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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtschaft]. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch, öffentl. Wetterdienstes 27 
Die Wochenübersichten — der sogen. Wochenwetterbericht — mit Angaben über Niederschlagsmenge, 
Temperatur usw., vor allem die monatlidien Übersichten über die Witterung in Mitteleuropa, die von der 
staatlichen Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage herausgegeben werden, gewähren einen 
Ausblick auf die mit der Witterung in engem Zusammenhänge stehende künftige Gestaltung des Getreide- 
uncl Futiermaiktes der Frühjahrs- und Herbsteinsaat 37 38 ). 
Ton ausschlaggebender Bedeutung ist die richtige Ausnutzung des Wetters auch beim Ausstreuen von 
künstlichem Dünger oder bei der Bekämpfung des Unkrautes unter Anwendung von chemischen Mitteln. Und 
endlich können das Legen von Kartoffeln, das Pflanzen von Hackfrüchten, ebenso wie die Ernte dieser Früch 
te, vor schädlichem Frost, Nässe und Hitze bewahrt, das Schafscheren unmittelbar vor Sturm und Kälte kann 
auf einen günstigeren Zeitpunkt verschoben werden, wenn der Landwirt über Wetterlage und kommende 
Witterung genügend und rechtzeitig unterrichtet ist. 
Bei den meisten dieser wirtschaftlich wichtigen Betriebsfragen kann der moderne wissenschaftlich ge 
schulte Landwirt sich die Erkenntnisse der jungen landwirtschaftlichen Klimatologie, die sich systematisch 
aus der ständigen Beobachtung der Witterungsverhältnisse und Witterungseinflüsse auf die Landwirtschaft 
zu entwickeln beginnt, zu Nutze machen. Sie beschäftigt sich planmäßig mit dem Einfluß der klimatischen 
Bedingungen auf die geographische Verbreitung der Vegetation, besonders der Kulturgewächse und der land 
wirtschaftlichen Betriebsformen. Bei einer Abschätzung des zu erwartenden Ernteergebnisses wird statistisch 
verfahren. Die verschiedenen Anomalien der Ernte, d. h. die Abweichungen der einzelnen Jahresergebnisse 
vom Mittelwerte werden mit entsprechenden Abweichungen der meteorologischen Elemente verglichen. Das 
Ergebnis dieser Methode hängt natürlich von dem vorhandenen Beobachtungsinaterial ab. Meteorologische 
Beobachtungsreihen stehen meist einwandfrei und vergleichbar zur Verfügung. Dagegen ist es nicht leicht, 
aus einer längeren Reihe von Jahren zuverlässige und vergleichbare Angaben über Ernteerträge heranziehen 
zu können. Eine zu kurze Reihe von Jahren reicht nicht aus. 
Mit solcher Einschränkung lassen die von Holdefleiß 3S ) gebrachten Untersuchungen mit hinreichender 
Wahrscheinlichkeit folgende Schlüsse für die Praxis zu: 
1) Die Erbsenerträge werden begünstigt durch Wärme und Trockenheit im März und April und durch 
niederscklagsrciche und kühle Witterung im Mai und Juni. 
2) Die Kartoffelerträge werden stark bestimmt durch einen warmen Oktober des vorhergehenden Jah 
res, besonders durch das „mittlere Minimum“ des Oktobers. Schon leichte Fröste führen eine „Erkäl 
tung“ der Knollen und damit eine Schädigung des nächstjährigen Saatgutes herbei. 
3) Die Kornerträge von Winterweizen werden weitgehend bestimmt von der Wärme im März, während 
kühle Witterung im Mai und Juni begünstigend wirkt. 
4) Für die Haferkörnererträge ist relative Trockenheit in den Monaten Januar bis März besonders be 
günstigend. 
5) Ebenso ist relative Trockenheit in den Monaten Januar bis März günstig gewesen für die Kornerträge 
des Winterroggens. Die Wärme im März ist beim Winterroggen ohne Einfluß, im Gegensatz zum 
Winterweizen. 
Beim Obstbau ergaben sich viele deutliche Beziehungen der Witterungsverhältnisse zu den Ernteerträ 
gen. Nützlich für die Ernteerträge war vorwiegend Trockenheit im Torjahr, verbunden mit hoher Tempe 
ratur, geringer Luftfeuchtigkeit und langer Sonnenscheindauer, und Feuchtigkeit im Erntejahr, verbunden 
mit niedriger Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit und kurzer Sonnenscheindauer, besonders für bestimmt ge 
nannte Äpfel- und einige Birnensorten, während die genau umgekehrte Beziehung, besonders bei einigen 
Früh- und Herbstbirnen und auch für Winterbirnensorten, maßgebend war. Untersuchungen dieser Art lie 
gen ferner noch vor über Steinobst, Beerenobst, Gerste, Zuckerrübe, Backqualität der Weizensorten und über 
das Auftreten der Rübenfliege. Auch im letzten Falle hat sich ergeben, daß das Maß der Schädigung durch die 
ses Insekt hauptsächlich von den Witterungsverhältnissen abhängt, und zwar von denen des Torjahres, wäh 
rend die Witterung des Winters ohne merkbaren Einfluß ist. 
„Der Wert derartiger Untersuchungen über die Abhängigkeit der Ernteerträge von verschiedenen klima 
tischen Faktoren liegt zunächst erst in der Förderung des Terständnisses über die Vorbedingungen des Ge 
deihens unserer Kulturpflanzen, die aber lokal verschieden sein können. Auch hier kann sich schon manche 
Folgerung über die Auswahl der Sorten, sowie über Maßnahmen des Anbaues ergeben. Andererseits ergeben 
37 ) Das Problem: „Witterung und Ernteertrag“ ist in den Schriften von Holdefleiß, Kaßner, Knoch, Meinardus, 
Meyer und Schulz im einzelnen behandelt. 
38 ) Holdefleiß: Agrarmeteorologie: Die Abhängigkeit der Enteerträge von Wetter und Klima. Berlin 1930.
	        
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