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Volltext : 51, 1932

Rudolf  Geiger  und  Fritz  Wagner:  Höhenwinde  vor  der  westafrikanischen  Küste

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Um  20 h 43 m  lautet  der  Tagebucheintrag:  „Gewitter  an  Steuerbord  achteraus,  kaum  mehr  Entladungen ­
  sichtbar.  Nur  noch  vereinzelte  Regentropfen.“
Am  eindrucksvollsten  aber  war  der  rasche  Temperaturanstieg  um  4°  C.  Mit  dem  Gewitter
war  nicht  ein  neuer  Luftkörper  eingebrochen,  sondern,  wie  bei  unseren  Wärmegewittern,  nur
eine  vorübergehende  Abkühlung  verbunden.  Sie  betrug  nach  dem  eben  genannten  Temperaturanstieg ­
  noch  etwa  3°  C  gegenüber  der  Temperatur  vor  dem  Einsatz  des  ersten  Tornados.
Auch  im  Luftdruck  war  das  Tropengewitter  deutlich  bemerkbar.  Um  die  Mittagsstunden
vor  dem  Gewitter  war  der  Luftdruck  besonders  niedrig,  wie  schon  die  Terminbeobachtungen  in
der  Abbildung  6  erkennen  lassen.  Von  seinem  Mindestwert  um  17 h  erfolgte  ein  erst  langsamer,
dann  rascher  Anstieg  um  1,8  mm,  der  nach  dem  Einbruch  des  ersten  Tornados  erreicht  wurde.
Auch  im  Druck  kündigte  sich  der  zweite  Tornado  an  durch
einen  leichten  Fall  von  0,3  mm,  dem  ein  zweiter  Anstieg  lim
0,4  mm  folgte.
Die  Zugrichtung  beider  Tornados  war  etwas  verschieden.
Nach  der  auf  dem  Peilkompaßdeck  erfolgten  Peilung  hatte  die
Front  der  ersten  Bö  die  in  der  Abbildung  8  wiedergegebene
Lage  F—F.  Die  Bö  zog  von  r.  w.  ENE  nach  WSW,  die  zweite
dagegen  von  ESE  nach  WNW  (oder  NW).  Vergegenwärtigt
man  sich,  daß  die  Tornados  den  Einbruch  der  kalten  oberen
Harmattanströmung  in  die  Monsunströmung  am  Boden  darstellen, ­
  so  ist  zu  beachten,  daß  die  Zugrichtung  des  zweiten
Tornados  fast  vollkommen  zusammenfällt  mit  der  Richtung  des
Harmattan,  wie  er  fünf  Stunden  vorher  durch  unseren  Pilotballonaufstieg ­
  Nr.  37  in  der  Höhe  von  750  m  bis  zu  4250  m
festgestellt  worden  war  (siehe  Abb.  8  rechts  unten).
Auch  in  der  folgenden  Nacht,  die  wir  in  Freetown  verbrachten,  waren  mehrere  Gewitter
tätig.  Unsere  Inanspruchnahme  durch  den  Schiffswechsel  ermöglichte  uns  leider  keine  eingehenden ­
  Beobachtungen.

(F—F:  Vorderrand  d.  1.  Böenfront;
1—3:  'Windrichtungen:
1  vor  der  ersten  Front,
2  hinter  der  ersten  Fiont,
3  hinter  der  zweiten  Front).

4.  Die  Rückreise  in  den  Tropen  (9.  bis  11.  November  1930).
In  Freetown  mußten  wir  die  „Livadia“  verlassen  und  schieden  von  ihr  mit  herzlichem  Dank.
Das  für  uns  bestimmte  Frachtschiff  zur  Heimreise,  D.  „W  i  g  b  e  r  t“  (3648  t),  unter  Führung  von
Kapitän  G  u  g  a  t,  von  der  Hamburg-Bremer  Afrika-Linie,  traf  bereits  in  der  Nacht  vom  8.  zum
9.  November  in  Freetown  ein,  so  daß  wir  schon  am  9.  mittags  die  Rückreise  antreten  mußten.
Die  gesamte  Expeditionsausrüstung  blieb  über  Nacht  in  einem  Leichter  unter  Zollverschluß  im
Hafen  liegen.  Den  allzu  kurzen  Aufenthalt  in  Freetown  konnten  wir,  dank  des  liebenswürdigen
Entgegenkommens  des  Agenten  der  Woermann-Linie,  Herrn  Paul  Schm  idt  und  seiner  Frau,
zum  Kennenlernen  der  Stadt  ausnutzen,  soweit  dies  in  so  knapp  bemessener  Zeit  überhaupt
möglich  war.
Auch  auf  der  „Wigbert“  fanden  wir  ein  gleich  freundliches  Entgegenkommen  bei  Kapitän
und  Schiffsoffizieren  wie  auf  der  „Livadia“  und  ein  uns  förderndes  Interesse  für  unsere  Arbeiten,
wofür  wir  auch  an  dieser  Stelle  Dank  sagen.  Bei  der  ganz  geringen  Zahl  von  Passagieren
konnte  uns  außergewöhnlich  viel  Raum  für  Unterbringung  der  Instrumente  und  für  die  Schreibtischarbeiten ­
  zur  Verfügung  gestellt  werden,  was  unseren  Aufgaben  sehr  förderlich  war  und
wir  besonders  dankbar  empfanden.  Raschestens  erledigten  wir  daher  die  notwendigen  Ein ­
            
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