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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 51. Bd., Nr. 2
So geht aus der Windverteilung über den ersten beiden 5°-Feldern I und II hervor, daß sich der
resultierende Nordostwind aus allen möglichen Richtungen zusammensetzt. Die eigenartige
relative Windverteilung besagt aber, daß das vorhandene Beobachtungsmaterial dort wohl kaum
ausreichen kann, um die tatsächlichen mittleren Windverhältnisse darzulegen und um eine
repräsentative mittlere Luftversetzung zu bestimmen. In beschränktem Maße wird dieser
Unsicherheit in der Angabe der resultierenden Luftbewegung die Hineinarbeitung der „Beständig
keit“ in die Stromfelddarstellung gerecht, jedoch nur in qualitativer Beziehung.
Die nächste Karte, die die Luftbewegung der Schicht 0—500 m darstellt, zeigt nur geringe
Änderung gegenüber der Strömung am Boden. Die Strömungsrichtung und die Strömungs
geschwindigkeit ist nahezu unverändert, doch zeigt die Darstellung der Windrichtungsverteilung
einige bemerkenswerte Unterschiede gegenüber der Verteilung am Boden. In den 5°-Feldern III,
IV und XII ist die Nordostrichtung noch stärker als vorherrschende Windrichtung betont, und die
Beständigkeit der Strömung ist demzufolge noch größer (bis 98 %), während bei den 5 "-Feldern
an der Küste die Häufigkeit des Nordostwindes zugunsten der Ostwinde abgenommen hat. Gegen
über dem entsprechenden Stromfeld in der Hauptschicht X von Sverdrnp zeigt das Stromfeld
der Höhenschicht 0—500 m die gleichen Abweichungen, die schon bei den Bodenschichten an
gegeben worden sind.
Die Zunahme der Häufigkeit der Ostwinde, namentlich südlich 25 "N. Br., ist die vor
herrschende Veränderung des Strömungszustandes in der Schicht von 500 bis 1000 m. Dies
kommt nicht nur in den Windhäufigkeiten zum Ausdruck, sondern auch in den mittleren Wind
richtungen der Stromfelddarstellung. Die südwestlichen Monsunwinde sind an der Küste südlich
von Kap Verde verschwunden, an ihre Stelle ist eine Ostnordostströmung von mittlerer Be
ständigkeit getreten. Zwischen 25° und 15° N. Br. herrscht noch immer die Nordostströmung
mit großer Beständigkeit, so daß sich zwischen 10° und 15° N. Br. eine ausgesprochene Kon
vergenzlinie gebildet hat. Das Stromfeld nördlich vom 30 # -Breitenkreis ist wie in den unteren
Schichten von geringer Beständigkeit. Zwischen vorherrschenden westlichen Richtungen bei
den Azoren und den vorherrschenden östlichen Richtungen über dem Seeraum von Südportugal
zeigt sich ein neutraler Punkt in dem Stromlinienverlauf.
Die in der 500—1000-m-Schicht angedeutete Veränderung des Stromfeldes ist in der
1000—1500-m-Schicht schon wesentlich stärker zum Ausdruck gekommen. Der neutrale Punkt
in dem nördlichen Teil des Stromfeldes hat sich weiter nach Osten verlagert, wie aus der
Abnahme der Beständigkeit in Feld I (siehe Tabelle, Seite 53) zu schließen ist, während die
Ostnordostströmung im südlichen Teil des Stromfeldes nach Norden an Raum gewonnen hat,
unter gleichzeitiger Vergrößerung der Geschwindigkeit und der Beständigkeit. Die Beständigkeit
der dazwischenliegenden Nordostströmung ist geringer geworden. Die Strömung hat besonders
an der Küste eine ausgesprochene Drehung nach Norden ausgeführt. Aus der Häufigkeits
darstellung der Windrichtungen geht hervor, daß dort in dieser Höhe schon jetzt Winde mit
westlicher Komponente auftreten. Die Stromlinienkarte für die Hauptschicht IX von Sverdrup
entspricht einer Höhe, die gerade mit der oberen Grenze der eben besprochenen Höhenschicht
zusammenfällt; darum empfiehlt es sich, erst noch das Stromfeld der Höhenschicht 1500—2000 m
zu betrachten, um die Veränderung des herbstlichen Stromfeldes gegenüber dem sommerlichen
feststellen zu können.
In der Höhenschicht 1500—2000 m ist von der Nordostströmung nichts mehr zu sehen. Die
Südwestströmung bei den Azoren hat bis nach Madeira durchgegriffen, so daß jetzt in breiter
Front zwischen 25" und 40" N. Br. westliche Winde auf östliche Winde treffen, die sich gegen
seitig ausweichen. Die Ostnordostströmung im Süden hat nach Norden an Raum gewonnen, sie