accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 51, 1932

14

Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  51.  Bd.  Nr.  6.

Schlusses  abhängt.  Je  vollständiger  aus  den  besonderen  Einzelfällen  der  ganze  Umfang  der  übergeordneten
Allgemeinheit  erschlossen  werden  kann,  desto  größer  wird  die  Annäherung  der  abgeleiteten  Regel  an  das
Gesetz.  Da  in  der  synoptischen  Meteorologie  die  Erscheinungen  fast  allgemein  Komplexe  vieler  Einzelfaktoren ­
  darstellen,  deren  Wirkungskreis  wir  nur  unvollständig  erschließen  können  oder  überhaupt  nicht  können, ­
  kann  nur  eine  angenäherte  Sicherheit  erzielt  werden,  die  immerhin  so  groß  ist,  daß  sie  den  praktischen
Bedürfnissen  gerecht  werden  kann“ 17 ).
Trotz  der  Vervollkommnung  der  Wetterkarte  und  Prognose  bleibt  aber  wahr,  was  Professor  Dr.  Börnstein ­
  im  Vorwort  des  „Leitfadens  der  Wetterkunde“ 18  19 )  gesagt  hat:  „Gerade  die  Unsicherheit  der  bisherigen
Wettervorhersagung  legt  mit  der  Kenntnis  des  Übelstandes  auch  den  Wunsch  nach  Abhilfe  nahe,  und  aus
dem  Studium  der  Wetterkunde  dürfen  wir  die  tröstliche  Kenntnis  herleiten,  daß  jeder,  der  mit  offenen  Augen ­
  die  Witterung  des  eigenen  Wohnortes  verfolgt,  beitragen  kann  zum  Verständnis  atmosphärischer  Vorgänge ­
  und  zur  vermehrten  Sicherheit  ihrer  Voraussagung.  Die  Landwirte  und  alle  jene,  deren  Tätigkeit  vom
Wetter  abhängt,  können  auf  Grund  eigener  meteorologischer  Kenntnisse  entweder  selbst  das  Wetter  Voraussagen ­
  oder  doch  fremde  Prognosen  richtig  deuten“.
Die  Wettervorhersagen  wie  eie  heute  von  den  öffentlichen  Instituten  aufgestellt  werden,  beziehen  sich
nur  auf  die  allernächste  Zeit,  den  kommenden  bürgerlichen  Tag,  höchstens  aber  auf  48  Stunden.  Eine  Vorhersage ­
  über  einen  größeren  Zeitraum  zu  geben,  die  Anspruch  auf  Zuverlässigkeit  haben  könnte,  ist  nach  dem
heutigen  Stand  der  Meteorologie  nicht  möglich,  doch  wird  bei  allen  Völkern  auf  die  Erreichung  dieses  Zieles
intensiv  hingearbeitet.  Vorerst  muß  hier  die  statistisdie  Meteorologie  helfend  eingreifen,  indem  sie  Vergleiche
mit  vergangenen  Witterungsperioden  heranzieht.  Die  Untersuchungen  streben  aber  immer  mehr  danach,  das
Gebäude  der  Wetterkenntnis  auf  streng  physikalischer  Grundlage  zu  befestigen  und  damit  auch  das  Problem
der  Langfrist-Wettervorhersage  zu  lösen.  Für  diesen  Zweck  ist  1929  vom  Preußischen  Landwirtschaftsministerium ­
  die  „Staatliche  Forschungsstelle  für  langfristige  Wettervorhersage“  in  Frankfurt  a.  M.  errichtet  worden.
Die  schon  erwähnte  „Weltwetterkarte“  wird  voraussichtlich  dieses  schwierige  Problem  der  Lösung  näher
bringen.
Julius  von  Hann,  sagt  Georgii 10 ),  hat  schon  vor  vielen  Jahren  darauf  hingewiesen,  „daß  die  Kirchturmpolitik, ­
  welche  nur  die  Witterungsverhältnisse  des  nächsten  Umkreises  umfaßt,  in  der  Meteorologie  aufgegeben
werden  und  einer  großzügigen  Überprüfung  der  Witterungszusammenhänge  auf  der  Erde  Platz  machen  muß“.
Wenn  auch  in  den  letzten  Jahren  auf  diesem  Gebiete,  namentlich  durch  Arbeiten  indischer,  japanischer
und  deutscher  Meteorologen  beachtenswerte  Fortschritte  gemacht  worden  sind  und  wir  heute  schon  von  weitgehenden ­
  Gesetzmäßigkeiten  im  Witterungsverlauf  sprechen  können,  so  „harrt  doch  noch  eine  umfangreiche
Arbeitsfülle  der  Forscher,  die  mit  technischen  und  geistigem  Rüstzeug  besser  gewappnet  sich  an  diese  Aufgabe ­
  heran  machen“ 20 ).

IV.  Teil.
Der  öffentliche  Wetterdienst  in  seiner  Beziehung  zur  Volkswirtschaft.
I.  Unsere  Zeit  steht  im  Zeichen  des  Verkehrs.  Die  Ortveränderung  hat  für  das  wirtschaftliche,  politische
und  kulturelle  Leben  höchste  Bedeutung  gewonnen.  Ganz  erhebliche  Werte  sind  von  den  einzelnen  Volkswirtschaften ­
  in  Verkehrsanlagen  und  Verkehrsmitteln  investiert,  und  jeder  technische  Fortschritt  bedingt  neue
Investitionen.  Vom  deutschen  Volksvermögen  dienten  im  Jahre  1928  dem  Verkehr  Anlagen  und  Betriebsmittel ­
  im  Anschaffungswert  von  etwa  55  bis  60  Milliarden  RM.,  nach  den  bisherigen  Schätzungen  ein  Sechstel
bis  ein  Siebentel  des  Volksveimögens.  Jede  siebente  Mark,  die  Deutschland  besitzt,  dient  dem  Verkehr;  für
jeden  lebenden  Deutschen  sind  etwa  900  bis  1000  RM.  in  Verkehrsmitteln  angelegt,  werden  für  Verkehrsleistungen ­
  160  bis  200  RM.  jährlich  ausgegeben  und  werden  für  Verkehrsmittel  jedes  Jahr  50  RM.  neu  angelegt ­
  21 ).
17 )  Georgii:  Wettervorhersage.  Dresden  1924.
1S )  Börnstein:  Leitfaden  der  Wetterkunde.  Braunschweig  1913.
19 )  Gesetzmäßigkeiten  des  Wetters:  Annalen  der  Hydrographie  und  maritimen  Meteorologie.  1925.  Seite  85.
so )  Groissmayer:  Beitrag  zur  Langfrist-Wettervorhersage.  Annalen  d.  Hydrographie  usw.  1928,  Seite  317.
21 )  J.  Hirsch:  „Wertung  und  Wandlung  der  deutschen  Verkehrswirtschaft“  in:  Wirtschaftshefte  d.  Frankfurter
Zeitung  Nr.  6:  Verkehr  1930.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.