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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtsdiaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutscfa. olienti. Wetterdienstes 41 
stellen als Unterlage für die bei ihnen bestehenden Sonderdienste, als da sind der „Sommerrcisewetterdienst“, 
der „Wintersportnachrichtendienst“ und der „Bäderdienst“. 
Sie bringen Berichte über den allgemeinen Witterungszustand dieser Plätze, über Temperatur, Gesamt 
schneehöhe, Höhe des Neuschnees, Beschaffenheit der Schneedecke, Windrichtung und Windstärke vom 
Morgen des Ausgabetages und vom Tage vorher und geben einen Überblick über die gegenwärtigen und kom 
menden Sportmöglichkeiten. Deshalb haben sie auch beim Publikum großen Anklang gefunden. Die Ver 
öffentlichung der Berichte erfolgt durch Rundfunk und die gelesensten Tageblätter, die ihnen'gesteigertes 
Interesse entgegenbringen. 
Doch auch für diejenigen, für die eine Fahrt in die Sommerfrische oder nach auswärtigen Sportplätzen 
aus irgend welchen Gründen nicht in Frage kommt, wird gesorgt. Der Tourist, der Wanderer, der Ausflügler, 
der W ochenendler, der Segler, die Sportvereine, die Schulen, sie alle können an Hand der Wetterkarte, die 
fast jede Zeitung bringt, und auf Grund der Rundfunkwettermeldungen jederzeit das voraussichtliche Wetter 
erkennen und danach ihre Dispositionen treffen. Im übrigen steht es ihnen jederzeit frei, durch Anfrage bei 
der Wetterdienststelle für wenig Geld sich Gewißheit, zum mindesten aber vielleicht eine Vorfreude, zu ver 
schaffen. Wenn dann auch manchmal andern Tages die Enttäuschung sehr groß ist, wenn das Wetter nicht das 
hält, was dem Anfrager von der Wetterdienststelle versprochen wurde, so dauert der Groll nicht allzu lange 
an. Das besagen die gerade vor Sonn- und Feiertagen stetig sich häufenden Anfragen über das bevorstehen 
de Wetter, was beweist, daß, trotz unvermeidlicher Fehlprognosen, die Bedeutung, die auch der Sportler 
dem Wetterdienst entgegenbringt, ständig im Wachsen begriffen ist. 
IV. Endlich darf hier die überseeische und koloniale Meteorologie umso weniger übergangen werden, 
als die großzügige Organisierung der meteorologischen Forschungen in den deutschen Kolonien bis zum 
Kriegsausbruch ein Netz von insgesamt über 1000 Beobachtungswarten geschaffen hatte. Bis zum 23. Band 
ist die von der Deutschen Seewarte herausgegebene Sammlung „Deutscher überseeischer meteorologischer 
Beobachtungen“ gediehen. Sie enthielt den Beobachtungsstoff der deutschen Schutzgebiete, wie zahlreicher 
sonstiger überseeischer Ortschaften. Der Verlust der Kolonien, derMangel anMitteln erzwang die Einstellung. 
Wie schrieb H. G. Lyons, der Präsident der britischen Royal Meteorological Society, in seiner „Presiden- 
tial Address 55 ) vom 16. I. 1918? 
„Wir können viel von anderen Nationen lernen, was das sorgfältige Sammeln meteorologischer Nach 
richten wie deren kritische Sichtung und Verarbeitung zu handlichem Stoff anlangt; — 
in ihren Werken finden wir die vollständigsten Witterungsauskünfte über verschiedene Gebiete Großeng 
lands wie überhaupt der ganzen Erde“. Mit Stolz, aber auch mit Bitterkeit buchen wirs! 56 ). 
In der Erkenntnis, daß es für das Reich eine Lebensnotwendigkeit ist, dem überseeischen meteorologi 
schen Dienst, der infolge der Finanzlage des Reiches seit Beendigung des Krieges die ihm nach seiner Be 
deutung für die planmäßige, den deutschen Belangen dienende Mitarbeit an der Verkehrs- und wirtschafts 
politischen Erschließung der Welt zukommende Förderung nicht erfahren hat, wieder erhöhte Beachtung zu 
widmen, hat die Deutsche Seewarte, die die Zentralstelle für die deutsche Mitarbeit an der Weltmeteorologie 
verkörpert, diesen Dienst mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln wieder aufgenommen. 
Um den günstigen Umstand, daß die vormaligen Landesmeteorologen von Deutsch-Ostafrika und Kame 
run noch Beziehungen zu ihren in den Kolonien lebenden Mitarbeitern haben, auszunutzen und um durch Mit 
wirkung an Forschungen und Veröffentlichungen der Ergebnisse „politische Rechte zu wahren“, hat die Deut 
sche Seewarte beim Hamburger Senat die Beurlaubung des früheren Referenten für den meteorologischen 
Landesdienst im Schutzgebiet Kamerun beantragt und mit Wirkung vom 1. IV. 31 erreicht 57 ). 
In planmäßiger Arbeit wurden die Beziehungen zu Deutschen in Ubersee aufgenommen mit dem Erfolg, 
daß die Zahl der Beobachtungsstationen eine wesentliche, für das Reich kostenlose Vermehrung erfahren hat. 
Die Entwickelung, welche das überseeisdie meteorologische Stationsnetz in den letzten Jahren gewon- 
nen hat, zeigt die folgende Übersicht: 
Es waren vorhanden: 
1926 
9 Stationen 
1928 
18 
3J 
1930 
27 
3? 
Juni 
1931 
107 
3J 
M ) Quarterly Journal of the R. M. S. Bd. 44 London 1918. 
M ) Castens a. a. O. Seite 129. 
R7 ) Denkschrift der Deutschen Seewarte über den Stand und die Entwickelung des Beobachtungsdienstes der 
deutschen Weltverkehrs- und Weltwirtschafts-Meteorologie. 1951.
	        
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