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Volltext: 51, 1932

Rudolf Geiger und Fritz Wagner: Höhenwinde vor der westafrikanischen Küste 
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Wassertemperatur und mit ihr der Lufttemperatur (siehe Abbildung 1) vermittelte die Empfin 
dung eines Luftkörpers, die sich auch in anderen Erscheinungen geltend machte 4 . Am 
deutlichsten aber wird sie an der Bewölkung. 
In der Abbildung 3 sind für den elftägigen Reiseabschnitt: 20.bis 30.Oktober die zu den Terminen 
beobachteten Wolkenformen im Schaubild zusammengestellt. Ein Blick auf die Abbildung zeigt 
ein strenges System im Wechsel der Wolkenetagen. Vom 22. Oktober an, also mit dem Eintritt 
in die Passatzone, sind die Stcu zur herrschenden Wolkenform geworden, während die tiefer 
liegenden St-Schichten des Westwetters am 21. mittags zum letzten Mal beobachtet wurden. 
Diese Stcu-Decke, charakteristisch für die Passatzone, oft sehr tief gelegen, begleitete uns nun 
mehr auf der weiteren Fahrt in der ruhiger, wärmer und blauer werdenden See bis über die 
Kanarischen Inseln hinaus. 
Am 23. Oktober um 17 h 30 m war Steuerbord voraus unter der Basis einer gewaltigen Cu- 
Wolke ein nach oben abgegrenzter Dunststreif schwach erkennbar. Auf 85 Seemeilen Distanz 
kündigte sich damit zum ersten Mal die Insel Madeira an. Um 21 h kam das Leuchtfeuer von 
Porto Santo in Sicht; am 24. morgens warf die „Livadia“ Anker in der Bucht von Funchal. 
Die kurze Liegezeit im Hafen benutzend, wanderten wir durch den Ort Funchal die steilen 
Gassen aufwärts zu den Hängen des Monte, und hatten hier zum ersten Mal Gelegenheit zu 
sehen, welch empfindlichen Standortsanzeiger die Bananen bilden. Wo Wind ist, zerschlitzen 
ihre großen Blätter außerordentlich rasch, windgeschützte Standorte sind an den relativ unver 
sehrten Blättern kenntlich (gültig neben dem Einfluß des Blattalters). Dies läßt sich bis zu den 
Dimensionen des Mikroklimas nachweisen, indem beispielsweise ein gleicher Unterschied schon 
zwischen den Bananen am Rande und im Innern eines Obstgartens erkennbar wird. 
Am Mittag des gleichen Tages (24. Oktober) ging die „Livadia“ ankerauf und ließ die von 
einer großen Cu-Haube eingehüllte Insel hinter sich. Es wehte lebhafter Ost. Die nordwärts 
von Madeira angetroffene gleich 
mäßige Stcu-Decke löste sich 
mit der Annäherung an die Ka 
narischen Inseln in Cu auf, und 
darüber waren höhere Wolken 
schichten erkennbar. Am Mor 
gen des25. Oktober in 30°N.Br„ 
als bei einer Morgentemperatur 
(7 h ) von 22,6° C auf den Decks die Sonnensegel gespannt wurden, zeigte der Himmel ein chaoti 
sches Aussehen. Schon bei Sonnenaufgang leuchteten über den noch nachtdunklen, etwa 1000 m 
hohen Cu rosarote Schirme von Ast, über denen man später Ci, Cist und vereinzelt sogar 
typische Cicu (einmal mit gekreuzter Struktur) erkennen konnte. Es war ein Zeichen, daß wir 
das Gebiet des hohen Luftdrucks bereits hinter uns hatten (siehe Abb. 1, Luftdruckkurve). 
Teneriffa Las Palmas wammmmm/rnrnm. Cj Oij Crcit 
- - AcUj Ast 
Cu Sla 
SiNbit 
30 Oktober 1930 
Abb. 3. Be wölkungs Verhältnisse auf der ReiseWom'Beginn der 
Passatzone bis Dakar (nach den Terminbeobachtungen). 
Auf 60 Seemeilen Entfernung war morgens um 10 h am 25. Oktober über vielen horizontal 
lagernden Dunstbändern die charakteristische Gipfelform des Pic von Teneriffa zum ersten Mal 
erkennbar. Ein Einfluß der Insel auf das Strömungsfeld des Windes, den wir in einer längeren 
Meßreihe festhalten wollten, war nicht erkennbar. Um 14''55 m machte die „Livadia“ an der 
neuen Mole in Santa Cruz de Tenerife fest, und wir benutzten nach Freigabe des Schiffes durch 
4 Privattagebuch Geiger: 22. Oktober: „Wäre es in Deutschland gewesen, als wir heute morgen aus der 
Kabine traten, so hätte man gesagt: Diese Nacht hat es aber gar nicht abgekühlt. — Der Wind weht stets 
von achtern, so daß der Schornsteinrauch über die Back getrieben wird. Ist dies schon der Anfang des 
NE-Passats? Das Meer wird merklich blauer, unbekannte Vögel fangen an, unser Schiff zu begleiten.“
	        
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