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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtsdiaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch, öffentl. Wetterdienstes 11 
gi sc he Institut in Aachen, die meteorologischen Observatorien Essen und Breslau, sowie verschiedene Höhen 
observatorien wie Brodten, Schneekoppe, Zugspitze, Fichtelberg, Feldberg, Taunus. 
Das Meteorologische Institut Aachen und das Meteorologische Observatorium Essen sind kommunale Ein 
richtungen. Sie sind unmittelbar dem Magistrat bezw. der Stadtverwaltung dieser Städte unterstellt. 
Die Aufgabe aller Wetterdienststellen der Öffentlichkeit gegenüber ist die Herausgabe von Wetterüber 
sichten und Wettervorhersagen gestützt auf die von ihnen anzu fertigen de Wetterkarte, die sie unverzüglich 
nach Empfang der Hamburger Wettermeldungen sowie der Meldungen ihrer eigenen Beobachtungsstationen zu 
zeichnen haben. 
Auf die rasche und genaue Herstellung der Wetterkarten, auf ihre billige, schnelle und Weite Verbreitung 
legt unser Wetterdienst den größten Wert, um durch Mitteilung cler tatsächlich eingetretenen und von keiner 
Vermutung mehr abhängigen Wetterlage alle Bevölkerungsteile instand zu setzen, das besondere Wetter des 
eigenen Wohnorts als Teil der allgemeinen Wetterlage zu erkennen und die bevorstehenden Änderungen da 
nach sowie nach örtlichen Zeichen zu vermuten. 
Im übrigen haben die Wetterdienststellen, wie schon erwähnt, den gesamten Wirtschaftswetterdienst ihres 
Bezirks wahrzunehmen. Wie vielseitig dieser Dienst sich gestaltet und welche Anforderungen von den am 
Wetter interessierten Kreisen an den Wetterdienst gestellt werden, werden die späteren Ausführungen zeigen. 
III. Teil. 
Technik des Wetterdienstes. 
Beobachtungs-Nachrichten- und Vorhersagedienst. 
Beobachtungs-, Nachrichten- und Vorhersagedienst bilden die dreifache Grundlage des heutigen öffent 
lichen Wetterdienstes. Ihm liegt die synoptische und synchronische Methode zugrunde. Ihr Ziel ist das Herstei 
len eines Zustandsbildes der bodennahen Schichten über einem möglichst weit ausgreifenden Gebiete, zur Er 
gründung der räumlich fortschreitenden und zeitlich andauernden Wettererscheinungen. 
1) Die Wetterbeobachtungen werden zu bestimmten, international festgesetzten Zeiten, nämlich 8h, 14h, 19h 
— mitteleuropäischer Zeit — angestellt. Einige größere Stationen, darunter auch die Deutsche Seewarte, beob 
achten außerdem noch 2h nachts. Die Beobachtungen gehen chiffriert an die Wetterdienstzentrale jedes Landes, 
in Deutschland an die Deutsche Seewarte. Das unserm Wetterdienst täglich zur Verfügung stehende Netz von 
Beobachtungsstationen umspannt heute, mit Ausnahme des Stillen Ozeans, die ganze nördliche Halbkugel zwi 
schen dem 20. und 80. Breitengrad. Die Ausfüllung der Lücke zwischen dem europäischen und dem nordame 
rikanischen Bcobachtungsgebiet erfolgt durch drahtlose Meldungen einer Reihe von deutschen, englischen, nor 
wegischen, amerikanischen und französischen Schiffen, die ihre Beobachtungen zu den gleichen Zeiten wie die 
Landstationen anstellen. Nach den Bestimmungen der Internationalen Kommission für das synoptische Nach 
richtenwesen ist die Zahl der wettermeldenden Schiffe für jedes Land festgelegt und deren instrumenteile Aus 
rüstung vorgeschrieben, damit dem Heimatland täglich zu den bestimmten Stunden Wettermeldungen vom 
Ozean über eine Küstenfunkstelle zugefunkt werden können. Für Deutschland beträgt die vorgeschriebene 
Zahl der Seeobsschiffe 66. 
Die Wettermeldungen der deutschen Schiffe nimmt die Küstenfunkstelle Norddeich auf und leitet sie an 
die Deutsche Seewarte weiter, die sie dann in ihren Sammelnachrichten der Allgemeinheit bekannt gibt. 
Die amerikanischen Wettermeldungen, die einen Überblick über die Wetterlage jenseits des Ozeans geben, 
werden in Hamburg direkt aufgenommen und eine Stunde später verbreitet. 
Das innerdeutsche Beobachtungsnetz umfaßt rund 40 Stationen, die über das ganze Reich verteilt sind. Die 
Übermittelung erfolgt teils drahtlich, teils drahtlos. Die deutschen Beobachtungen laufen zum größten Teil auf 
dem Telegraphen zur Deutschen Seewarte nach Hamburg, und kommen auf einer vom Telegraphen amt Ham 
burg zur Seewarte laufenden Morseleitung an; die ausländischen gehen fast ausschließlich drahtlos ein. Für die- 
Aufnahme steht der Seewarte eine allen modernen Anforderungen gerecht werdende Funkempfangsanlage 
zur Verfügung. Ohne Pause reiht sich Funkspruch an Funkspruch, Telegramm an Telegramm, sodaß in kurzer 
Zeit ein großes Netz von Beobachtungen aus dem In- und Auslände, von Boden und Höhe, von Land und See 
zur Verfügung steht. Insgesamt kann täglich bis 12h mittags mit dem Eingang von Beobachtungen von rund 500
	        
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