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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtsdiaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch. öffentl. Wetterdienstes 35 
Durch Sturm ist angeblich eine Fensterscheibe eingedrückt worden, die Scherben haben einen Passanten 
verletzt. Die Versicherung fragt an, ob z. Zt. des Unfalls ein solcher Sturm geherrscht hat. 
Beim Löschen von Teerfässern sind, angeblich infolge von herrschender Hitze, einzelne Fässer geplatzt. 
Die Versicherung will wissen, wie die Temperaturverhältnisee am Entladeplatz waren. 
Ein Werkmeister will sich bei der Arbeit die Fingerspitzen erfroren haben. Die Berufsgenossen 
schaft läßt sich die Temperaturen mitteilen, die z. Zt. des Unfalls gemessen wurden. 
Einige Kilometer unterhalb Hamburg erfolgte zwischen 6 und 7 h morgens ein schwerer Schiffszusammen 
stoß. Der Führer des einen Schiffes behauptet, es habe Nebel auf der Elbe geherrscht. Das Seeamt, das 
einen Spruch fällen soll, fordert ein Gutachten der Deutschen Seewarte ein. 
Zur Beurteilung der Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlich genutzten Flächen gehört u. a. genaueste 
Kenntnis der klimatischen Verhältnisse. Um in dieser Beziehung bei der Bewertung landwirtschaftlicher Be 
triebe genaues Material zu haben, erbittet ein F i n a n z a m t die Beantwortung folgender Fragen: Welches- 
war die Durchschnittsniederschlagsmenge in den einzelnen Monaten? Wann war der letzte Spätfrost im Früh 
jahr, wann der erste Frühfrost im Herbst? Welches war die Mindestwärme im Monat April und Mai? Welche 
Durchschnittstemperaturen sind in den einzelnen Monaten festgestellt worden und welche Durchschnittstem 
peratur ergibt sich für das Jahr? 
Zwecks Bearbeitung statistischer Fragen über die natürlichen Grundlagen der Milchwirtschaft im Deut 
schen Reiche benötigt das Institut für Milchverwertung in Kiel zur Feststellung der klimatischen 
Verhältnisse in einzelnen Ländern und Preußischen Provinzen Angaben über die Durchschnittstemperaturen 
in den einzelnen Gebieten, bezogen auf Preußische Provinzen bezw. einzelne Länder, ferner die jährliche An 
gabe der Frosttage oder frostfreien Tage sowie die Anzahl der Regentage. Auf Grund ihrer Aufzeichnungen 
ist die Deutsche Seewarte in der Lage, das gewünschte Material zu liefern. 
Ein Landwirt behauptet, daß durch das Darüberstreichen der Rauchfahne eines benachbarten Industrie 
werkes der Milchertrag seiner Kühe beeinflußt würde. Die Land Wirtschaftskammer läßt sich von 
der Deutschen Seewarte eine Tabelle, aus der die Hauptwindrichtungen zu ersehen sind, geben. 
Oder, die Gemeindeverwaltung eines Ortes will eine Feuer-Alarm-Sirene aufstellen. Dazu will 
sie eine Statistik der letzten Jahre, in welcher Stärke und welcher Richtung die Winde vorherrschend sind. 
Die Sirene soll ja so stark sein und so angebracht werden, daß jeder im Ort sie hören kann. Die Deutsche 
Seewarte liefert die Statistik. 
Auch hier mögen die gewählten Beispiele genügen, um zu zeigen, wie vielseitig die Anfragen über das 
Wetter aus den verschiedensten Gebieten des Wirtschaftslebens sind und welchen Anforderungen der öffent 
liche Wetterdienst zu entsprechen hat. 
b) Handelt es sich bisher lediglich um die Erteilung von Auskünften über vergangenes Wetter, so be 
dingen die Anforderungen, die von seiten der verschiedenen Gewerbe und der einzelnen Industrie- und Han 
delszweige, insofern sie vom Wetter abhängig sind, gestellt werden, erhöhte Bereitschaft des öffentlichenWet- 
terdienstes. Nicht nur Anfragen über vergangenes Wetter werden gestellt, auch das gegenwärtige und vor 
allem das zukünftige Wetter spielt hier eine große Rolle und in vielen Fällen ist eine Sonderberatung un 
entbehrlich. 
Im Transportgewerbe sind vor allem die zu wählenden Transportzeiten und Wege von ausschlaggeben 
der Bedeutung, gilt es doch, Transportschäden jeder Art, die durch Witterungseinflüsse — Frost, Tauwetter, 
Regen — entstehen können, nach Kräften zu vermeiden. Auskunft und Beratung erfolgt durch die einzelnen 
Wetterdienststellen, bei denen ein besonderer „Frost -und Tauwetterwarnungsdienst“ besteht, auf den lau 
fend abonniert werden kann, der aber auch in jedem Einzelfalle auf Anfrage zur Verfügung steht. Als Abon 
nenten finden wir hauptsächlich Obst-, Gemüse-, Kartoffel-,Südfrucht-, Wein- undBlumenhändler und Braue 
reien. Daneben werden von Hunderten der gleichen Geschäftszweige Auskünfte verlangt, was begreiflich ist, 
wenn man bedenkt, welch grofieWerte dabei oft in Frage kommen. Der Dienst ist so organisiert, daß teils auf 
telegraphischem, teils auf brieflichem Wege die Interessenten über die Temperaturverhältnisse in ganz Deutsch 
land unterrichtet werden; in ganz Deutschland deshalb, weil z. B. für eine Transportfirma nicht allein die Wit 
terung am Versandplatz, sondern in gleicher Weise das Wetter auf dem Transportwege und am Bestim 
mungsorte eine bedeutende Rolle spielt. 
Bei der Wetterdienststelle Hamburg besteht fernerhin ein Beratungsdienst für die Importeure der land 
wirtschaftlichen Erzeugnisse aus den Hauptanbaugebieten Europas und eine Beratungsstelle für den gesam 
ten Blumeneinfuhrhandel. Der Blumengroßhandelsverband Hannover läßt seine gesamten Blumentransporte
	        
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