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Volltext : 51, 1932

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  51.  ßd.  Nr.  6.

Immerhin  ist  folgende  Tatsache,  die  mir  der  Leiter  der  öffentlichen  Wetterdienststelle  Hamburg  mitteilte,
erwähnenswert:  Das  Räucherverfahren  wurde  1928  zum  erstenmal  bei  einem  Weingutsbesitzer  im  Rheinland
praktisch  angewandt.  In  einer  Nacht  wurden  zwar  für  6000.—  RM.  Räuchermittel  verbraucht,  die  ganze
Weinernte  aber  war  gerettet.
Auch  die  Forstwirtschaft  bedarf  der  Ausnutzung  des  Wetterdienstes  vor  allem  bei  neuen  Aufforstungen.
Hier  kommt  es  nicht  nur  darauf  an,  zu  wissen,  ob  die  nächsten  Tage  Trockenheit  oder  Regen  bringen,  sondern ­
  der  disponierende  Forstmann  muß  sowohl  wissen,  wie  lange  die  Trocken-  oder  Regenperiode  ungefähr
andauert,  als  auch,  wie  stark  die  Ergiebigkeit  der  Niederschläge  bzw.  wie  intensiv  die  Hitze  voraussichtlich
auftreten  wird.  Er  muß  wissen,  ob  er  mit  feuchtwarmer  Hitze  bei  schwacher  Luftbewegung  oder  mit  Hitze
bei  bewegter  Luft  zu  rechnen  hat.  Er  darf  sich  daher  nicht  nur  auf  die  Wettervorhersage  verlassen,  sondern
er  muß  alle  Hilfsmittel  zu  erreichen  suchen,  die  ihm  ein  Erkennen  der  Wetterlage  ermöglichen  42 ).
Diese  Hilfsmittel  gibt  auch  ihm  wiederum  der  Wirtschaftswetterdienst  zur  Hand.
b)  In  der  Nahrungsmittelwirtschaft  spielt  auch  die  Fischerei  eine  wichtige  Rolle.  Wie  die  Schiffahrt  allgemein, ­
  so  ist  sowohl  die  Küsten-  als  auch  die  Hochseefischerei  in  weitestgehendem  Maße  vom  Wetter  abhängig. ­
  Gerade  unsere  Fischereibevölkerung  ist  es  daher,  die  die  Wettermeldungen,  besonders  die  Sturmwarnungen, ­
  mit  voller  Zuversicht  auf  nimmt  und  trotz  der  unvermeidlichen  Unvollkommenheit  betrachtet  sie  sie
als  notwendige  Stütze  ihrer  Arbeit,  auf  die  sie  nicht  mehr  verzichten  kann.
Unmittelbar  abhängig  vom  Wetter  sind  Fangzeit,  Fangmenge  und  Transportmöglichkeit  der  Fische.  Plötzlich ­
  hereinbrechender  Sturm,  hoher  Seegang  verhindern  nicht  nur  die  Ausübung  der  Fangtätigkeit,  sie  bedeuten ­
  für  den  Fischer  oft  Verlust  von  Netz  und  Fang,  wenn  nicht  des  Fahrzeuges  und  des  Lebens  der  Besatzung. ­
  Rechtzeitige  Warnung  unterbindet  ein  Auslaufen  der  Fahrzeuge  und  somit  ein  Laufen  in  die  Gefahr.
Rechtzeitige  Kenntnis  kommender  Hitze  ermöglicht  das  Treffen  entsprechender  Vorsichtsmaßregeln,  die  das
Verderben  der  an  Bord  oder  auf  dem  Transport  sich  befindlichen  Fische  verhüten.  Mittelbar  kommt  die  Abhängigkeit ­
  vom  Wetter  zur  Geltung  in  der  Beeinflussung  der  Preise  an  der  Fischbörse  und  der  Verdienste
der  Fischereigesellschaften.  Die  sofortige  Bekanntgabe  der  Wetternachrichten  gibt  den  Fischereibetrieben
und  Fischhändlern  laufend  ein  Bild  davon,  unter  welchen  Verhältnissen  ihre  Schiffe  draußen  arbeiten.  Die
Interessenten  können  dann  annähernd  übersehen,  wie  groß  die  Fänge  voraussichtlich  sein  werden  und  wann
sie  ihre  Schiffe  zurückerwarten  können.  Die  frühere  Festsetzung  der  Preise  und  die  schnellere  und  bessere
Abwickelung  der  Geschäfte  sind  eine  weitere  Folge  dieses  Verfahrens.  Auf  Grund  dieser  weitgehenden  Abhängigkeit ­
  vom  Wetter  hat  sich  —  ähnlich  dem  landwirtschaftlichen  Wetterdienst  —  ein  fischereiwirtschaftlicher ­
  Wetterdienst  entwickelt.  Die  Wahrnehmung  dieses  Dienstes  obliegt  den  deutschen  Küstenwetterdienststellen ­
  Hamburg,  Stettin  und  Königsberg.
Wie  stark  er  z.  B.  für  die  Nordsee  ausgebildet  ist,  sei  hier  kurz  skizziert:
An  die  Fischcreigesellschaften  Wesermünde  usw.  gehen  zweimal  täglich  durch  Telephon  und  Eilbrief:
1)  Wetterbericht  von  den  12  wichtigsten  Fanggebieten  zwischen  Island,  Elbmündung  und  Kattegat.
2)  Wetterbericht  von  10  norwegischen  und  nordrussischen  Küstenstationen.
3)  Temperaturbericht  von  Mitteleuropa.
4)  Wettervorhersagen  für  die  Nordsee.
An  die  Hochseerundfunk  A.-G.  gehen  täglich  zweimal  zur  Funkverbreitung  für  die  Fischdampfer  vom
N  orddeich-Sender:
1)  Wetterbericht  von  18  Stationen  rings  um  die  Nordsee  und  Island.
2)  Übersichten  und  Wettervorhersagen,  einschl.  Sturmwarnungen  für  die  gleichen  Gebiete.
3)  Windmeldungen  von  7  Ostseestationen  sowie  Vorhersagen.
An  die  Norag  für  alle,  also  auch  für  die  Fischerei,  gehen  siebenmal  täglich  zur  Rundfunkübertragung:
1)  Wetterbericht,  Vorhersagen  und  Sturmwarnungen  für  Norddeutschland,  die  Nordsee  und  Ostsee,
2)  zweimal  täglich  Hochwasserwarnungen  für  die  Nordseeküste.
Uber  die  Nachrichtenübermittelung  an  die  Fischdampfer  sagt  J.  Spieß  im  Jahresbericht  für  die  deutsche
Fischerei,  „daß  bereits  etwa  2  Stunden  nachAbgabe  der  Wettermeldung  die  Fischdampfer  funkentelephonisch
den  Wind-  und  Wetterbericht  sowie  die  Vorhersage  für  das  Gebiet,  in  dem  sie  arbeiten,  erhalten;  sie  bekommen ­
  also  bereits  am  Vormittag  die  Vorhersage  für  den  laufenden  Tag.  Besonders  bei  Island,  wo  drei  getrennte

42 )  Aus:  Wetterkunde  und  Wetterkarte  a.  a.  O.  Seite  31.
            
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