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R. Becker lind G. H. Baumann: Beiträge zur Meteorologie des Luftweges über Grönland.
als ein Schild anzusehen. In sich zeigt die Oberfläche nur geringe und ganz flach ineinander übergehende
Höhenunterschiede.
Wichtig ist nun die Frage einer Notlandemöglichkeit. Aus der zu Anfang gegebenen kurzen Beschreibung
der charakteristischen Merkmale der grönländischen Küsten ergibt sich ohne weiteres
welche Schwierigkeiten Landungen in diesem Gebiete entgegenstehen. Welche Landemöglichkeiten
bieten sich dagegen auf dem Inlandeis? Es ist bereits erwiesen, daß sich auch mit einem Wasserflugzeug
Starts und Landungen auf einer Eis- und Schneefläche ausführen lassen. Um hier möglichst anschauliche
Grundlagen zu schaffen, wurden auch diejenigen Expeditionsbeobachtungen über Bodenbeschaffenheit,
die für die Landefrage wichtig erscheinen, außer in den Fig. 2 bis 4 (Tafel 4 bis 6)
auch noch in die Fig. 1 (Tafel 1) eingezeichnet. Vergegenwärtigt man sich diese Angaben, so erscheinen
die innersten Teile des Eisschildes für eine Notlandung zunächst noch am meisten geeignet. Es ist
aber zu bedenken, daß der lockere Schnee stellenweise sehr hoch liegen kann, so daß dann eine landende
Maschine sehr tief einsinken kann. Beachtet man noch, daß sich um das gelandete Flugzeug sehr rasch
hohe Schneeverwehungen bilden können, so erkennt man, daß eine Notlandung und noch mehr der darauffolgende
Start auch im ebenen Innern Grönlands bedenklich sein kann. Das zwischen dem Rande
und dem ebenen Innern sich erstreckende Gebiet ist für eine Notlandung sehr ungünstig. Lange
breite und tiefe Gletscherspalten kommen hier vor. Häufig findet man sog. Sastrugi. Dies sind eigenartig
wellenförmige Schneeanwehungen, wobei jede Welle Dimensionen von etwa einem Meter und auch
darüber annehmen kann. Im Sommer ist vielfach die Schneeoberfläche angetaut; wenn sie dann wieder
gefriert, bildet sich über dem lockeren Schnee eine Eisdecke, in die man wie in einen gefrorenen See
metertief einbrechen kann. Auch gefrorene Seen, bisweilen mit offenen Wasserlöchern, und Eissümpfe
kommen sehr häufig vor. Allgemein erscheint die Westseite des Landes im Sommer unregelmäßiger
und zertauter als die Ostseite.
Je näher man sich an der Küste befindet, desto ungünstigere Bodenverhältnisse trifft man an. Über
dem Inlandeise hat man zwar bessere Notlandemöglichkeiten, ist aber von bewohnten Küstengebieten
weit entfernt.
b) Die Elemente des Flugklinias.
Um zunächst eine ganz allgemeine Übersicht über das Grönländische Klima zu geben, sei hier das
vorausgeschickt, was auch in Hanns Handbuch der Klimatologie") dem Kapitel über Grönland vorangestellt
ist.
Es heißt dort: „Die Westküste von Grönland liegt auf der Ostseite des einflußreichen tiefen Luftdruckminimums
über der Davisstraße, das sich von dem großen Minimum über dem Nordatlantischen
Ozean abzweigt und noch in die Baffinsbay nach Norden vordringt. Nicht so selten wird das Minimum
über der Davisstraße sogar zum Hauptminimum. Daraus ergibt sich ein Gegensatz zwischen dem Klima
von Ost- und Westgrönland. Denn ersteres liegt auf der Westseite des Minimums über dem europäischen
Nordmeer und hat deshalb kalte NO-, N- und NW-Winde und sehr geringe Niederschläge, während
Westgrönland vorwiegend Winde mehr südlicher Richtung hat. Das südliche Westgrönland hat deshalb
reichlichere Niederschläge und eine mildere Temperatur, namentlich im Winter.“
1. Sicht.
Ständige Beobachtungen über die Sicht in Grönland liegen nicht vor. Nur gelegentlich findet man,
in den Text der Expeditionsberichte eingestreut, einige Sichtbeobachtungen, die natürlich keinerlei
Schlüsse zulassen.
Man ist also darauf angewiesen, aus anderen genügend reichhaltig vorliegenden meteorologischen
Beobachtungen Schlüsse auf die Sichtverhältnisse zu ziehen. Erstrecken sich auch diese Beobachtungen
8 ) Julius Hann: „Handbuch der Klimatologie“, Bd. III, S. 664.