Eistrift  wie  folgt:
dwx  .  dwy  .
—-  k  •  wx  +  /.  •  wy  -j-  -  c  •  v  —  k  •  w y  —  /.  ■  wx

wobei  bedeutet:

t  die  Zeit
v  die  Windgeschwindigkeit
/.  die  ablenkende  Kraft  der  Erdrotation
oi  die  Winkelgeschwindigkeit  der  Erde
</  die  geographische  Breite
C  die  Windwirkung  (ein  Proportionalitätsfaktor)
k  den  Widerstandskoeffizienten  des  Eises
w  die  Triftgeschwindigkeit
Wx  die  Bewegung  auf  der  x-Achse
w y  die  Bewegung  auf  der  y-Achse

M  Sin  ‘f

eines  rechtwinkligen  Koordinatensvstems.

1)  H.  U.  Sverdrup,  The  Wind-drift  of  the  Ice  u$w.  S.  a.  Fußnote  S.  50.
            
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