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Full text: 51, 1932

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Aus dem Ardiiv der Deutschen Seewarte. — 5t. Bd. Nr. 6. 
Tage zu erwartenden Wetter einrichten. Der Rat eines geschulten Meteorologen einer behördlichen Wetter 
dienststelle wird ihnen die Vorsorge für ihre Bedarfsdeckung erleichtern und sie vor pekuniärem Schaden 
bewahren. 
Freilich, meint Schmaufi 52 ), „was dem einen eine Eule, ist dem anderen eine Nachtigall: der Gastwirt 
in der Stadt und sein Kollege vom Lande werden verschiedene Wünsche an Petrus haben, beiden aber gibt 
die Prognose wertvolle Anhaltspunkte“. 
c) Am vielseitigsten sind die Anforderungen, die hinsichtlich von Gutachten und Sonderberatungen von sei 
ten der verschiedenen Industriezweige an den öffentlichen Wetterdienst gestellt werden. 
Schon die Wahl des Standortes für manche Industrien z. B. Spinnereien, ist von den klimatischen Ver 
hältnissen — Feuchtigkeitsgehalt der Luft, Auftreten trockener Ostwinde usw. — abhängig. Desgleichen muff 
die Leistungskontrolle der Produktionsmengen in Textilbetrieben die Witterungsverhältnisse und die Feuch- 
tigkeits- und Temperaturschwankungen genau beobachten, um nicht falsche Schlüsse zu ziehen. 
Ferner ist gar oft die Betriebs- und Produktionsgestaltung, die Lagerungs-und Konservierungswirtschaft 
eng mit der Witterung verknüpft. Die Stärke des Materials muß seiner späteren Verwendung im Freien ent 
sprechen, Ertragsschätzungen und Rentabilitätsberechnungen müssen den Faktor „Wetter“ in die Kalkulation 
mit einbeziehen. 
Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist z. B. für manche Industrien von ausschlaggebender Bedeutung. 
„Es hat sich“, so sagt Scriba 53 ), „herausgestellt, daß die Frage der Luftfeuchtemessung in den letzten 
Jahren in immer stärkerem Maße von der Industrie aufgegriffen wird. Es gab schon immer Industriezweige, 
in denen auf die Beachtung der Luftfeuchte Wert gelegt wurde. Aber das waren zumeist solche Zweige, in 
denen der Zwang zur Feuchtemessung durch die Fabrikation vorgeschrieben war. Das waren vor allem die 
Tabak- und Brauereiindustrien, bei denen der Verarbeitungszustand im wesentlichen durch den Feuchtege 
halt der Luft umschrieben wird. 
Die Erkenntnis der Notwendigkeit der Überwachung des Wasserdampfgehalts der Luft hat sich nun 
mehr über eine bedeutende Anzahl von Industriezweigen ausgedehnt. 
Rechtzeitig hat man beispielsweise erkannt, daß eine bestimmte Luftfeuchte maßgebenden Einfluß auf den 
Ausfall der Erzeugnisse der keramischen und Tonindustrie hat, daß die Textilindustrie eine wertvolle Steige 
rung ihrer Produktivität durch Feuchtemessungen erreicht und daß im Bäckerei- und Müllereigewerbe der 
Luftfeuchtigkeitsgehalt von ausschlaggebender Bedeutung ist“. 
„Ein Sondergebiet stellt“ — so fährt Scriba fort — „noch die Messung der Luftfeuchte in Arbeitsräumen 
dar, da durch Erhaltung eines bestimmten Feuchtezustandes die Leistung von Kopf- und Handarbeitern be 
trächtlich gesteigert werden kann. Die Leistungsfähigkeit vieler Millionen, die in mangelhaft klimatisierten 
Arbeitsräumen heute noch sich aufhalten müssen, könnte zweifelsohne gesteigert werden, wenn die Luftbe 
schaffenheit einigermaßen überwacht würde. 
Ist der Feuchtegrad zu hoch, so werden sehr nachteilig angegriffen alle Maschinen, jegliches feuchtig 
keitsaufnahmefähige Arbeitsgut, alle Isolationsmittel, die bekanntlich sämtlich sehr feuchtigkeitsempfindlich 
sind, schließlich alle Arbeitsräume usw.“ 
In richtiger Würdigung dieser Tatsachen haben die öffentlichen Wetterdienststellen für die in Frage 
kommenden Industriezweige ebenfalls einen Sonderdienst eingerichtet, der darin besteht, daß sie die Interes 
senten über den Feuchtigkeitsgehalt der Außenluft ständig auf dem Laufenden halten. Für die Zigaretten 
fabriken wurde in Hamburg ein solcher Dienst 1928 eingeführt, ebenso erhalten heute Spinnereien und We 
bereien täglich zwei- bis dreimal — je nach der Witterungslage — einen speziellen Wetterbericht. 
Die Margarinefabriken in Hamburg und Schleswig-Holstein lassen sich seit 1929 durch die Wetterdienst 
stelle Hamburg über die bevorstehende Witterung speziell beraten, damit sie ihre Ware durch die erforder 
lichen Zusätze der kommenden Witterung entsprechend hersteilen und versenden können. 
Bei der Planung wirtschaftlicher Anlagen verschiedener Art, die von den Witterungsvorgängen abhän 
gig sind, läßt sich ein Gutachten über die mittleren klimatischen Verhältnisse nicht entbehren. Anfragen die 
ser Art werden daher häufig gestellt. 
Ein Unternehmen für Einrichtung von Heizungsanlagen braucht zur Aufstellung einer Wirtschaftlich 
keitsberechnung einer Zentralheizung die mittleren Temperaturen für die Heizperiode eines Jahres 
и ) Schmauß a. a. O., Seite 69—70. 
M ) Scriba: „Thermohygrometer“ in „Feinmechanik und Präzision“ 39. Jahrgang Heft 6.
	        
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