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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1911, Nr. 1.
Tabelle 23. Zusammenfassung.
Windgebiet
Areal
Verdunstung
1000 qkm
°/o
ebkm
%
Nördliches polares Gebiet (60—90°) ....
17 400
4.9
2 355
0,5
,, Westwindgebiet (40—60°) ....
28400
7.9
20325
4.0
„ subtropisches Gebiet (+ Kalif. Gebiet)
25 750
7,2
39162
7,7
Monsungebiet
22 750
6,3
43325
8,4
Nordostpassat
38400
10,7
86 422
17,1
Äquatoriales Stillengebiet
32500
9,1
37 392
7,4
Südostpassat
70650
19,9
158867
31,4
Südliches subtropisches Gebiet
44650
12,3
71440
14,1
,, Westwindgebiet
56 900
15,9
42270
8,4
„ polares Gebiet
20200
5,7
4585
0,9
Gesamt
357 600 i 99,9
!
506143
99,9
Polargebiete enthalten. Die Verdunstung des Eises ist vielleicht bisher unterschätzt und muß in der Bilanz
des Wasserumlaufes bei der Verdunstung auf den Landflächen berücksichtigt werden. Desgleichen sind beim
Abfluß (F) in den Brückner sehen Gleichungen die Wassermengen, die durch Gletschereis in das Meer
zurückgelangen, nicht mit berechnet. Eine Schätzung dieser Fehlergröße ist zurzeit unmöglich.
Zwei Fragen sind dann noch zu besprechen. Wie ist die Abweichung unserer Zahlen von den
Brücknersehen, und eventuell, welche Erklärung bietet sich dafür.
Brückner berechnet als Gesamtverdunstung 384000 + 50000 cbm, denen 506143 cbm
entgegenstehen Die erstere Zahl ist um 24,2°/o, also rund um ein Viertel kleiner. Nach Brückner
verdunsten im Durchschnitt auf dem Weltmeer 105 cm; unsere Summe ergibt dagegen 141,5 cm. Der
Unterschied ist also rein zahlenmäßig beträchtlich. Da unsere Zahlen das Ergebnis aller Messungen und
der Betrachtungen über ihren wahren Wert sind, und die Überzeugung bestellt, daß die Fehler 10°/'o nicht
überschreiten, so müssen die Gegenwerte zu niedrig sein. Diese Behauptung ist durch
verschiedene Gründe zu beweisen.
Der wichtigste ist die Annahme Brückners, daß die Beobachtungen auf Wasserflächen
auf demLande direkte Werte auch für die Verdunstung auf dem Meere liefern. Das dürfte
lediglich bei sehr großen Seen, wie sie in der Liste nur das Kaspische Meer und vielleicht noch der Nicaraguasee
vorstellen, gelten. Nehmen wir den Wert, den Woeikof für das Kaspische Meer aus dem Zufluß ab
geleitet hat, so stimmt er mit 100 cm für die Breite von 40—-50° mit unserem von 100 cm überein.
Brückner nimmt aber nur 70 cm an, da die mitbenutzten Werte von Bassinbeobachtungen in Frankreich
aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nur 50—60 cm ergeben. Auf dem Nicaraguasee — 10—20° Nord
breite — ist die Verdunstung 154,5 cm 1 ); eine Zahl, die gleichfalls sehr gut paßt, da die Verdunstung
zweifellos bedeutend geringer als im Passat (225 cm), aber höher als im Stillengebiet (115 cm) sein wird.
Nur darf man diese Zahl nicht für die Verdunstung auf dem Meere in gleicher Breite be
nutzen, die den Passaten mit ihren weit günstigeren Verdunstungsbedingungen gehört.. Im übrigen
ist aber der grundlegende Unterschied die starke Wirkung des Windes auf dem Meere, die den
Landgewässern fehlt. Den relativen Einfluß des Windes auf die Verdunstung zeigten frühere Ausführungen;
die absolute Stärke und Beständigkeit der über die weiten Meeresflächen streichenden Winde findet sich
auf dem Lande nur in Ausnahmefällen. Wo sind Gebiete, in denen die mittlere Windstärke 4—5 nach
der Beaufortskala ist 2 )?
Die größere Windstärke hat auch eine starkeDurclimischung der unterenLuftschic liten
zur Folge, so daß es nicht zur Bildung einer wesentlich wasserdampfreicheren unteren Deckschicht kommt.
’) Die beobachtete Zahl ist 133 cm, die jedoch Davis durch Berechnung des Zuflusses erhöht. Sic ist zu niedrig,
weil der Verdunstungsmesser direkt am Ufer stand. Siehe auch S. 8.
2) Nach Fertigstellung erscheint in Potermanns Mitt. 1911, Heft V, S. 24-1 eine Zusammenstellung der mittleren
Windstärke für Deutschland nach Aßmann. (Die Winde in Deutschland von Dr. K. Knoch.) Danach ist das Mittel für
ganz Deutschland 4,4 m pro Sekunde gleich wenig über Windstärke 2 nach der Beaufortskala.
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