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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtschaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch, öffentl. Wetterdienstes 21 
verantwortlich war, bestand für die Reederei alle \ eranlassung, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Die 
Reederei hätte besondere Wetterberichte von sich aus einholen oder den Führer des Konvois beauftragen müs 
sen, nicht in See zu gehen, ohne einen besonders günstigen Wetterbericht von der Deutschen Seewarte oder 
von dem Niederländischen meteorologischen Institut einzuholen. 
Weiterhin sprechen für die Unentbehrlichkeit einer Sonderberatung die Bedürfnisse der Segelschiffahrt, 
die zur Durchführung gewisser Fahrten mit der für die nächsten Tage zu erwartenden Windrichtung rechnen 
mufi Ebenso veranlassen Ansammlungen der von See kommenden Schiffe, die der Kollosionsgefahr wegen bei 
Nebel an gewissen Punkten ankern, zur Einholung einer Auskunft darüber, wann mit der Zerstreuung der Ne 
belgebilde und damit mit dem Aufkommen der Schiffe gerechnet werden kann. Dieses nur als kurze Charak 
terisierung der Art der Anfragen. Die wenigen Beispiele mögen genügen, um den Wert einer Spezialberatung 
für die Seeschiffahrt darzulegen. 
e) Die Möglichkeit für die Betriebe der Binnenschiffahrt, ihre Betriebsmittel voll ausnutzen zu können, 
liegt im Interesse der gesamten Volkswirtschaft, weil eine möglichst volle Ausnutzung der Verkehrsmittel zur 
Senkung der Selbstkosten der Verkehrsträger und damit zur Herabsetzung der Frachten führen muß. Dies ist 
umso bedeutsamer, als die Gesamtleistungsfähigkeit der deutschen Wasserstraßen heute 20% des deutschen 
Gesamtverkehrs erreicht. Der Schiffahrt — mithin auch der Binnenschiffahrt — fällt die Aufgabe zu, sozusagen 
der Verbilligungsfaktor in größtem Ausmaße für die verkehrswirtschaftlichen Interessen der deutschen Wirt 
schaft zu sein. Diese natürliche Billigkeit der Wasserfracht zu fördern, die Vorteile des unmittelbaren Um 
schlags von Schiff zu Schiff in den Seehäfen, die die Binnenschiffahrt bietet, und die wirksame gegenseitige 
Ergänzung der Hauptverkehrsmittel in verkehrsschwierigen Zeiten zu erhöhen ist daher eine volkswirtschaft 
liche Aufgabe. Es gilt, ebenso wie bei der Seeschiffahrt, eventuell durch Witterungselemente entstehende Hin 
dernisse und Gefahren nach Kräften auszuschalten und so denVerkehr reibungslos zu gestalten. Sind nun solche 
Hindernisse bei der Binnenschiffahrt bei weitem nicht in dem Maße vorhanden wie bei der Seeschiffahrt, so 
können sie doch bei großem Ausmaße bedeutende Verkehrsstörungen und Schädigungen der Binnenflotte im 
Gefolge haben. Für diesen Teil unserer Schiffahrt bietet nebst den Wetterberichten vor allem die Wetterkarte 
nicht nur ein erfreuliches Hilfsmittel zur Voraussicht auf die kommende Witterung, sondern Regen und Schnee 
fälle, sowie eintretendes Tauwetter und sommerliche Hitze im Oberlauf und im Quellgebiet des befahrenen 
Flufies geben ihm einen guten Anhalt, umWasserstand und im Winter den Eisgang der nächsten Zeit zu beur 
teilen. Die Frost- und Tauwettermeldungen, die die öffentlichen Wetterdienststellen an die Interessenten hin 
ausgeben, enthalten Angaben über Stärke und wahrscheinlidie Dauer der Kälte oder der milden Witterung. 
Ebenso wird angekündigt, ob ein Gefrieren der Wasserstraßen und ein Niederlegen der Wehre zu erwarten 
ist. Auf diese Weise dürften der Binnenschiffahrt viele Kosten, die durch unnützes Stilliegen infolge Vereisung 
oder durch Umladen der Frachten vom Schiff auf ein anderes Verkehrsmittel entstehen, erspart und uner 
wünschte Verzögerungen im Versand von Gütern beseitigt werden 20 ). 
2) Von allen Verkehrsmitteln sind die Eisenbahnen wohl am wenigsten durch Witterungseinflüsse gefähr 
det. Wind und Regen, Schnee und Nebel können zwar verkehrsverzögernd wirken, unmittelbare Gefahren aber 
bedeuten sie hier nicht. Trotzdem aber kann im Eisenbahnbetrieb das Vereisen von Schienen und Weichen 
durch Ausnutzen des Wetterdienstes rechtzeitig vorher gesehen und danach sowohl im Betriebe der Eisenbahn 
wie auch der Straßenbahnen manche Verkehrsstockung und mancher Schaden verhütet werden. Vor allem 
dürfte vor den Sonn- und Feiertagen eine klare Erkenntnis der Wetterlage für diejenigen Beamten von Nut 
zen sein, die über die Einstellung von Wagen für den bevorstehenden Ausflugsverkehr zu verfügen haben. 
Die Motorisierung des Straßenverkehrs, die schon heute zu einer wertvollen Bereicherung der Verkehrs 
möglichkeiten geführt hat und immer mehr zur Belebung der gesamten deutschen Wirtschaft beiträgt, hat die 
Landstraße wieder aufleben lassen. Der Kraftwagen tritt sowohl als Vorläufer zur Eisenbahn wie als ihr Zu 
bringer und V erteiler auf und erschließt die abseits der Eisenbahn gelegenen Ortschaften durch Verbindung 
untereinander und mit der nächsten Bahnstation; andererseits dient er auch der Güterbeförderung und kann 
auf Grund des hohen Grades der Zuverlässigkeit und Vollkommenheit nicht nur im Personen- sondern auch 
im Gütertransport den Wettbewerb mit der so viel älteren Eisenbahn aufnehmen. Die Frage, welche Folgen 
aus dieser Konkurrenz für die Eisenbahn entstehen, steht hier nicht zur Erörterung. Volkswirtschaftlich ge 
sehen ist es notwendig, jeden Transport demjenigen Verkehrsmittel zuzuwenden, das hierfür volkswirtschaft 
lich das geeignetste ist. Um den Anforderungen, die mit Recht an jeden modernen Verkehrszweig gestellt wer- 
29 ) Über die Organisation des Binnensdiiffahrtswetterdienstes vgl. Absdinitt „Wasserwirtschaftlicher Wetter 
dienst“ Seite 53.
	        
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