Rudolf Geiger und Fritz Wagner: Höhenwinde vor der westafrikanischen Küste
27
von gleichstarken Ostwinden abgelöst, die
jedoch eine kleine südliche Komponente
aufweisen. Auf dem Wege zwischen
Madeira und Teneriffa werden am 24. Ok
tober zwei Ballons gestartet (Nr. 12 und
13), die wiederum bis 1500 m einen Nord
ost bis Ostnordost zeigen, über dem aber
um 15 h 40 m MGT Südsüdost und um 16 h 56 ra
MGT sogar schon Südsüdwestwinde an
getroffen werden. In beiden Fällen ist die
Geschwindigkeit der oberen Strömung nur
die Hälfte derjenigen der unteren Strö
mung. Aus den Wetterkarten kann man
entnehmen, daß die Beobachtungsmöglich
keit der oberen Südströmung mit dem
Zerfall des Azorenhochs zusammenhängt.
In der Höhe macht sich schon das ost
westliche Druckgefälle bemerkbar, das
von einer weit südwärtsreichenden De
pression südöstlich von Neufundland her
vorgerufen wird. Die nächsten Aufstiege
14, 15, 16 und 17, die am 25. und 26. Ok
tober durchgeführt worden sind, reichen
gerade bis an die obere Begrenzung des
Passates. Bei Aufstieg 14 und 15 wird in
den letzten Beobachtungsminuten Rechts
drehung der Windrichtung und bei Nr. 16
und 17 Linksdrehung beobachtet.
Am 27. Oktober gelingt der erste Hoch
aufstieg, der uns einen Überblick über den
vertikalen Strömungsaufbau in den Sub
tropen vermittelt. Bis 1300 m herrscht ein
Nordnordostwind von fast gleichbleibender
Stärke (5 m/sec), in 1300 m dreht der Wind
nach links auf Nordwest, wobei die Geschwindigkeit bis auf mehr als das Doppelte zunimmt. Diese
starke Nordwestströmung erstreckt sich bis 4000 m, von dort an flaut die Geschwindigkeit unter
Rückdrehung des Windes ab, zwischen 7000 und 10 000 m treffen wir eine Schicht mit östlichen
Winden von geringer Geschwindigkeit (2—4 m/sec), der nach fortschreitender Linksdrehung von
10 000 bis 15 000 m eine vorherrschend westliche Strömung von 10 bis 14 m/sec folgt. Der Nach
mittagsaufstieg desselben Tages zeigt in den wesentlichsten Zügen das gleiche Bild. Nur ist bei
ihm die Linksdrehung in 7000 m nicht so stark, daß östliche Winde auftreten, sondern es lagern sich
in die Nordwestströmung von 1300 m bis 10 500 m zwischen 7000 und 9000 m südwestliche Winde
ein. Schon aus diesen beiden Aufstiegen geht hervor, daß die Strömung über dem Passat in
großer Höhe eine starke Veränderlichkeit aufweist. Besonders die südwestliche Strömung ist
unstetiger als die nordwestliche Strömung, die auch bei den folgenden Aufstiegen mit großer
Regelmäßigkeit anzutreffen ist.
Abb. 11. Reiseweg und Pilotballonaufstiege (Ort und Nr.
der Aufstiege) (leere Kreise: Ausreise; volle Kreise: Heim
reise; Doppelkreise: 2 Aufstiege im Hafen) und Bezeichnung
der 5°-Felder.