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Full text: 51, 1932

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 51. Bd., Nr. 2 
Jahres 1930, an dem in München die Sonne dieselbe Mittagshöhe hatte, wie das Schiff zur Zeit 
seiner Mittagsposition. Dieses Datum ist als Ordinate in der Abb. 4 gewählt. Die ausgezogene 
Kurve ist die Reisekurve. 
Der Anstieg der Kurve in der Abbildung 4 ist weniger steil als der Abstieg, einmal weil bei der 
Fahrt nach Süden Sonnenbewegung und Schiffsbewegung in gleicher Richtung gingen, sodann weil 
die mittlere Schiffsgeschwindigkeit auf der Ausreise durch das Anlaufen mehrerer Plätze herab 
gesetzt war; deshalb sehen wir auch bei jedem längeren Aufenthalt im Hafen die Kurve sich 
angenähert parallel der gestrichelten Normalkurve, die für den ortsfesten Beobachter (München) 
gilt, absenken. Auf der Heimreise aber wanderte die Sonne südwärts, das Schiff nordwärts. 
Es mußte, wie der Abbildung 4 unmittelbar zu entnehmen ist, in 
einem Tag die jahreszeitliche Akklimatisation vom Organismus 
geleistet werden, die für den ortsfesten Beobachter auf etwa elf 
Tage verteilt ist. 
Worauf hier der Nachdruck gelegt werden soll, ist aber der 
Umstand, daß an keinem einzigen Tage auf der Reise eine Sonnen 
höhe beobachtet wurde, die nicht auch in München im voran 
gegangenen Sommer vorgekommen war 8 . Nun ist bei gleicher 
Kulminationshöhe der Sonne im Sommer die Tageslänge in 
unseren Breiten größer als in den Tropen. Die am Tage der 
Atmosphäre zugestrahlte Sonnenenergie blieb während der Reise 
also stets unter dem Wert, den er in den Hochsommertagen in 
München erreicht. Trotzdem ist das tropische Klima objektiv 
und subjektiv ganz anders als unser Hochsommerklima. 
Diese Betrachtung soll veranschaulichen, daß nicht die wäh 
rend der Reise angetroffenen Strahlungsverhältnisse das dortige 
Klima bedingen, sondern daß es sich nur durch seine Vorgeschichte 
erklären läßt. Das Tropenklima ist nicht durch die großen Werte 
der Strahlungsintensität (und die daraus resultierenden hohen 
Temperaturen) charakterisiert, sondern durch das Fehlen einer 
strahlungsarmen Zeit. Diese zuerst von W. Koppen in seiner 
Klimaklassifikation praktisch verwertete Erkenntnis kann man in 
der für unsere Breiten gewählten Diktion von A. Schmauss auch 
so ausdrücken: Nur die Stetigkeit der zugeführten Wärmemengen hat die Temperaturen im 
Tropenklima so hoch „hinaufgeschaukelt“. 
Versuchen wir zunächst die gemeinsamen Züge des tropischen Fahrtabschnittes hervor 
zuheben ! 
Die Reise, die nunmehr in Küstennähe erfolgte, brachte das Schiff in den Bereich von Land- 
und Seewind. Zugleich machte sich damit eine merkliche Tagesschwankung der Temperatur 
bei dem für die Tropen charakteristischen allgemein hohen Temperaturniveau geltend. Die 
Bewölkung nahm kontinentalen Charakter an. Cu und Cunb wurden immer häufiger sichtbar. 
Nach allgemeiner Zunahme der relativen Feuchtigkeit und Abnahme der Windgeschwindigkeit 
setzten die Abendgewitter ein, die sich in ihrer Intensität bis zu den kraftvollen „Tornados“ 
entwickelten; sie waren das deutlichste Zeichen, daß das Schiff vom Passatgebiet durch die 
Stillenzone hindurch in den Einflußbereich des SW-Monsuns gelangte. Diese Übergänge in 
Kalendertag > 
Abb. 4. Das Strahlungsklima 
auf der Forschungsfahrt. 
Für Hamburg als Vergleichsort gilt dies nicht mehr wegen seiner nördlicheren Lage.
	        
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