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Full text: 51, 1932

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Aus dem Ardiiv der Deutschen Seewarte. — 51. Bd. Nr. 6. 
terdienstabteilung nach den 4 Beobachtungszeiten aufgestellt und dem Gezeitendienst unter Benutzung einer 
Rohrpostanlage zugestellt wird. 
Zur Verbreitung der Warnungen dienen alle die Hilfsmittel, die schnellste Benachrichtigung der interes 
sierten Kreise gewährleisten: Fernsprecher, Fernschreiber und Rundfunk. 
Warnungen durch Fernsprecher von der Deutschen Seewarte aus erfolgen nur für Hamburg und seine nä 
here Umgebung, wie Harburg, Neuenfelde, Schulau usw. Außerdem werden — was gerade für die Nachtzeit 
sehr wesentlich ist — an mehreren Stellen der Stadt und in Finkenwärder von der Polizeibehörde Hamburg 
Warnungsschüsse abgegeben, sobald der Wasserstand in Cuxhaven eine solche Höhe erreicht, daß nach 3 1 /» bis 
5 Stunden in Hamburg mit einer Sturmflut zu rechnen ist. Die größere Anzahl der Warnungen für die weitere 
Umgebung geschieht durch die sogen. „Wobs-Telegramme“ 4e ), die von der Deutschen Reichspost mit Vorrang 
befördert werden. Eine allgemeine Verbreitung der Warnungen geschieht ferner noch durch den Rundfunk, 
in der Regel mittags und abends, im Bedarfsfälle auch zu beliebiger Zeit. Zu den Empfängern der Warnungen 
zählen die Wasserbaubehörden an der Deutschen Nordseeküste, sowie ihre Baustellen, eine große Zahl von 
Vorständen der Deichbehörden und Gemeinden, ferner Firmen und Gehöfte. 
Welchen Nutzen schafft nun der Sturmflutwarnungsdienst? Vor allem gewährt das Bewußtsein, daß eine 
zuverlässige StelleTag undNacht w T acht, um vor dem Herannahen derartiger unheimlicherGefahren rechtzeitig 
zu warnen, den davon Bedrohten eine gewisse Beruhigung, die nicht zu unterschätzen ist. Im gegebenen Falle 
kann dann jeder selbst auf eigene Verantwortung so oder so handeln, je nach seinem speziellen Verfahren 
und nach dem, was für ihn persönlich, für sein Geschäft, seinen landwirtschaftlichen Betrieb usw. auf dem 
Spiele steht. 
Wenn auch in Hamburg im Laufe der letzten Jahrzehnte die niedrig gelegenen Teile der Altstadt, soweit 
es möglich war, auf eine sturmflutfreie Höhe gebracht worden sind, so sind doch immer noch einige Straßen 
gegenden der Überschwemmung ausgesetzt. Durch frühzeitige Vorhersage einer kommenden Sturmflut können 
die Bewohner von Kellern und die Besitzer von Lagern in diesen Stadteilen, sowie die Kaufleute, die in den 
Kellern des Freihafens wertvolle Güter lagern, ihre Habe rechtzeitig in Sicherheit bringen, die Lagervorräte 
bergen oder zum mindesten sich vergewissern, daß die vorgesehenen Schotten dicht schließen und Sandsäcke 
vorgelagert sind. Die Besitzer derjenigen an der Unterelbe gelegenen nicht eingedeichten Ländereien, die bei 
hohem Wasserstand der Überflutung ausgesetzt sind, die Bewohner der Küste und der der Küste vorgelager 
ten Inseln und Halligen können ihr Vieh oder Gras, Heu, Feldfrüchte, Obst, Holz und andere am Fluß oder 
an der Küste lagernden Vorräte rechtzeitig bergen und vor dem Verderben oder dem Vertreiben schützen. Bei 
Tiefbauten, Eindeichungen und Uferbefestigungsarbeiten kann durch rechtzeitige Warnung das herangeschaffte 
Baumaterial, z. B. Holz und Zement höher gelagert oder abgefahren, vielleicht auch manches Menschenleben 
gerettet werden. So erhält die Hamburger Wasserbaudirektion bei Sturmflutgefahr ganz allgemein auf An 
frage oder durch Anruf seitens der Deutschen Seewarte Warnungen unter Angabe des voraussichtlichen höch 
sten Wasserstandes, sodaß die Bauabteilungen dementsprechend benachrichtigt werden können. Ebenso kön 
nen Hebungsarbeiten an gesunkenen Schiffen, die Beseitigungsarbeiten von Wracks, die dem Schiffsverkehr die 
Fahrrinne frei machen sollen, so rechtzeitig abgebrochen werden, daß Menschen und Fahrzeuge nicht in Gefahr 
gebracht werden. Den Deichämtem gibt eine zeitige Warnung die Möglichkeit, noch erforderliche Vorkehrun 
gen zum Schutze der Deiche zu treffen. Sie können z. B. den Deichschutz schleunigst an Ort undStelle beordern, 
um durch Legen von Faschinen und Sandsäcken den Widerstand der Dämme zu erhöhen. Auch derFernsprech- 
verkehr kann durch Sturmfluten Störungen erleiden, indem in niedrig gelegenen Stadtteilen durch Drängwas 
ser oder durch überschwemmen der Kabelbrunnen diese sich mit Wasser füllen und die Kabelanschlüsse un 
brauchbar machen. Das Telegraphenamt kann, wenn es von der Sturmflut genau unterrichtet ist, durch Aus 
pumpen des Wassers oder durch andere Vorkehrungen in vielen Fällen Störungen vermeiden 47 ). 
Im Elbegebiet bei Hamburg gibt es eine Anzahl niedriger Brücken, unter denen Fahrzeuge nur bis zu einer 
bestimmten Flöhe des Wasserstandes hindurchfahren können. Rechtzeitige Bekanntgabe derWasserstandshöhe 
verhindert ein Durchfahren und damit eine Beschädigung der Fahrzeuge und der Brücken. Auch die unter 
Brücken oder an den Ufermauern zu kurz vertäuten Fahrzeuge können absinken oder sich losreißen und 
durch Vertreiben ebenfalls beschädigt werden oder Beschädigungen hervorrufen, wenn es nicht mehr gelingt, 
sie rechtzeitig der kommenden Flut entsprechend zu befestigen. Wenn auch durch Versicherungen derartige 
Schäden teilweise gedeckt werden, so führt aber das Verhindern derselben im Laufe der Zeit zu einer Herab- 
46 ) Wobstelegramme = Wasserstandsbeobachtungstelegramme. 
* 7 ) Rausdielbach: a. a. O., Seite 43.
	        
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