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Volltext : 51, 1932

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Aus  dem  Ardiiv  der  Deutsdien  Seewarte.  —  51.  Bd.  Nr.  6.

aus  Italien  und  der  Riviera,  sowie  aus  Holland  wegen  der  Frostgefahr  wetterkundlich  beraten.  Er  bekommt
täglich  ein  Telegramm  mit  den  voraussichtlichen  Temperaturen  auf  dem  Transportwege  von  diesen  Gebieten
bis  zu  den  einzelnen  Teilen  Deutschlands.
Wie  viel  oft  auf  dem  Spiele  steht,  welcher  Nutzen  dem  Verwerter  des  Beratungsdienstes  erwachsen  und
somit  für  die  Allgemeinheit  entstehen  kann,  mag  Folgendes  beweisen:
Der  Wert  der  allein  in  Hamburg  zur  Frostzeit  eingeführten  und  somit  eventuell  gefährdeten  Gemüse  und
Früchte  beträgt  nach  einer  zuverlässigen  Schätzung  —  Angabe  der  öffentlichen  Wetterdienststelle  Hamburg
—  7  1 /s  Millionen  Reichsmark.  Das  Fruchthaus  Liebelt  in  Hamburg  schätzt  die  Höhe  des  Schadens,  den  es
durch  die  Frostberatung  jährlich  vermeidet,  auf  mindestens  10  000.—  Reichsmark.  An  Gebühren  zahlt  es  dafür ­
  50.—  RM.  für  das  Frostwarnungsabonnement.
Wie  vielseitig  sich  der  Auskunfts-  und  Beratungsdienst  gestaltet,  mögen  nachstehende  Beispiele  zeigen:
Zur  Aufklärung  eines  Streitfalles  bezüglich  erfroren  eingetroffener  Südfrüchte  in  Köln  benötigt  eine
Transportfirma  Angaben  darüber,  welche  Tages-und  Nachttemperaturen  während  der  Zeit  des  Transports  in
Hamburg  und  auf  der  Strecke  Hamburg-Köln  geherrscht  haben.
Eine  Reederei  bittet  um  Angabe  der  Niederschläge  in  einer  bestimmten  Zeit.  Es  handelt  sich  um  den
Schaden,  welchen  eine  Partie  getrockneter  Fische,  von  Norwegen  kommend  und  nach  Afrika  weitergehend,
in  Hamburg  angeblich  erlitten  hat,  welcher  Schaden  auf  Feuchtigkeit  zurückzuführen  sein  soll.
Tonerde  kam  durch  Wasser  beschädigt  am  Bestimmungsorte  an.  Die  Transportgesellschaft  will  wissen,
ob  z.  Zt.  des  Verladens  derartig  stürmische  Regenböen  herrschten,  daß  dadurch  die  Beschädigung  entstanden
sein  kann.
Eine  Kartoffelgroßhandlung  will  20  000  Ztr.  Kartoffeln  nach  England  verladen.  In  Deutschland  herrschen ­
  Temperaturen,  die  kaum  über  dem  Gefrierpunkt  liegen.  Die  Firma  wendet  sich  an  den  Wetterdienst
um  Auskunft,  ob  Frost  zu  erwarten  ist,  von  welcher  Stärke  und  Dauer  er  sein  könnte.  Je  nach  dem  die  Auskunft ­
  lautet,  kann  nun  der  Transport  erfolgen  oder  günstigere  Witterung  abgewartet  werden.  Ein  Verlust,
der  sich  womöglich  auf  die  ganze  Sendung  erstrecken  kann,  ist  jedenfalls  vermieden.
Auch  die  Lade-  und  Entladebetriebc  der  Flußschiffahrt  sind  an  dem  Frostwarnungsdienst  in  hohem  Maße
interessiert.  Denn  wenn  die  Ware  innerhalb  einer  bestimmten  Frist  gebraucht  wird,  so  muß  die  Wetterlage
