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Rudolf Geiger und Fritz Wagner: Höhenwinde vor der westafrikanisehen Küste
Die obere Begrenzung des Monsun zwischen Dakar und Conakry liegt im Durchschnitt bei
750 m Höhe. Beim Übergang vom Monsun zu der darüberliegenden Ostströmung konnte kein
bestimmter Drehsinn als vorherrschend festgestellt werden.
Die Rückreise auf D. „Wigbert“ ging schneller vonstatten, weit keine afrikanischen Häfen
mehr angelaufen wurden; darum ist die Anzahl der Aufstiege geringer als bei der Ausreise. Die
Höhenwindmessung Nr. 39 am 10. November fand ungefähr auf der gleichen Breite statt, auf
der fünf Tage früher der Aufstieg Nr. 34 stattgefunden hatte. Die Strömungsgrenzen wurden
in den gleichen Schichten angetroffen, doch sind die Geschwindigkeiten sowohl in der Harmattan-
schicht als auch in der hohen Westströmung geringer.
Aufstieg Nr. 45 am 12. November entspricht dem Aufstieg Nr. 24 der Ausreise am 29. Ok
tober. Hier liegt jetzt die obere Begrenzung der Ostströmung um zirka 1000 m tiefer, und ihre
Geschwindigkeit ist wesentlich geringer, während die hohe Westströmung annähernd die gleiche
Geschwindigkeit aufzuweisen hat.
Die geographische Breite des Aufstieges Nr. 48 deckt sich ungefähr mit der des Aufstieges
Nr. 22 der Ausreise. Bei Nr. 48 erreicht die untere Ostströmung eine Höhe von 4200 m im
Gegensatz zu der geringen Höhe von 1000 m bei Nr. 22. Auf der Rückreise haben wir also bei
20" N. Br. nicht den plötzlichen Sprung in der Vertikalerstreckung der Ostströmung angetroffen,
er scheint aber doch vorhanden zu sein, denn bei Aufstieg Nr. 49 wurde die obere Begrenzung
der Ostströmung in 2700 m angetroffen. Allem Anschein nach liegt zwischen 17° und 22" N. Br.
eine ausgesprochene Grenze zwischen zwei ganz verschiedenen Strömungssystemen, die inner
halb der Grenzen pendelt. Damit im Einklang steht auch das sprunghafte Ansteigen der
Mächtigkeit der Ostströmung, die bei der kurzen Aufstiegsreihe in Port Etienne festgestellt
worden ist. (Siehe Seite 28.)
Trotzdem die Wetterlage am 13. November über dem Atlantik sehr große Gegensätze auf
weist; ein Hoch über 1040 mb über Frankreich und ein Tief unter 995 mb auf 35° N. Br. und
42° W. Lg., ist von ihrer besonderen Einwirkung auf die Strömungsverhältnisse bei Kap Blanco
noch nichts zu verspüren. Doch am 14. November macht sich der Abbau des kontinentalen
Hochdruckgebietes und seine Verlagerung nach Südwesten schon bemerkbar, indem jetzt die
Winde in der Höhe weiter nach Nord drehen. Dieses ist am nächsten Tage noch ausgesprochener
an Aufstieg Nr. 51 auf 23" N. Br. zu erkennen, in dem die angedeuteten Luftdruckverhältnisse ein
wesentlich anderes Stromfeld in der Höhe erzeugen, als bei Aufstieg Nr. 19 am 27. Oktober
angetroffen wurde. Hier herrscht jetzt bis zur Maximalhöhe von 6000 m eine Ost- bis Nordost
strömung, die früher beobachtete Passatschichtung ist nicht einmal angedeutet. Am 16. November
tritt das Hochdruckgebiet auch auf den afrikanischen Kontinent über. Es hat nun zwei Kerne
von je 1030 mb über Spanien und Marokko, dazwischen erstreckt sich von den Kanarischen Inseln
bis nach Sardinien eine flache Tiefdruckrinne. Der Aufstieg Nr. 55, der nördlich von Gran Canaria
angestellt wurde, zeigt unter dem wechselnden Einfluß der beiden Hochdruckgebietskerne einen
sehr unregelmäßigen Aufbau der Strömung in der Höhe an. Auf der Südseite des an Mächtigkeit
verlierenden Hochdruckgebietes ergibt am 17. November Aufstieg Nr. 58 eine stetige nordöst
liche Strömung vom Boden bis zur Maximalhöhe von 6000 m. Dieser Strömungszustand ändert
sich nun rasch bei den nächsten Aufstiegen. Bei der Höhenwindmessung Nr. 59, die auf 34° N. Br.
gemacht wurde, erstreckt sich die Nordostströmung nur bis 3200 m, also durchaus noch das
Strömungssystem des Hochdruckgebietes, darüber tritt aber eine Nordwestströmung mit zu
nehmender Geschwindigkeit auf, die darauf deutet, daß sich in der Höhe das Druckgefälle unter
dem Einfluß der großen atlantischen Depression umzukehren beginnt. Aufstieg 60 vom selben
Tag zeigt den gleichen Aufbau der Strömung in weiterer Entwicklung: die Nordostströmung