accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : 51, 1932

Lorenz  Steiner:  Die  sozialwirtschaftl.  Aufgaben  u.  Leistungen  d.  Deutsch,  öffentl.  Wetterdienstes  37

Aus  der  Klimatabelle  des  Empfangsortes  ergeben  sieb  als  mittlere  Luftfeucbte  um  6 h :  Dezember  89%,
Januar  90%,  Februar  91%.  Auf  dem  atlantischen  Ozean  ist  die  Feuchte  der  Außenluft  am  höchsten  in  der
äquatorialen  Zone;  sie  beträgt  hier  in  der  betreffenden  Zeit  etwa  80  bis  85%.  Entscheidend  sind  indeß  im  vorliegenden ­
  Falle  die  Luftfeuchtigkeitsverhältnisse  im  Schiffsinnern.  Nach  früher  getätigten  Messungen  auf
einem  Lloyddampfer  liegt  die  Luftfeuchte  in  Laderäumen  mit  feuchter  Ware  (Fleisch  u.  ä.)  um  etwa  5%,  in
solchen  mit  trockener  Ware  um  etwa  10%  und  mehr  unter  derjenigen  der  Außenluft.  Es  ist  anzunehmen,
daß  die  beschädigte  Ware  im  Stückgut-Laderaum  gelagert  hat,  dessen  Luftfeuchte  nach  Vorstehendem  auf  70
bis  75%  zu  veranschlagen  ist.  Sie  liegt  mithin  um  etwa  15  bis  20%  niedriger  als  die  maßgebenden  Luftfeuchtigkeitswerte ­
  an  Land  in  dem  Empfangshafen.
Hierzu  bemerkt  Professor  Castens  in  den  Annalen  der  Hydrographie  und  maritimen  Meteorologie  1930:
„Das  vorstehende  Gutachten  ist  ein  treffliches  Beispiel  für  die  praktische  Verwendung  eines  zunächst  lediglich ­
  als  wissenschaftlicher  Beobachtungsstoff  veröffentlichten  Untersuchungsbefundes,  nämlich  der  erwähnten
Messungen  im  Schiffsinnern.  Der  Zufall  hat  es  gewollt,  daß  diese  z.  Zt.  wohl  noch  einzig  dastehenden  Meßergebnisse ­
  schon  bald  nach  ihrer  Bekanntgabe  entscheidende  praktische  Verwertung  finden  konnten“.
Es  ist  anzunehmen,  daß  gegnerischerseits  bei  einem  etwaigenRechtsstreit  diesen  grundlegenden  deutschen
Untersuchungen  kaum  etwas  Ähnliches  gegenübergestellt  werden  konnte.
Von  den  Gewerben  ist  in  zweiter  Linie  das  Baugewerbe,  dessen  Funktionen  sich  hauptsächlich  im  Freien
abspielen  und  dessen  Erzeugnisse  jahraus  jahrein  den  Einflüssen  der  Witterung  ausgesetzt  sind,  vom  Wetter
abhängig.  Nicht  nur  die  Bautechnik  sondern  auch  die  Bau-  und  Gerätebeanspruchung  sowie  die  im  Freien  beschäftigten ­
  Arbeiter,  stehen  mit  dem  Wetter  in  engster  Beziehung.
Außer  Frost  spielen  Regen  und  Wind  im  Baugewerbe  eine  große,  unter  Umständen  eine  sehr  gefährliche
Rolle.  Schon  beim  Ausheben  von  Baugruben  können  starke  und  anhaltende  Regengüsse,  die  unvermutet  eintreten,
  äußerst  unliebsame,  kostspielige  und  zum  Teil  mit  Lebensgefahr  für  die  Arbeiter  verbundene  Überraschungen ­
  bringen.
