Rudolf Geiger und Fritz Wagner: Höhenwinde vor der westafrikanischen Käste
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den verschiedenen Jahreszeiten und über den verschiedenen Meeresräumen muß eine allgemeine
Ursache für die Ausbildung dieser Höhe bestehen.
Bisher ist diese Höhe des Passates durch die Reibungstiefe erklärt worden. Es bestehen
jedoch Schwierigkeiten, diese konstante Höhe durch Reibungseinfliisse zu deuten. In erster
Linie müßte sich dann nämlich eine stärkere Abhängigkeit von der Strömungsgeschwindigkeit
zeigen als beobachtet wird. Diese Abhängigkeit ist nicht vorhanden, wie aus folgender Tabelle
hervorgeht, in der die mittleren Strömungsgeschwindigkeiten der Passatströmung vom Boden
bis zu ihrer oberen Begrenzung dieser Höhe zugeordnet ist:
1800
1500
1200
1250
1000
1050
900
600
m Höhe der oberen Begrenzung
5,7
6,6
6,6
8,7
5,9
5,8
m/sec Passatgeschwindigkeit.
Auch ist die allgemeine Erscheinung, daß die Windgeschwindigkeit innerhalb der Passat
strömung mit der Höhe abnimmt, nur schwer mit der Reibungseinwirkung in Einklang zu bringen.
Bei der bekannten Veränderlichkeit der Strömung über dem Passat überrascht die Gleich
artigkeit der Passatströmung an Richtung und Geschwindigkeit. Der Übergang von der Passat
strömung zu der oberen Strömung vollzieht sich nicht immer in dem gleichen Drehsinn. Nörd
lich von 20” N. Br. herrscht Linksdrehung vor, zwischen 15° und 20° N. Br. halten sich Links
drehung und Rechtsdrehung das Gleichgewicht, und südlich 15° N. Br. ist entschiedenes Vor
herrschen der Rechtsdrehung beobachtet worden. Sollte der Passat durch Reibungswirkung
von der oberen Strömung losgelöst sein, dann müßte e i n Drehsinn über dem ganzen Bereich
vorherrschend sein.
Auch die Windverteilung, bei der keine Unstetigkeit in dem vertikalen Aufbau des Strom
feldes festzustellen ist, spricht gegen die Reibungserklärung des Passates, denn die Reibungs
wirkung müßte sich bei jeder Bewegung nachweisen lassen.
Nun hat M. R o b i t z s c h 30 1928 unter anderem mit Hilfe der Berechnung der äquivalent-
potentiellen Temperaturen ganz besonders deutlich festgestellt, daß es sich bei der Passat
inversion um eine interne Inversion in einem einheitlichen Luftkörper handelt. Die äquivalent-
potentielle Temperatur oberhalb der Inversion stimmt mit derjenigen in Nähe der Meeresoberfläche
überein. Die Passatinversion ist durch Ausstrahlung der unter ihr liegenden feuchten Luftmassen
entstanden. Der bekannte tägliche Gang der Bewölkung mit seinem Bewölkungsmaximum vor
Sonnenaufgang spricht sehr für diese Auffassung. Ist die Passatinversion stark ausgeprägt,
dann muß sie sich auch auf die Luftbewegung auswirken. Alle die Erscheinungen, wie die
Abnahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe, Unabhängigkeit der Passathöhe von der
Strömungsgeschwindigkeit- usw. sind zwanglos aus der Einwirkung der Temperaturverteilung
auf die Luftströmungen zu erklären. Diese Erscheinungen decken sich vollständig mit den
Beobachtungen, die an Land bei ähnlich ausgesprochenen Inversionen (Bodeninversionen in
Hochdruckgebieten) gemacht worden sind. Besonders stark kann der Einfluß der Strahlungs
inversion auf das Stromfeld der Luft werden, wenn die Strahlungsinversion mit der Abgleit
fläche des Roßbreitenhochdruckgebietes zusammenfällt. Am meisten spricht für die vorherr-
3Q M. Kobitzsch, Die Verwertung der durch aerol. Versuche gewonnenen Feuchtigkeitsdaten zur Diagnose der
jeweiligen atmosph. Zustände. Arbeiten des preuß. aerol. Obs., Lindenberg, XVI. Band, Heft 2, 1928.