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Volltext : 51, 1932

Rudolf  Geiger  und  Fritz  Wagner:  Höhenwinde  vor  der  westafrikanischen  Küste

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Wahrscheinlichkeit,  ein  solches  eingezeichnetes  Stromfeld  im  Einzelfall  in  der  Natur  anzutreffen,
außerordentlich  gering,  während  bei  den  glatt  gezeichneten  Stromlinien  mit  großer  Wahrscheinlichkeit ­
  mit  dem  Antreffen  dieser  Strömung  im  Einzelfall  gerechnet  werden  kann.  Somit  hat  diese
Art  der  Stromfelddarstellung  eine  praktische  Bedeutung  bei  der  Beurteilung  eines  Stromfeldes
zum  Beispiel  für  den  Luftfahrer.
ln  allen  Fällen  sagt  der  Ausdruck  „Beständigkeit“  nur  qualitativ  etwas  über  die  Richtungsveränderlichkeit ­
  der  Strömung  aus,  nicht  quantitativ.  Wenn  man  daher  einen
Überblick  über  die  quantitative  Veränderung  der  Windrichtung  bekommen  will,  muß  man  immer
auf  die  Häufigkeitsverteilungen  der  Windrichtungen  zurückgreifen.  Darum  sind  neben  der
Darstellung  der  Beständigkeit  des  Stromfeldes  noch  die  relativen  Windrichtungsverteilungen ­
  gegeben.  Es  soll  dadurch  gezeigt  werden,  daß  das  gezeichnete  Stromfeld
nicht  etwas  Starres,  sondern  etwas  in  gewissen  Grenzen  Veränderliches,  etwas  Lebendiges  ist.
Durch  die  Angabe  der  vektoriellen  Luftversetzung,  der  Beständigkeit  als  das  Verhältnis  der
vektoriellen  Geschwindigkeit  zu  der  skalaren  Geschwindigkeit  und  durch  die  relative  Windrichtungshäufigkeit ­
  läßt  sich  ein  Stromfeld  in  seinen  wesentlichen  Zügen  darstellen.
3.  Die  allgemeinen  Züge  des  Stromfeldes  nach  den  Tabellen  der  Mittelwerte.
a)  Die  Verteilung  der  Ostkomponenten.
Die  Grenze  zwischen  der  mittleren  ostwestlichen  und  westöstlichen  Luftversetzung  in  dem
untersuchten  Ausschnitt  der  atmosphärischen  Zirkulation  läßt  sich  ohne  weiteres  aus  der  Tabelle
der  mittleren  Ostkomponenten  (Seite  52)  entnehmen.  Betrachten  wir  zunächst  die  Strömung
westlich  von  20°  W.  Lg.,  die  durch  die  Werte  der  5°-Felder  VIII  bis  XII  veranschaulicht  wird.
Am  Boden  ist  in  35°  bis  40°  N.  Br.  noch  keine  östliche  Strömung  vorhanden,  da  die  wenigen
Beobachtungen  des  Feldes  VIII  während  einer  Reise  angestellt  sind,  bei  der  das  Windsystem
der  gemäßigten  Breiten  weit  nach  Süden  vorgedrungen  war.  Die  nördliche  Grenze  der  Ostströmung ­
  läßt  sich  nach  dem  vorliegenden  Beobachtungsmaterial  westlich  von  20°  W.  Lg.  nicht
genau  bestimmen.  In  dem  Beobachtungsfeld  IX  auf  20°  bis  25“  N.  Br.  erreicht  die  Ostströmung
schon  eine  Höhe  von  2  km.  Im  nächsten  Feld  X  ist  die  untere  Ostströmung  schon  bis  3  km  Höhe
angewachsen,  um  südlich  von  15°  N.  Br.  rasch  weiter  anzusteigen.  In  den  beiden  Feldern  XI
und  XII,  die  15°  bis  5°N.  Br.  umfassen,  ist  die  obere  Grenze  der  ostwestlichen  Luftversetzung  in
7  und  in  11  km  Höhe  noch  nicht  erreicht.  Das  schnelle  Ansteigen  der  oberen  Begrenzung  der
östlichen  Strömung  ist  nach  den  Bearbeitungen  der  Höhenwindmessungen  im  Passatgebiet  von
A.  Peppier  s6  und  von  H.  U.  Sverdrup”  bekannt,  jedoch  erfolgt  der  rasche  Anstieg  bei  den  vorliegenden ­
  Beobachtungen  aus  den  Monaten  September  bis  November  südlicher  als  in  den
Sommermonaten;  dieses  entspricht  der  Lage  der  tropischen  Tiefdruckrinnc.  Die  größten  mittleren ­
  Werte  der  Ostkomponenten  liegen  zwischen  20°  und  25°  N.  Br.  am  Boden  mit  5,9  m/sec,
in  den  Breiten  20°  bis  5°N.  Br.  in  Höhen  zwischen  1  und  2  km  mit  Geschwindigkeitsbeträgen
von  6  bis  7  m/sec.
Einige  bemerkenswerte  Unterschiede  weist  die  Grenze  zwischen  östlichen  und  westlichen
Winden  nach  den  Beobachtungen  über  den  5°-Feldern  östlich  von  20°W.Lg.  gegenüber  den
eben  behandelten  Beobachtungen  auf.  Hier  beginnt  die  mittlere  Ostströmung  am  Boden  schon
nördlich  von  40°  N.  Br.  Nach  den  Monatskarten  der  Deutschen  Seew'arte  ist  die  mittlere  Nord-26
  A.  Peppier,  Die  Windverhältnisse  im  nordatlantischen  Passatgebiet,  dargestellt  auf  Grund  aerologiseher
Beobachtungen.  Beiträge  zur  Phys.  d.  fr.  Atm.,  IV.  Bd.,  1912,  8.  35—55.
23  H.  Ü.  Sverdrup,  Der  nordatlantische  Passat.  Veröffentlichung  des  geophys.  Inst.  d.  Univ.  Leipzig,
2.  Serie,  Bd.  II,  Heft  1,  1917.
            
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