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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtschaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch, öffentl. Wetterdienstes 29 
verstandenen Interesse gegen Zahlung der notwendigen Gebühren den Wetterdienst sich nutzbar zu machen, 
ist es aber gelungen, die Mittel für die Neuherausgabe dieses Berichtes sicher zu stellen. 
Er erscheint seit 1. 1. 31 wieder und zwar unter dem Namen „Wochenwetterbericht der öffentlichen Wet 
terdienststelle Hamburg“. 
In ähnlicher Lage wie die Landwirtschaft befinden sich Gärtnerei- und ßaumschulbetriebe, der Obst-, 
Gemüse- und Weinbau gegenüber der Witterung. Neuanlagen von Pflanzungen sind in starker Weise von der 
Witterung und damit von einer guten Kenntnis der Wetterlage abhängig. Frost, Hitze, Nässe und Trockenheit 
wirken je nach der Art der Pflanzungen in gleicher Weise verheerend. In Treibhäusern bildet eine richtige 
Erkenntnis der voraussichtlichen Außentemperaturen eine wesentliche Bedingung der Feuerungsersparnis. 
Auch bei allen Schutzmaßnahmen gegen Kälte und Sonnenschein bedeutet die richtige Witterungsaussicht Ar 
beitsersparnis und somit Verringerung der Unkosten. Der größte Feind dieser Art von Unternehmungen ist 
plötzlich eintretender Frost. Was könnte es Schlimmeres für diese geben, als untätig Zusehen zu müssen, wenn 
in einer einzigen Nacht die schönsten Hoffnungen vernichtet, die jungen Pflanzungen in der kritischen Wachs 
tumsperiode zerstört werden, Baum- und Erdbeerblüte versengen, Frühgemüse, Frühkartoffeln und Frei 
tomaten erfrieren und des Winzers einzige Einnahmequelle versiegt. 
Durch ungewöhnlich starke Nachtfröste in der Zeit vom 10.—13. Mai 1928 z. B. sind weite Teile der Preu 
ßischen Weinbaugebiete von schwerem Schaden heimgesucht worden. In der Rheinprovinz wurden von einer 
Ertragsrebfläehe von 13805 ha nicht weniger als 9637 ha = rd. 70% vom Frost erfaßt und von diesen 9657 ha 
sind 3450 ha, das sind rd. 35% von völligem oder fast völligem Ernteausfall (90—100%) betroffen worden 40 ). 
In der Tat ist denn auch die Bekämpfung der Frostgefahr nicht bloß, möglich, sondern auch in der Praxis 
mit bestem Erfolg durchgeführt worden. Die öffentliche Wetterdienststelle Hamburg hat, angesichts des 
Schadens, der in Hamburg und Umgebung eintreten und der nach der Schätzung des Ausschusses für Frost 
beratung 3 Mill. RM. jährlich erreichen kann, dieses Gebiet zum besonderen Gegenstand ihrer Tätigkeit ge 
macht. 50—60 von der Wetterdienststelle eingerichtete Stationen im größten Umkreise von Hamburg geben 
allabendlich zwischen 7 und 8 Uhr telephonisch ihre Meldungen nach Hamburg durch, die dem „Frostwar 
nungsdienst“ als Hauptunterlagen für die Prognose dienen. 
Im Verein mit den zuständigen Behörden und den vielseitigen Interessenten wurden von dieser Wetter 
dienststelle verschiedene Frostverhütungsmaßregeln erprobt. Der Nachtfrost ist eine Erscheinung, der sich auf 
einen relativ kleinen Teil der Atmosphäre beschränkt und darum ist auch von vornherein seine Bekämpfung 
durchaus nicht aussichtslos, zumal in der Regel in der Nacht die Luft unmittelbar über dem Erdboden sehr 
kalt, dagegen 2 bis 3 oder 4 m über dem Boden um mehrere Grade wärmer ist. Es wurden bisher, ähnlich 
wie in Amerika, wo dieses Verfahren schon längere Zeit angewandt wird, drei Methoden angewandt: Man 
kann es versuchen, die abnorm kalte Luft direkt zu erwärmen durch Anfachung von Feuern; man kann es 
versuchen, die Ausstrahlung zu verhindern durch Erzeugung künstlicher Wolken; man kann es endlich ver 
suchen, die kalte Luft vom Boden zu entfernen, sei es durch eine Art Luftdränage, sei es durch künstliche 
Mischung der unteren Schichten mit der wärmeren, darüber befindlichen Luft. Die zweifellos beste Methode 
ist die, mit Hilfe kleiner qualmender Feuer, in denen möglichst wasserreiche Stoffe, wie Stallmist, nasses 
Laubwerk, Stroh, Teer, Schwefeldyoxyd usw. verbrannt werden, Wolken zu erzeugen, die sich unmittelbar 
über dem Erdboden bilden und den untersten Schichten Wärme zuführen 41 ). 
Wenn auch die Praxis hinsichtlich der bei uns angewandten Verfahren seit 1930 keine Schäden ergeben 
hat, so wurden die Versuche dennoch zunächst eingestellt, da erst ihre Niehtschädlichkeit erforscht werden 
muß. Die Hauptstelle für Pflanzenschutz bei der Landwirtschaftskammer in Kiel hat es übernommen, diesbe 
zügliche Untersuchungen anzustellen. Auf eine Anfrage teilte mir diese Behörde unterm 27. II. 31 mit, daß 
Versuche über die toxischen Grenzen der künstlichen Säurenebel in größerem Umfange zur Durchführung 
gebracht wurden. Die Ergebnisse, die noch nicht abgeschlossen sind, werden in einer zusammenfassenden 
Arbeit veröffentlicht werden. Vorerst ist festgestellt, daß sich die verschiedenen Pflanzenarten gegenüber den 
künstlichen Nebeln verschieden verhalten, daß insbesondere Pflanzen mit zarten, wasserhaltigen Blättern 
besonders empfindlich sind. Die Hauptstelle ist aber der Ansicht, daß bei den niedrigen Säurekonzentratio 
nen, die sich bei dem Verfahren ergeben, eine Schädigung von Pflanzen nicht zu erwarten ist. Wie weit die 
Versuche in der Zwischenzeit gediehen sind, ist mir nicht bekannt. 
*°) „10 Jahre Preußisches Landwirtschaftsministerium 1919—28“. Denkschrift des Preufiisdien Ministeriums füi 
Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Berlin 1929. 
41 ) Trabert: „Meteorologie“. Göschen Nr. 54.
	        
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