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Full text: 51, 1932

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 51. Bd, Nr. 6. 
sich Schlüsse für die Saatenstandsberichte und für die vorherigen Schätzungen der Ernteaussichten, die im all 
gemeinen und volkswirtschaftlichen Interesse nicht entbehrt werden können“. 
Für die täglichenBedürfnisse der landwirtschaftlichen Betriebspraxis ist größte Beschleunigung der Nach 
richtenübermittelung durch den Wirtschaftswetterdienst nötig. Er hat dafür Vorsorge getroffen durch die Pres 
sewetterkarte, vor allem aber durch den Rundfunkwetterbericht. Bereits um 5 55h morgens wird der erste Be 
richt — speziell für die Landwirtschaft — durch Rundfunk verbreitet, sodaß es den Landwirten möglich ist, 
vor Beendigung ihrer Tagesdispositionen noch die Tagesarbeit der bevorstehenden Witterung anzupassen. 
Welch große Bedeutung die Landwirtschaft gerade diesem ersten Bericht beimißt, geht daraus hervor, daß 
ein führender Landwirt in Mecklenburg bei der Norag in Hamburg die Abgabe dieses Berichtes schon um 
5 50 , also 5 Minuten früher, augeregt hat. Da die Landarbeiter um 6 h zur Arbeit gehen, bliebe dann noch mehr 
Zeit zum Treffen von Dispositionen. Es ist nicht nur im Interesse des einzelnen sondern auch der Allgemein 
heit sehr zu begrüßen, daß die Landwirte, die den Wetterbericht —• nidit nur die Vorhersage — verstehen 
und benutzen, darin ein außerordentlich erfolgreiches Mittel zur Förderung ihrer Tätigkeit sehen. Denjeni 
gen aber, bei denen in Bezug auf Nutzen und Schaden durch Witterungsverhältnisse in der landwirtschaft 
lichen Praxis noch Resignation herrscht, indem man sich darein findet, die Witterung als Schicksalsfügung 
machtlos hinzunehmen, mögen folgende Worte Professor Castens 39 ) dringend ans Herz gelegt sein. Er sagt: 
„Der beste Beurteiler der Wetternachrichten ist meines Erachtens derjenige Geschäftsmann, der sie seit Jah 
ren verwendet und der etwa zu folgendem I acit kommt: 
Betrachte ich das künftige Wetter hinsiditlich des Einflusses, den es auf mein Unternehmen ausübt, als 
nicht vorauszusehende „Zufallsgröße“, so muß ich damit rechnen, daß es in 50% aller Fälle mich schädigt. Da 
dieser Schaden nicht dadurch gutgemacht wird, daß er in den restlichen 50% von i allen nicht eintritt, so muß 
idi mich durch einen entsprechenden Aufschlag auf meine Ware sichern. 
Beobachte idi mein eigenes Barometer, so verkürzt sich die Zahl meiner Mißerfolge, sagen wir, auf 40%. 
Verwerte ich die „Wettervorhersage“, so brauche ich nur noch 25% Fehlschläge in meine Berechnungen 
einzusetzen. 
Beachte idi die Wetterkarte, sehe mir aber außerdem, bevor ich meine endgültigen geschäftlichen An 
ordnungen treffe, auch noch mein Barometer und die Wind- und Bewölkungsverhältnisse an, so habe ich nur 
noch 10% „Pech“ in meine Kalkulationen einzufügen. Den „Sicherheitskoeffizienten“, mit dem ich natürlich 
den Konsumenten belaste — für den Weiterblickenden ist das selbstredend nidit der einzelne zufällige Wa 
renabnehmer, sondern die Allgemeinheit —, kann ich dann entsprechend niedriger berechnen. 
Dies ist der volkswirtschaftlich am höchsten stehende Verwerter der Wetternachrichten. Von ihm erfährt 
die Öffentlichkeit am wenigsten aus naheliegenden Gründen: kein Geschäftsmann deckt offen seine Karten 
vor dem Konkurrenten auf!“ 
Dies gilt natürlich nicht nur für den Landwirt, sondern für jeden Wirtschafter, dessen Tätigkeit irgend 
wie vom Wetter abhängig ist. 
In diesem Sinne hat auch die Wetterdienststelle Hamburg im Jahre 1951 einen besonderen „Erntewetter 
dienst“ eingerichtet und einen „Wochenwetterbericht“ herausgegeben. Der Erntewetterdienst umfaßt die Ge 
biete von Nordschleswig bis Hannover. In jedem Kreise befinden sich drei Beobachtungsstationen, die Nach 
richten über Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse sowie über den jeweiligen Stand der Saaten geben 
und somit jederzeit einen Ausblick auf die kommendeu Ernteerträge ermöglichen. 
Dem Erfassen der Zusammenhänge zwischen Witterung und dem kommenden Ertrage hatte auch der von 
der Deutschen Seewarte bis Oktober 1923 herausgegebene „Zehntägige Witterungsbericht für die Landwirt 
schaft“ gedient, der im 22. Jahrgang sein Erscheinen aus Mangel an Mitteln einstellen mußte. Sein besonderes 
Gepräge erhielt er durch die Mitteilungen von 180 Mitgliedern, meist praktischen Landwirten. Nicht nur in 
diesen Berufskreisen erregte die einstweilige Einstellung der Fierausgabe lebhaftes Bedauern, sondern auch 
— und das erscheint volkswirtschaftlich besonders beachtenswert —• aus der Mitte der Geschäftswelt wurden 
Stimmen laut: „eine wichtige Grundlage zur Abschätzung des kommenden Bedarfs wie der künftigen Preise 
ist uns entzogen worden“. 
Das gleiche Schicksal aus gleichen Gründen erlitt der im Juni 192? herausgegebene „Wochenwetterbe 
richt der deutschen Seewarte“ im Jahre 1929. Durch die unermüdliche Werbe-Tätigkeit der öffentlichen Wet 
terdienststelle Hamburg und durch die Bereitwilligkeit der in Betracht kommenden Kreise, im eigenen wohl- * 
’) Castens: a. a. O. Seite 130.
	        
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