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Full text : 52, 1933/34

Dr.  Johann  Richter:  Die  Vereisung  der  Beltsee  und  südlichen  Ostsee  im  Winter  1928/29.

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falls  aus  dieser  Tab.  ersichtliche  Umkehrung  der  Eisverhältnisse  zur  Folge.  Gerade  der  Kleine  Belt
weist  in  diesem  Winter  die  längste  Eisperiode  von  15  Tagen  auf,  dagegen  der  Sund  nur  eine  solche
von  vier  Tagen.  Mit  großer  Wahrscheinlichkeit  läßt  sich  vermuten,  daß  fiir  die  geringe  Vereisungsdauer ­
  des  Sundes  (im  Verhältnis  zum  Großen  und  Kleinen  Belt)  die  hohe  Temperatur,  dagegen  für
die  relativ  lange  Eisperiode  des  Kleinen  Belts  in  erster  Linie  die  starke  Salzgehaltsdepression,  aber
auch  die  niedrige  Temperatur  verantwortlich  ist.
Wir  verlassen  nunmehr  die  Beltsee  und  wenden  uns  im  nächsten  Abschnitt  der  Vereisung  der
südlichen  Ostsee  zu.

d)  Die  Vereisung  der  südlichen  Ostsee.
Bei  der  Besprechung  der  Eisverhältnisse  in  der  Beltsee  während  des  Winters  1928/29  konnten
wir  zwei  Stadien  der  Vereisung  unterscheiden:  Ein  Vorstadium  und  die  Hauptvereisungsperiode.  Beide
Stadien  sind  auch  an  der  deutschen  Küste  der  südlichen  Ostsee  zu  beobachten,  und  wie  in  der  Beltsee ­
  erscheint  auch  hier  während  des  Vorstadiums  das  erste  Eis  in  den  Buchten  und  Haffen.  (Verg!.
S.  27,  19.  12.  1928).  Zur  Zeit  des  Höhepunktes  dieser  Periode  beginnen  bereits  auch  einzelne  Stellen
der  freien  Ostsee,  wie  die  Darsser  Schwelle  und  die  Umgebung  der  Stolpebank  sich  mit  Treibeis  zu
bedecken  (s.  Taf.  1,  Karte  10).  Von  nun  an  werden  die  Eisverhältnisse  wieder  leichter,  bis  mit  dem
Eintritt  des  strengen  Frostes  am  2.  Februar  1929  die  Hauptvereisungsperiode  beginnt,  deren  Verlauf
(s.  S.  27—29)  bereits  beschrieben  ist.
Um  die  Verbreitung  des  Eises  an  der  deutschen  Küste  der  südlichen  Ostsee  zu  erklären,  ist  es
ebenfalls  nötig,  die  Beobachtungsergebnisse  früherer  Eiswinter  mit  heranzuziehen.  Zur  Darstellung
gelangen  auch  diesmal  sowohl  die  Daten  der  ersten  Eismeldungen,  als  auch  die  Länge  der  Eisperioden ­
  ausgewählter  Beobachtungsstationen,  und  zwar  wurden  alle  Eiswinter  (s.  S.  37)  seit  1906/07  berücksichtigt ­
  (s.  Tab.  31).  Die  Reihenfolge  ihrer  Anordnung  ist  die  nach  Kältesummen.
Untersuchen  wir  zunächst  die  Länge  der  Vereisungsperioden,  so  könnten  wir  vermuten,  daß  sie
im  Verlaufe  von  West  nach  Ost  gleichmäßig  zunimmt;  denn  bei  Betrachtung  der  klimatischen  Verhältnisse ­
  stellte  es  sich  ja  heraus,  daß  auch  die  Kälte  mit  fortschreitender  Ostlage  zuerst  nur  sehr
langsam,  dann  aber  stärker  anwächst  (s.  S.  30  u.  Tab.  12a).  Das  trifft  nun  für  die  Vereisungsdauer
keinesfalls  zu.  Im  großen  uncl  ganzen  ist  wohl  eine  Zunahme  zu  beobachten;  im  einzelnen  erkennen
wir  aber  einen  scheinbar  ganz  unregelmäßigen  Wechsel  von  Station  zu  Station,  der  aber  in  jedem
Winter  in  derselben  charakteristischen  Weise  wieder  in  Erscheinung  tritt.  So  sind  z.  B.  die  Stationen
Darsserort,  Greifswalder  Oie  uncl  Stolpmünde  stets  durch  längere,  dagegen  Arkona.  Kolberg  und  Briisterort
  durch  kürzere  Eisperioden  ausgezeichnet  (s.  Tab.  31).  Wir  dürfen  deshalb  annehmen,  daß  der
Unterschied  in  der  Länge  der  Eisperioden  durch  hydrographische  Faktoren  bedingt  ist.
Bei  der  Besprechung  der  Beltsee  hatten  wir  die  dort  vorhandenen  bedeutenden  örtlichen  und
zeitlichen  Unterschiede  des  Salzgehalts  als  von  wesentlichem  Einfluß  auf  die  Eisbildung  erkannt.  Die
Betrachtung  der  Salzgehaltsverteilung  in  der  südlichen  Ostsee  ergibt  jedoch,  daß  Unterschiede  mit
ähnlichem  Ausmaße  nicht  vorhanden  sind.  Die  freilich  vorhandene  Abnahme  von  West  nach  Ost  ist
sehr  gering  (s.  Atlas,  Taf.  4),  und  auch  die  zeitlichen  Schwankungen  sind  in  diesem  Gebiete  so  klein
(s.  Tab.  24,  Christiansö),  daß  der  Salzgehalt  als  ein  die  festzustellenden  Unterschiede  der  Fisverhältnisse ­
  in  der  südlichen  Ostsee  verursachender  Faktor  nicht  in  Betracht  kommt.
Wenden  wir  uns  nun  den  Temperaturverhältnissen  zu,  dann  stellen  wir  (Atlas,  Taf.  1,  13,  25,  37)
in  allen  Jahreszeiten  einen  der  Küste  mehr  oder  weniger  parallelen  Verlauf  der  Oberflächenisothermen ­
  fest.  Aus  der  Februarkarte  (Atlas,  Taf.  1)  ergibt  sich,  daß  beispielsweise  die  i-Grad-Isotherme
einmal  recht  deutlich  das  Gebiet  der  Oderbank  abgrenzt,  dann  aber  in  der  Danziger  Bucht  eine  der
Küste  parallel  verlaufende  Einbuchtung  zeigt,  der  sich  auch  die  2-Grad-Isotherme  anschließt.  Allgemein ­
  ist  eine  Abnahme  der  Temperaturen  mit  Annäherung  an  das  Land  zu  beobachten.  Das  läßt
den  Schluß  nahe  liegen,  eine  Beeinflussung  der  Oberflächentemperaturen  durch  die  Bodenkonfiguration ­
  des  Meeres  anzunehmen.  Gelingt  es  uns,  eine  solche  nachzuweisen,  daun  können  wir,  einen
Schritt  weitergehend,  auch  eine  Abhängigkeit  zwischen  diesen  Faktoren  und  der  Vereisung  annehmen; ­
  denn  gerade  Bodengestaltung  und  Länge  der  Eisperioden  sind  die  beiden  einzigen  Erscheinungen, ­
  bei  denen  in  der  südlichen  Ostsee  deutliche  Unterschiede  vorhanden  sind.
            
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