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Full text: 51, 1932

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 51. Bd. Nr. 6. 
lassen, daß ein Seeunfall durdh Ausnutzung der Wetterberatung verhütet worden ist. Das aber steht fest: Je 
des im Sturm, im Nebel, im Eis verloren gegangene Schiff stellt nicht bloß in den verunglückten Menschen 
einen unersetzlichen Schaden dar, es bedeutet auch einen hohen Verlust an Nationaleigentum, bedeutet Ka 
pitalvernichtung. Die Versicherung kann nur den Eigentümer für den entstandenen pekuniären Schaden 
entgelten, den Substanzverlust macht sie nicht gut! 
Aus dem bisher Gesagten geht wohl zur Genüge hervor, welche Bedeutung für die Schiffahrt die recht 
zeitige Erkennung der auf See und an den Küsten herrschenden und kommenden Naturunbilden hat und 
daß durch einen richtig organisierten und gut geleiteten Wetterdienst größte Werte der Allgemeinheit er 
halten bleiben, Werte, die wohl ein vielfaches der Aufwendungen für den betreffenden Warnungsdienst aus 
machen dürften. 
Um den Anforderungen der Sdriffahrt in meteorologischer Hinsicht in jeder Weise entsprechen zu kön 
nen, um die Seeunfälle auf das geringstmögliche Maß zu beschränken, um das Risiko für Schiff, Besatzung, 
Passagier und Ladung zu vermindern und die Wirtschaftlichkeit des Schiffahrtsbetriebes durch Anpassung an 
die Wetterlagen zu erhöhen, hat der öffentliche Wetterdienst die mannigfaltigsten Einrichtungen geschaffen. 
Die Deutsche Seewarte, der schon bei ihrer Gründung als „Norddeutsche Seewarte“ im Jahre 1868 als 
Hauptaufgabe die Sicherung der Seefahrt und Förderung ihrer Wirtschaftlichkeit auf wissenschaftlicher, 
insbesondere meteorologischer Grundlage zugewiesen wurde, hat seit ihrem Bestehen dieses Auswirkungs 
gebiet gepflegt und, mit dem Fortschritt meteorologischer Wissenschaft wie der Schiffahrt Schritt haltend, 
eine großzügige Sicherheitsorganisation für die deutsche Schiffahrt entwickelt. Durch jahrzehntelange mühe 
volle Arbeit Hand in Hand mit der Schiffahrt ist wertvolles meteorologisches Beobachtungsmaterial gesam 
melt worden, das in den Seeatlanten, Segel- und Dampferhandbüchern, Monatskarten und synoptischen Wet 
terkarten bearbeitet und bei der Deutschen Seewarte niedergelegt ist. 
Vier Sonderaufgaben lassen sich aus dem Bereich cles heutigen Schiffahrtswetterdienstes herausschälen: 
1) der Seewetterdienst 
2) der Sturmwarnungsdienst. 
5) der Eisdienst und 
4) der Sonderwetter- und allgemeine Auskunftsdienst. 
„Bei allen kann der Wetterdienst von der Voraussetzung ausgehen, daß der durchweg wetterkundige 
Seemann die Wetterkarte lesen kann, es versteht, aus ihr Witterungsangaben herauszulesen und die notge 
zwungen allgemein gehaltenen Vorhersagen für seine besonderen Zwecke zu deuten“ 2S ) 
a) Der Seewetterdienst gliedert sich in 
1) die Versorgung der deutschen Küsten mit Wetternachrichten. 
2) die Versorgung der in See befindlichen Schiffe mit Wetternachrichten. 
Bei cler Versorgung der deutschen Küsten mit Wetternachrichten wird grundsätzlich versucht, sowohl die 
herrschenden, wie die kommenden Witterungsverhältnisse zu charakterisieren. Zu diesem Zwecke werden 
die sogenannten „Seewetterberichte“ — früher Hafentelegramme — herausgegeben, welche Meldungen eini 
ger Feuerschiffe und in- und ausländischer Küstenorte sowie eine Vorhersage enthalten. Die Übermittelung 
der Berichte an die in vier Bereiche eingeteilte deutsche Küste geht in folgender Weise vor sich -*): Seebereich 
deutsche Bucht wird um il*° und 22®° M. E. Z. von Norddeieh gefunkt, die Morgenyorhersage gilt vom Mittag 
des Ausgabetages bis zum Mittag des folgenden Tages, die Abendvorhersage von Mitternacht bis zur folgen 
den Mitternacht und zwar für den Bereich der Nordsee. 
Seebereich Fehmarn wird um 12 30 von Kiel gefunkt, gilt für die westliche Ostsee. Vorhersage vom Mittag 
bis zum Mittag des folgenden Tages. 
Seebereich Stettin wird um li 30 und 22 50 von Swinemünde gefunkt, gilt für die mittlere Ostsee. Vorher 
sage vom Mittag bis zum folgenden Mittag bezw. von Mitternacht bis zur folgenden Mitternacht. 
Seebereich Königsberg wird um 12 30 von Pillau gefunkt, gilt für die östliche Ostsee. Vorhersage vom Mit 
tag bis zum folgenden Mittag. 
Die Berichte für Bereich Stettin und Königsberg werden von clen dortigen Wetterdienststellen im Auf 
träge und nach einheitlicher Anweisung cler Deutschen Seewarte verfaßt und abgegeben. Alle Seewetterbe 
richte gehen sogleich auch auf dem Drahtwege an eine Reihe von Häfen, wo sie öffentlich ausgehängt werden. 
Sie werden ergänzt durch die „Wetterkarte der Nordsee und Ostsee“, die dem Seemann einen allgemeinen 
Überblick über die Wetterlage Europas geben und ihm ermöglichen soll, sich ein eigenes Urteil über das herr- * 31 
”) Benkendorff: „Aus dem Arbeitsbereich der Deutschen Seewarte“. Hamburg 1925. 
31 ) 55. Jahresbericht über die Tätigkeit der Deutschen Seewarte für das Jahr 1930. Seite 20.
	        
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