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Full text : 52, 1933/34

Dr.  Johann  Richter:  Die  Vereisung  der  ßeltsee  und  südlichen  Ostsee  im  Winter  1928/29.

37

Fortsetzg.  Tab.  20.  Verlauf  d.  Winters  1908/09  a.  d.  deutschen  Ostseekiiste.

Periode

Anzahl
Tage  |

Wärmebzw.

Kältesumme  ;

Mitteitem  p.
d.  Periode

Neufahrwasser  .

7.11.  —16.11.

10

|
—  45,()

—  4,5

1  22.12,—  5.  1.
6.  1.  —  10.  1.
11.  1,  —  21.  3.

15
5
70  |

—  84,0
+  7,5
237,5

—  5,6
+  1,5
-3,4

Memel

12.ll.-16.il.

5

—  22,0  !

-4,4

22.12.—  5.  1.
6.  1.  —10.  1.
11.  1,  —21.  3.

15
5
70

—  86,0
+  4,0
—  354,5

—  5,7
+  0,8
—  5,1

Damit  wollen  wir  uns  nun  den  örtlichen  Unterschieden,  die  Vereisung  betreffend,  zuwenden
und  zunächst,  die  Eisbildung  in  der  Beltsee  besprechen.

c)  Die  Vereisung  der  Beltsee.
Betrachten  wir  den  Verlauf  der  Vereisung  in  der  Ostsee  während  des  Winters  1928/29  (s.  S.  27),
so  erkennen  wir  deutlich  zwei  Phasen.  Ein  Vor  Stadium,  das  am  19.  Dezember  1928  beginnt  und
am  23.  Januar  1929  seinen  Höhepunkt  erreicht  hat,  und  die  Hauptvereisungsperiode,  die  mit  dem  Einsetzen ­
  des  strengen  Frostes  am  1.  Februar  1929  beginnt  und  ihr  Ende  in  der  südlichen  Ostsee  erst
am  30.  April  1929  findet.
ln  der  Beltsee,  die  wir  nun  betrachten  wollen,  zeigt  sich  das  erste  Eis  während  des  Vorstadiums
nur  in  clen  Buchten:  So  am  21.  12.  bei  Seeland,  am  9.  1.  auch  in  denen  des  dänischen  Festlandes.  Erst
nach  Eintritt  des  strengen  Frostes,  am  2.  2.,  erscheint  das  Eis  im  Hauptfahrwasser,  und  zwar  zuerst
im  Sund.  (S.  Taf.  I  K.  7).  Nach  weiteren  zwei  Tagen  sehen  wir  das  Eis  auch  im  Grollen  Belt  und
noch  zwei  Tage  später  im  Kleinen  Belt.  (Taf.  1,  K.  8  u.  9).  Auch  bemerken  wir  beim  Betrachten  der
Karten  7  u.  8  (Taf.  1),  daß  das  Eis  des  Sundes  zuerst  an  dessen  Nordeingang,  bei  Helsingör,  auftritt,
dagegen  beim  Feuerschiff  „Drogden“,  das  nahe  dem  Südausgange  liegt,  erst  beträchtlich  später.
(Nach  den  Eismeldungen  (1)  tritt  das  erste  Eis  bei  Drogden  allerdings  schon  drei  Tage  früher  auf
als  bei  Helsingör.  Vermutlich  handelt  es  sich  aber  hier  noch  nicht  um  das  infolge  des  Frostes  an
Ort  und  Stelle  gebildete  Eis,  sondern  um  vereinzeltes,  mit  der  Strömung  hierher  verfrachtetes
Treibeis;  denn  es  wurde  auf  der  von  der  Deutschen  Seewarte  herausgegebenen  Eiskarte  nicht  berücksichtigt). ­

Zur  Erklärung  dieser  Erscheinungen  verwenden  wir  die  jährlich  herausgegebenen  Beobachtungsdaten,
  wobei  wir  auch  auf  frühere  Winter  zurückgreifen  müssen.  Ferner  sei  darauf  hingewiesen,
daß  sich  unsere  Betrachtungen  stets  auf  die  Hauptfahrrinnen  beziehen  sollen,  nicht  aber  auch  auf  die
Buchten  und  Häfen.  In  Betracht  gezogen  wurden  alle  diejenigen  Winter  seit  1906/07,  deren  „Kältesummen“
  (vergl.  S.  30  und  Tab.  13  S.  31)  im  Beltseegebiet  größer  sind  als  100:  Es  sind  deren  acht.
Diese  Winter  verursachten  infolge  ihrer  großen  Kälte  eine  so  starke  Eisbesetzung  im  Beltseegebiet,
daß  die  Feuerschiffe  (2)  des  Eises  wegen  eingezogen  werden  mußten.  Wir  wollen  sie  daher  mit
Gehrke  (3)  als  „Eiswinter”  bezeichnen.
Wir  wollen  nun  zunächst  die  Länge  der  Vereisungsperioden  untersuchen.  Dazu  wählen  wir  uns
fünf  charakteristische  Stationen  im  Beltseegebiet  aus:  Middelfart,  am  Norcleingange  des  Kleinen  Belts,
zwei  Stationen  im  Großen  Belt:  Westrinne  und  Ostrinne,  und  zwei  Stationen  im  Sund:  Helsingör  und
Drogden.  Die  Beobachtungsergebnisse  sind  in  Tab.  21  zusammengestellt  (s.  Taf.  4,  Fig.  5a).  Trotz
vielfacher  Abweichungen  im  einzelnen  ist  doch  eine  auffallende  Gesetzmäßigkeit  zu  erkennen:  Die
1)  N.  M.  A.  1929.  Tab.  V,  S.  XVI.
2)  N.  M.  A.  1906—1929.  Tab.  „Oeversigt  over  Inddragningen  af  dauske  Fyrskibe  under  Isforhold.“
3)  Joh.  Gelivke:  „On  the  After-effect  usw.  S.  1.  S.  Fußn.  S.  30.
            
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