Rudolf Geiger und Fritz Wagner: Höhenwinde vor der westafrikanischen Küste
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ihren meteorologischen Auswirkungen an Hand der Beobachtungsdaten im einzelnen nachzuweisen,
bietet viel Interessantes und liefert zugleich ein Bild über die Lage der einzelnen Windsysteme,
die für die Witterung jener Gegend um die Zeit der Forschungsfahrt maßgebend waren.
Drei Windsysteme nämlich kämpfen in den untersten Schichten der Atmosphäre um die
Herrschaft, und der Kampfplatz heißt „äquatoriale Stillenzone“. Die drei Winde sind der
Passat aus nördlicher bis nordöstlicher Richtung; der Ostwind aus dem afrikanischen Kontinent,
der Harmattan oder der über der Passatinversion liegende U r p a s s a t ; und
endlich der SW-Monsun, der beim Blick auf die großen Züge der atmosphärischen Zirkulation
als ein von der Südhalbkugel über den Äquator herüberstreichender SE-Passat angesehen
werden kann. Zu diesen drei Windsystemen gesellt sich noch in der von uns befahrenen Küstenzone
der Einfluß von Land- und Seewind, ln größerer Höhe ist alles beherrscht durch den in
kräftigen NW-Winden erfolgenden Lufttransport von höheren zu niederen Breiten, der in seiner
Bedeutung und in seiner Problemhaftigkeit zum ersten Mal durch die deutsche „Meteor-Expedition
klar erkannt worden ist 7 .
Wie in unseren gemäßigten Breiten die einander folgenden Luftkörper der einzelnen Tiefdrucksystemc
miteinander kämpfen, ebenso suchen sich im Gebiet der westafrikanischen Küste
die drei Luftkörper, die durch die drei genannten Windsysteme repräsentiert sind, im Gleichgewicht
der Kräfte zu halten. Gesteuert wird dieser Kampf um das Gleichgewicht durch den
wechselnden Sonnenstand, wodurch bei allen Zufälligkeiten des einzelnen Tages eine zweimalige
Verschiebung der ganzen Grenzzone im Laufe des Jahres erfolgt, einmal nach Nord, einmal (wie
zur Zeit unseres Aufenthaltes dort) nach Süd. Die wechselvolle Gestaltung der Höhenwinde
während unserer Fahrt gibt ein eindrucksvolles Bild der großen Veränderlichkeit, die auch diesen
Tropengegenden eigen ist. Während aber eine Deutung
für die Höhenwinde heute noch nicht gewagt werden
darf, ist dies für die Witterungsvorgänge am Boden
durchaus möglich, da hierfür ja viel vollständigere Unterlagen
vorliegen als für die Verhältnisse in der Höhe.
Die Abbildung 5 zeigt nach einer Arbeit von H. Hubert 8
die Lage der drei Windsysteme für die Monate Oktober
und November (1923), die für unsere Fahrt maßgebend
sind. Im Oktober steht das Küstengebiet von Dakar an
nach Süden noch unter der Herrschaft des SW-Monsuns,
dessen Einfluß landeinwärts bis etwa zu den Höhen der
Nordguinea-Schwelle reicht. Im November aber hat er
sich bereits ganz vom Kontinent zurückgezogen und
diesen dem Einfluß des Harmattans überlassen. Das
bedeutet für Westafrika den Beginn der Trockenzeit. Das von der Deutschen Seewarte aufgestellte
Programm für unsere Forschungsfahrt hatte ja gerade die Untersuchung der meteorologischen
Verhältnisse dieser Übergangszeit zum Ziel.
2. Von Dakar bis Freetown (30. Oktober bis 8. November 1930).
Im folgenden wollen wir zunächst von den Gewittererscheinungen absehen, um diese im
nächsten Abschnitt gesondert im Zusammenhänge behandeln zu können.
’ Vgl. hierzu A. Wagner, Klimatologie der freien Atmosphäre, S. 49 f. (Handbuch d. Klimatologie, her. v.
W. Köppen u. R. Geiger, Band I, Teil F), Borntraeger, 1931.
8 H. Hubert, Nouvelles Études sur la Météorologie de l’Afrique Occidentale Française. Paris, 1926, S. 49.
' jipi i P Oktober
j November
Passat
Harmattan
SW-Monsun
Abb. 5. Herrschaftsgebiete der drei •westafrikanischen
Windsysteme in den Reisemonaten
(nach H. Hubert für 1923).