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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner : Die sozialwirtsdiaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch, öffentl. Wetterdienstes 25 
stet, wie die Telegramme verschiedener Luftfahrtunternehmen an die Deutsche Seewarte beweisen, die den 
Dank an die beratenden Meteorologen aussprechen. 
Von den vielen Beratungen, die die Deutsche Seewarte bisher alle erfolgreich durch geführt hat, erwähne 
ich als die wichtigsten nur: Überführungsfahrt L. Z. 126 nach den Vereinigten Staaten im Oktober 1924, bei der 
es wie Dr. Seilkopf 33 ) mit Recht behauptet, um die Idee des Luftschiffes als Verkehrsmittel ging und die epo 
chemachende Fahrt den Beweis erbrachte, daß mit einem derartigen Luftschiff unter bewährter Führung selbst 
bei ungünstiger Jahreszeit und bei recht ungünstigen Witterungsverhältnissen die Überquerung des Ozeans 
möglich ist, wenn die Führung sich auf den Wetterdienst stützen kann; Amerikafahrt „Graf Zeppelin“ 1928, 
Weltfahrt Friedrichshafen-Tokio-Lakehurst-Friedrichshafen, die Südamerikafahrt des gleichen Schiffes sowie 
den Flug des Dornier-Flugschiffes „Do X“ nach Südamerika, diePolarfahrt des „Graf Zeppelin“ und seine Süd 
amerikafahrten 1931. 
An der genannten Weltfahrt des „Graf Zeppelin“ sowie an der Südamerikafahrt Anfang September 1931 
hat auf Anforderung des Luftschiffbaues Zeppelin der Leiter des Seeflugreferats, Dr. Seilkopf, selbst teilge 
nommen, um an Bord Wetterdienst auszuüben. Wichtig war die Teilnahme vor allem im Hinblick auf die Ent 
wickelung der Luftverkehrsberatung durch die unmittelbare Sammlung meteorologischer und nachrichtentech 
nischer Erfahrungen. 
Gerade die I'ährten des „Graf Zeppelin“ haben es gezeigt, wie seine navigatorischen Führer imstande 
sind, auf Grund der Wetternachrichten den Sturmzentren, mit denen man wohl immer im Nordatlantik rech 
nen muß, auszuweichen und dennoch den besten, sichersten, aber auch den relativ kürzesten Weg zu nehmen. 
Meteorologie und Navigation müssen eben Hand in Hand arbeiten, nur dann kann ein planmäßiger Luft 
verkehr — sagen wir zwisdien Deutschland und Amerika — mit Sicherheit, gegebenenfalls auch mit Flugzeu 
gen, durchgeführt werden. 
Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Flugwetterdienst und der Lufthansa hat sich im Katapultflug 
dienst entwickelt. Die überseestrecken wurden im Jahre 1931 allgemein erheblich — 1000 bis 2500 km — er 
weitert; im ganzen fanden 1931 von Bord der Dampfer „Bremen“ und „Europa“ 51 Abschüsse statt 33 34 ) Die 
Beratung dieser Flüge hat ebenfalls das Seeflugreferat der Deutschen Seewarte übernommen. Wie wichtig 
dabei die Wettersicherung ist, erkennt man daran, daß der letzte Flug dieser Art infolge von Witterungsein 
flüssen gescheitert ist: das Flugzeug D 1717 ist bei Neuschottland in Nacht und Nebel verunglückt. 
II. Es gilt aber auch die Bedürfnisse der breiten Schichten der Bevölkerung nach einer zuverlässigen und 
vielseitigen Unterrichtung über die Wetterverhältnisse zu berücksichtigen, vor allem die Interessen zahlrei 
cher Wirtschaftskreise, deren Tätigkeit mit der jeweiligen Wetterlage eng zusammenhängt. Während in frü 
heren Jahren der Wetterdienst in der Hauptsache der Landwirtschaft diente — der Wirtschafte Wetterdienst 
wurde ja gerade für die Zwecke der Landwirtschaft ins Leben gerufen —, hat in den Nachkriegsjahren das 
Bedürfnis nach zuverlässiger Wetterberatung sich in allen Zweigen der Volkswirtschaft in steigendem Maße 
geltend gemacht. Der aus der Not der Zeit geborene Zwang, unter allen Umständen denkbar wirtschaftlich zu 
arbeiten, hat die Aufmerksamkeit der breitesten Öffentlichkeit auf den Wetterdienst und seine Verwertung 
im Wirtschaftsleben gelenkt. Zu deutlich hatten sich die Zusammenhänge zwischen Wetter und Wirtschaft im 
Kriege dem einzelnen fühlbar gemacht. Die Folge war eine andere Stellungnahme auch zu den Wetternach 
richten. Das ist umso erfreulicher, als die Anregungen zu einer weiteren Ausgestaltung des Wetterdienstes 
zum großen Teil aus den Reihen der einzelnen Wirtschaftszweige selbst hervorgingen. Die Befruchtung, die 
diese Anregungen der Meteorologie gegeben haben, beweisen so recht die Wahrheit eines Gedankens des Alt 
meisters der Meteorologie Professor Koppen, der da lautet: „Die Anregung, welche die Bedürfnisse der Pra 
xis der wissenschaftlichen Arbeit geben, ist sehr hoch einzuschätzen. Überall im Fortschritt unseres Naturer- 
kennens ist die „Stellung der Frage“ der erste notwendige Schritt zum Weiterkommen. Und diesen er 
sten Schritt liefert in zahlreichen Fällen die Praxis“ 35 ). 
Den gleichen Gedanken führt auch Professor Castens aus, wenn er sagt: „Das Leben soll ansprüchestel 
lend die Forschung antreiben; deren Ergebnisse nützen dann dem Leben, führen zu neuen Bedürfnissen und 
zu neuen, abermalige Erkenntnis-Vertiefung bedingenden Forderungen und so fort“ 36 ). 
1) Der Wirtschaftswetterdienst, wie er sich zur Befriedigung all der vielseitigen Bedürfnisse bis heute 
entwickelt hat, erscheint entweder als solcher allgemeinen Charakters oder als Träger verschiedener Formen 
33 ) Seilkopf a. a. O., Seite 285. 
34 ) „Deutsdie Lufthansa Nachrichten“. 6. Jahrgang Nr. 11/12, 1931, Seite 76. 
35 ) „Köppenheft“ der Annalen der Hydrographie. Sept. 1926, Seite 4. 
3e ) Castens: a. a. O.
	        
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