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Full text : 51, 1932

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  51.  B<1.,  Nr.  2

II.  Der  Reisebericht.
(Alle  Zeitangaben  in  [wahrer]  Ortszeit.)

Erster  Abschnitt:  Die  Ausreise  bis  zu  den  Tropen.
1.  Die  Fahrt  durch  die  Westwindzone  (10.  bis  21.  Oktober  1930).
Der  Frachtdampfer  „Livadia“  (3100  t)  der  Hamburg-Afrika-Linie,  unter  Führung  von  Kapitän
Hau  schild,  lief  am  Freitag,  dem  10.  Oktober  1930,  aus  dem  Hamburger  Hafen  aus.  Zur
Ergänzung  der  Ladung  wurden  zunächst  mehrere  Plätze  angelaufen:  Bremen  am  11.  Oktober
(9 h 15 IU  bis  19 h 02 m ),  Antwerpen  vom  13.  Oktober  (8 h 30 m )  bis  14.  Oktober  (13 h 55 m )  und  Le  Havre,
wo  große  Ladung  übernommen  wurde,  vom  15.  Oktober  (15 h 52 m )  bis  zum  Morgen  des  18.  Oktober ­
  (3 h 55 m ).  Erst  als  nach  Beendigung  des  Ladegeschäftes  die  Decks  frei  wurden  und  das
Expeditionsgepäck  zugänglich,  begannen  wir  (am  Abend  des  17.  Oktober)  mit  den  regelmäßigen
meteorologischen  Aufzeichnungen,  die  im  Tagebuch  in  extenso  folgen  (siehe  Seite  48),  und  am
gleichen  Tage  auch  mit  den  ersten  drei  Pilotballonaufstiegen.
Bei  allen  unseren  Arbeiten  erfreuten  wir  uns  der  tatkräftigen  Unterstützung  des  Kapitäns
und  der  Schiffsoffiziere,  vor  allem  des  1.  Offiziers,  Herrn  Sebastian.  Gerne  wollen  wir  auch
an  dieser  Stelle  unseren  Dank  dafür  zum  Ausdruck  bringen.
Die  meteorologische  Hütte  wurde  auf  dem  Peilkompaßdeck  so  hoch  angebracht,  daß  sie  frei
nach  allen  Seiten  dem  Wind  ausgesetzt  war,  und  sorgfältig  vertäut.  Trotzdem  machten  sich
die  Erschütterungen  durch  den  Wind  in  der  Verbreiterung  der  Registrierkurven  durch  den
schwingenden  Schreibhebel  recht  unangenehm  bemerkbar  (ebenso  auf  der  Rückreise  auf  der
„Wigbert“).  Die  Konstruktion  von  Spezialthermographen  und  -hygrographen  für  den  Beobachtungsdienst ­
  auf  Schiffen  ist  dringend  zu  fordern  und  auch  kaum  mit  besonderen  Schwierigkeiten ­
  verbunden.  Erst  dann  kann  man  die  Registrierungen  auch  von  stürmischen  Wetterlagen
zu  detaillierten  Untersuchungen  heranziehen,  zum  Beispiel  die  auf  See  so  markant  auftretenden
Diskontinuitäten  bearbeiten.
In  der  Abbildung  11  (Seite  27)  ist  der  Reiseweg  dargestellt  und  sind  die  Positionen  eingetragen, ­
  auf  denen  Pilotballonaufstiege  gemacht  wurden.
Nachdem  wir  am  Morgen  des  19.  Oktober  das  Leuchtfeuer  von  Ouessant  (W-Spitze  der
Bretagne)  gerundet  hatten,  wurde  Kurs  auf  Cap  Finisterre  abgesteckt;  denn  Funchal  auf  Madeira
sollte  als  nächster  Hafen  angelaufen  werden.
Die  Fahrt  durch  die  Westwindzone  unserer  Breiten  bot  ein  typisches  und  darum  klares
Bild  des  Witterungsablaufes.  Vom  11.  bis  16.  Oktober  waren  die  eng  zusammengehörigen
Glieder  einer  Tiefdruckgruppe  (53.  Familie  nach  der  Zählung  der  Bergener  Studienwetterkarten)
nordwärts  vorbeigezogen.  Das  befahrene  Gebiet  lag  immer  auf  der  Vorderseite  der  weit
draußen  auf  dem  Atlantik  dem  hohen  Norden  zustrebenden  Depressionen.  Vom  Passieren  der
Doverstraße  an  (Nacht  14./15.  Oktober)  bis  zur  Beendigung  des  Aufenthaltes  in  Le  Havre
17./18.  Oktober)  wurde  die  Vorderseite  der  Depressionen  von  einem  einheitlichen,  mächtigen
            
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