Durch  rechtzeitige  Kenntnis  der  bevorstehenden  Witterung  können  nicht  nur  die  im  Freien  beschäftigten ­
  Kräfte  rechtzeitig  abbestellt  und  dadurch  wesentliche  Kosten  vermieden  werden,  auch  die  Arbeiter  können ­
  sich  mit  ihrer  Kleidung  danach  einrichten  und  sich  wesentlich  arbeitsfähiger  erhalten.  Außerdem  dürften ­
  durch  rechtzeitige  Disposition  sehr  viele  sonst  im  Freien  verwandte  Kräfte  bei  Arbeiten  in  verdeckten
Räumen  zu  beschäftigen  sein.
Durch  Stürme  oder  starke  Gewitter-Böen  entstehen  im  Baugewerbe  oft  erhebliche  Schäden  und  manche
frisch  aufgeführte  Mauer  kann  vor  Einsturz  bewahrt  werden,  manch  frisch  gerichtetes  Haus  kann  sein  Dach
behalten,  wenn  der  Unternehmer  sich  von  einer  Wetterdienststelle  beraten  läßt.
Auch  bei  Betonierungs-  und  Verputzarbeiten  sowie  bei  Reparaturen  muß  der  Bauunternehmer  in  der  kalten ­
  Jahreszeit  wissen,  ob  Frost  in  Aussicht  steht,  wenn  nicht  Material  und  Arbeitskraft  nutzlos  vergeudet
sein  sollen.
Eine  verkehrsreiche  Brücke  ist  auf  einige  Tage  wegen  Neupflasterung  gesperrt.  Da  tritt  plötzlich  mitten
in  den  Arbeiten  Frost  ein.  Die  Polizei  drängt  auf  Fertigstellung  der  Brücke,  doch  die  Arbeiten  können  des
Frostes  wiegen  nicht  beendigt  werden.  Der  Bauunternehmer  wendet  sich  an  den  Wetterdienst  mit  der  Frage,
ob  der  Frost  länger  anhalten  wird.  Gegebenenfalls  müßte  dann  die  Brücke  ein  Notpflaster  erhalten.  Die  Auskunft ­
  lautet,  daß  der  Frost  nur  noch,  ein  bis  zwei  Tage  andauern  wird,  dann  aber  milderes  Wetter  zu  erwarten ­
  ist.  Also  wird  noch  gewartet,  die  Brücke  erhält  kein  Notpflaster,  die  Stadt,  die  die  Brücke  zu  unterhalten
hat,  hat  erhebliche  Kosten  gespart.
Aber  auch  jedem  anderen  Gewerbe,  das  in  irgend  einer  Beziehung  zur  Witterung  steht  und  seine  Dispositionen ­
  dem  Wetter  entsprechend  einzurichten  gezwungen  ist,  steht  der  öffentliche  Wetterdienst  mit  Rat  und
Tat  zur  Seite.
Ein  Büro  für  Entwürfe  und  Kostenanschläge  will  für  die  Ausarbeitung  eines  Entwurfes  für  die  Herstellung ­
  einer  Wasserversorgungsanstalt  Unterlagen  haben.  Gewöhnliche  Brunnen  können  wegen  des  salzhaltigen ­
  Wassers  nicht  hergestellt  werden.  Deshalb  muß  das  Regenwasser  in  gemauerten  Gruben  gesammelt
werden.  Die  zuständige  Wetterdienststelle  gibt  Auskunft  über  die  Gesamtregenmenge  auf  1  qcm  in  1  Jahr,
über  die  Höchstmenge  des  Regenwassers  in  1  Rcgenperiode  auf  1  qcm  und  über  den  längsten  Zeitraum  ohne
nennenswerte  Niederschläge.
Schließlich  können  Gast-  und  Schankwirtschaftsbetriebe,  die  Restaurateure  auf  dem  Lande  und  die  Inhaber ­
  von  Ausflugslokalen  vor  Sonn-  und  Feiertagen  die  Beschaffung  von  Vorräten  nach  dem  für  diese
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.