zu  Rate  gezogen  werden,  wenn  die  unbedingt  notwendige  Fracht  nicht  im  Eise  stecken  bleiben  oder  aus  dem
vereisten  Kahn,  unter  erheblichen  Kosten,  noch  in  die  Eisenbahn  umgeladen  werden  soll.
Ein  Fall,  cler  sowohl  zeigt,  welch  schwerwiegende  Überlegungen  die  Beratungsstelle  oft  anstellen  muß,
andererseits  aber  beweist,  welche  Anregung  die  Bedürfnisse  der  Praxis  der  wissenschaftlichen  Arbeit  geben,
sei  hier  noch  festgehalten 51 ):
Frage:  Eine  durch  eine  Deutsche  Reederei  beförderte,  gegen  große  Luftfeuchte  empfindliche  Ware  ist
durch  Feuchtigkeit  beschädigt  in  die  Hand  des  Empfängers  gelangt,  eines  Geschäftshauses  an  der  südlichen
tropischen  Westafrikanischen  Küste.  Die  Sendung  ist  in  der  heißen  Jahreszeit  angekommen,  teils  im  Dezember ­
  (Regenzeit),  teils  im  Februar  (kleine  Trockenzeit).  Beschädigung  durch  Spritzwasser  während  der  Seefahrt ­
  ist  nach  Lage  der  Dinge  ausgeschlossen;  auch  sind  nennenswerte  Stürme  bei  den  Fahrten  nicht  aufgetreten.
  Die  Verpackung  ist  die  gleiche  gewesen,  wie  sie  sich  seit  40  Jahren  bewährt  hat.  Ist  der  Schaden  während ­
  der  Fahrt  oder  an  Land  im  Empfangshafen  entstanden?  Geben  die  klimatischen  und  meteorologischen
Tatsachen  eine  Möglichkeit  zur  Beurteilung  der  Angelegenheit?
Antwort  der  Deutschen  Seewarte:
Den  Maßstab  fiir  die  Gefährdung  feuchtempfindlicher  Waren  durch  die  Luftfeuchtigkeit  bilden  nicht  die
mittleren  täglichen  oder  monatlichen  Feuchtigkeitsgrade,  sondern  die  Maximalwerte,  vor  allem  die  hohen
nächtlichen  Feuchtigkeiten.  Diese  sind  es,  unter  derenEinfluß  dieWarenverrosten,verschimmeln  pp.  Das
gilt  besonders  für  tropische  Verhältnisse,  da  die  Aufbewahrungsmagazine  in  den  Tropen  meist  luftig  gebaut
sind,  sodaß  die  Luft  in  ihnen  in  hohem  Maße  an  den  betreffenden  Schwankungen  der  Außenluft  teilnimmt.  Im
Gegensatz  hierzu  ist  die  Luft  in  den  Schiffsladeräumen  gegen  die  Feuchtigkeitsschwankungen  der  Außenluft
sehr  geschützt.  Von  dem  Schwankungswert  liegen  Wetterbeobachtungsergebnisse  aus  der  in  Betracht  kommenden ­
  Zeit  nicht  vor,  wohl  aber  klimatische,  auf  mehrjährige  frühere  Messungen  fußende  Werte.  Hierbei  ist
zu  beachten,  daß  in  den  Tropen  die  durchschnittlichen  jahreszeitlichen  nächtlichen  Luftfeuchtigkeitsgrade
gleich  denen  der  Lufttemperatur  im  allgemeinen  nur  geringen  Schwankungen  von  Tag  zu  Tag  unterliegen,
sodaß  für  diese  Elemente  praktisch  der  Satz  gelten  darf:  Klima  =  Witterung  =  Wetter.
51 )  Aus  den  Gutachten-Akten  der  Deutschen  Seewarte.  Vgl.  Annalen  der  Hydrographie  pp.  1930.
            
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