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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner: Die sozialwirtschaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsch, öffentl. Wetterdienstes 19 
Signale an den Sturmwarnungsmasten und durch Aushang bekanntgegeben wird.Wahrend der Nacht geschieht 
die Verbreitung durch Scheinwerfersignale der Küsten Stationen. Werden auf diese Weise die im Hafen befind 
lichen Schiffe und die in Küstennahe fischenden Boote gewarnt, so geschieht zur Bekanntgabe an die auf See 
befindlichen Fahrzeuge die Verbreitung der Warnung drahtlos, und zwar senden Norddeich für die Nordsee, 
Swinemünde und Pillau für die Ostsee. Welch hoher Wert dem Warnungsdienste beizumessen ist, mag fol 
gendes Urteil von maßgebender Stelle beweisen. In der Zeitschrift „Hansa“ 1931 Heft 12 fordert das Seeamt 
Hamburg „Größte Beachtung des Sturmwarnungsdienstes der Deutschen Seewarte“ als Schlußfolgerung aus der 
Untersuchung des Unterganges des Dampfers „Luise Leonhard“, eines Schiffes von 3463,9 Registertons und 
einem Versicherungswert von 5 bis 6 £ je Tonne. Vorher wird das Auslaufen des Schiffes im Hinblick auf die 
damaligen Witterungsverhältnisse als „schlechterdings unverständlich“ bezeichnet. „Der Kapitän“ — heißt es 
— „hatte nicht nur Gelegenheit, von der Brücke des Dampfers aus das Anwachsen des Sturmes und das To 
ben des Orkans unterhalb von Cuxhaven zu beobachten, er war auch durch den Wetterbericht der Deutschen 
Seewarte vom 22. XI. 30 über das Bevorstehen dieses b türm es unterrichtet worden. Er sah ferner auf derFahrt 
von Hamburg nach Cuxhaven, daß die sämtlichen Signalmasten auf der Seewarte usw. das Signal „Sturm“ ge 
setzt hatten. Wenn auch in dem Wetterbericht der Deutschen Seewarte vom 23. XI. vormittags für die Nord 
see von „stürmischen, rasch abflauenden Nordwest- bis Westwinden“ die Rede war, so hätte sich der Kapitän, 
wie es in den „Nachrichten für Seefahrer“ bekannt gemacht worden ist, überlegen müssen, daß die „kurze 
Wetterübersicht mit Angabe der Wetteraussichten“ für die nächsten 24 Stunden gelte. Ging er davon aus, daß 
mit den abflauenden Winden erst innerhalb der nächsten 24 Stunden zu rechnen sei, so hätte er vielleicht noch 
einige Zeit mit dem Auslaufen gewartet, zumal er sich hätte sagen müssen, daß die Voraussagen der Deutschen 
Seewarte keinen Anspruch auf unbedingte Richtigkeit erheben können noch erheben. Nur kurze Wartezeit 
hätte genügt, um das Schiff vor dem Untergang zu bewahren, denn tatsächlich war die Voraussage der Deut 
schen Seewarte richtig, und der Wind flaute bereits in den frühen Morgenstunden des 24. XI. in der deutschen 
Buht derart ab, daß am Vormittag nur noh Windstärke 3 war.“ 
Das Seeamt nimmt daher Veranlassung, allen Schiffsführern dringend zu raten, dem Sturmwarnungsdienst 
die größte Beachtung zu schenken und die hierfür geschaffenen Einrichtungen, die durhaus geeignet sind, Un 
fällen wie der Strandung der „Luise Leonhardt“ in großem Umfange vorzubeugen, weitestgehend auszunutzen. 
c) Um die Schiffahrt während der Winterzeit möglichst lange in Betrieb zu erhalten und die noh vorhan 
denen Fahrtmöglichkeiten bis zum äußersten auszunutzen, um den Schiffen eine möglichst erfolgreihe und ge 
fahrlose Navigierung durh vereiste Gewässer zu ermöglihen, ist der Eisdienst unentbehrlih, unentbehrlih 
für die deutshe Schiffahrt vor allem deswegen, weil der zunehmende Warenaustaush zwischen den europäi 
schen Staaten von Jahr zu Jahr zunimmt und einen erhöhten Wettbewerb der beteiligten Länder mit sih 
bringt. Wenn auh die Handelsflotte heute zum größtenTeil aus Dampfern besteht, die denEisshwierigkeiten 
erhöhten Widerstand entgegensetzen, so bergen doh vereiste Gebiete und auf See schwimmendes Treibeis man 
nigfache Gefahren auh für die stärksten Handelsschiffe. Die treibenden Eismassen werden oft so schwer, daß 
Schiffe darin festgeraten, durh Eispressungen leck gedrückt oder durh Kohlen- und Proviantmangel gefähr 
det werden, schwere Shäden erleiden und nicht selten ihren Untergang dadurch finden. So ist es schon vorge 
kommen, daß Schiffe durh Eispressung aus dem Wasser herausgehoben worden sind und oben mit dem Eis 
trieben, andere sind durh Eis gegen die Küste gedrängt, auf Klippen geschoben worden und haben dadurh 
shwere Havarien erlitten. Es wird wohl allgemein noh in Erinnerung sein, weihen Gefahren und Verlusten 
die deutshe Schiffahrt in den Wintern 1926/27 und 1929 preisgegeben war. Die Vereisung der Ostseegewässer 
brahte eine empfindliche Störung des Wirtschaftslebens und eine Shädigung des deutshen Volksvermögens 
um Millionenwerte mit sih. 
Solchen Gefahren und Verlusten nah Möglichkeit vorzubeugen, die Schiffe von Fahrten nach vereisten 
Gebieten abzuhalten, sie niht ungewarnt in die Eisgefahren laufen zu lassen und das mit der Schiffahrt eng 
verbundene gesamte Wirtshaftsleben gegen die Eisgefahren des Winters zu shützen, ist Aufgabe des Eis 
dienstes. Der gesamte Eisdienst ruht seit 1919 in den Händen der Deutshen Seewarte. Er setzt sih zusammen 
aus dem Eisnahrihtendienst, gegebenenfalls der Eiserkundung mit Flugzeugen und der Eishilfe. Der Eisnah- 
rihtendienst sammelt die von den Eisbeobahtungsstellen der deutshen und außerdeutshen Küsten, von Fähr 
schiffen, Verkehrsflugzeugen und den Schiffen auf See eingehenden Eismeldungen und verbreitet sie nah dem 
in der Eisberihtsvorshrift von 1950 niedergelegten Plan. 
Um die Mitarbeit der Schiffe im Eisnahrihtendienst zu erleichtern und zu fördern, hat die Deutshe See 
warte Eisfragebogen eingerihtet und an die Reedereien zur Verteilung an ihre Kapitäne übermittelt. 
Wenn die Eisverhältnisse sih so gestalten, daß es eines außerordentlichen Shutzes der Schiffahrt bedarf,
	        
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