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Volltext : 51, 1932

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Will  man  es  wagen,  die  jahreszeitlichen  Veränderungen  der  ganzen  Luftmasse  bis  15  km  auf  eine
Formel  zu  bringen,  so  unterscheidet  sich  das  winterliche  Regime  (Sp.  13)  durch  seine  Stetigkeit  in  allen
Höhenstufen  und  die  vorherrschende  Richtung  aus  dem  SW-Quadranten  von  den  drei  übrigen  Jahreszeiten. ­
  Der  tiefe  Druck  liegt  fast  in  allen  Höhen  im  Winter  überwiegend  NNW  von  Island.  Dagegen
überwiegt  bei  den  drei  übrigen  Jahreszeiten  der  NW-Quadrant,  erheblich  gestört  nur  im  Frühjahr,  wo  sich
von  6—8,5  km  noch  die  Winterströmung,  und  darüber  eine  sonst  nicht  vorkommende  NE-Strömung  zeigt.
Im  Mittel  der  Nichtwintermonate  verlaufen  die  Isobaren  für  die  Schicht  2—6  km  NW—SE,  tiefer  Druck
im  NE.  Dagegen  ergeben  die  Stufen  0—2  km  die  gleiche  Isobarenrichtung,  aber  tiefen  Druck  im  SW.
In  Tafel  1,  Abb.  2,  sind  die  Häufigkeiten  der  Windrichtungen  in  den  verschiedenen  Höhenstufen  bildlich ­
  dargestellt.  Diese  Werte  sind  so  gewonnen,  daß  aus  der  Zahlcntabelle  V  (Verteilung  der  Windrichtungen) ­
  die  dort  gegebenen  prozentischen  Häufigkeitszahlen  für  jede  Windrichtung  und  getrennt  für  die
Stufen  0—5,  5—10  und  10—15  km  zusammengezählt  und  als  Ordinaten  der  Abb.  2  verwendet  wurden.
Es  sollte  so  die  Unsicherheit  vermieden  werden,  die  mit  dem  Herausgreifen  einzelner  dünner  Schichten
verbunden  sein  kann.  Die  Höhen  der  Ordinaten  sind  —  in  willkürlichem  Maßstab  —  der  Windrichtungshäufigkeit ­
  in  der  betr.  5  km-Schicht  proportional.
Die  Darstellung  für  ganz  Island  (Tab.  IV)  zeigt  ein  Minimum  für  NE—E,  ein  Hauptmaximum  für  S—E,
ein  zweites  Maximum  für  NNW.  Das  Minimum  der  östlichen  Winde  ist  sehr  ausgeprägt  in  Nordisland
(ENE  in  Akureyri,  Abb  2,  Nr.  1),  nach  NNE  verschoben  in  Adalvik  ebenda  Nr.  2,  liegt  noch  deutlich  in  E
bei  den  Aufstiegen  des  „Meteor“  (Abb.  2,  Nr.  4),  und  ist  am  schwächsten  ausgeprägt,  als  nur  sekundäre
Einsenkung  gegenüber  einem  viel  umfangreicheren  Minimum  der  südlichen  Richtungen,  in  E  über  Südisland ­
  (Reykjavik  Abb.  2,  Nr.  3).  Das  zweite,  in  W  bis  S  liegende  Richtungsminimum  ist,  im  Gegensatj
zu  dem  östlichen,  schlechter  ausgebildet  in  Nordisland  (Abb.  2,  1  und  2),  besser  und  von  W  nach  S  verschoben ­
  in  Südisland  (Abb.  2,  3  und  4).
Entsprechend  finden  wir  in  der  untersten  Stufe  (0—5  km)  überall  zwei  Maxima  der  Windhäufigkeit:
im  SE-Quadranten  und  in  der  Umgebung  von  N.  In  Nordisland  überwiegen  das  östliche  Minimum  und
das  südöstliche  Maximum,  in  Südisland  umgekehrt  das  südliche  Minimum  und  zugleich  das  nördliche
Maximum.  Es  ist  auffällig,  daß  die  Höhenwindmessungen  aus  zwei  kaum  250  km  in  Richtung  SW—NE
entfernten  Punkten,  Reykjavik  und  Akureyri,  noch  im  Gesamtbild  aller  Aufstiege  so  sehr  voneinander
abweichen.  Es  war  schon  früher  darauf  hingewiesen  worden,  daß  in  gewissen  Fällen  die  Bodengestaltung
indirekt  auch  die  Mittel  der  Höhenwinde  zu  beeinflussen  vermag:  Akureyri  liegt  am  Nordabhang  des
mittelisländischen  Berglandes  und  hat  föhnartigen  Wind  mit  abnehmender  Bewölkung  bei  Südwind,  dagegen ­
  niedere  Aufgleitbewölkung  bei  nördlichem  Wind.  Bei  Pilotaufstiegen  tritt  hierdurch  eine  ungewollte ­
  Bevorzugung  derjenigen  Wetterlage  ein,  die  diesen  Südwind  mit  leichtem  Föhncharakter  mit  sich
bringt.  Aber  die  Mittelwerte  für  Akureyri  sind  in  den  verschiedenen  Jahren  (Abb.  1,  Sp.  1-—4)  nicht
gleichmäßig  genug,  um  diesem  Moment  ausschlaggebende  Bedeutung  zu  verschaffen.  Es  ist  zum  mindesten
nicht  ausgeschlossen,  daß  Reykjavik  als  westlich  gelegene  Station  den  die  Dänemarkstation  passierenden
Polarluftausbrüchen  mehr  ausgesetjt  ist,  als  Akureyri.
In  den  beiden  höheren  Schichten,  5—10  km  und  10—15  km,  zeigt  sich  der  für  die  unterste  Schicht
abgeleitete  Charakter  einer  Kurve  mit  doppelten  Häufungspunkten  in  einzelnen  Kurvenzügen  (Adalvik,
Meteor,  ganz  Island)  noch  deutlicher;  auf  die  ebenfalls  klarer  hervortretenden  Minima  wurde  bereits
oben  hingewiesen.  Im  Mittel  aller  isländischen  Aufstiege  überwiegt  oberhalb  5  km  das  Maximum  der
Windrichtungshäufigkeit  in  NNW  und  NW  beträchtlich.  Das  Nebenmaximum  liegt  bei  ESE.  Dies  scheint
den  bereits  früher 0 )  für  einzelne  Fälle  abgeleiteten  Tatbestand  zu  bestätigen,  daß  die  großen  Luftausflüsse ­
  aus  Nord  die  ganze  Atmosphäre  ziemlich  einheitlich  bis  an  oder  in  die  Stratosphäre  in  Anspruch
nehmen,  während  dies  für  die  Winde  aus  südlichen  Richtungen  nicht  der  Fall  zu  sein  scheint.
Zu  besonderer  Vorsicht  in  der  Ausdeutung  dieser  statistischen  Darstellung  mahnt  ein  zufällig  entstandenes  Ergebnis,
das  in  den  Darstellungen  Tafel  1,  Abb.  2,  der  oberen  Stufe  von  Akureyri  und  Reykjavik  wiedergegeben  ist.  Bei  der  ersten
Berechnung  der  prozentischen  Windrichtungshäufigkeiten  standen  die  Einzelaufstiege  vom  Herbst  1928  noch  nicht  zur  Verfügung. ­
  Mit  dem  gesamten  übrigen  Material  der  beiden  Stationen  wurden  die  gestrichelten  Kurvenzüge  von  5—10  km  und
10—15  km  gewonnen,  die  troß  der  verh.  geringen  Anzahl  hoher  Aufstiege  die  für  die  Bodenschichten  abgeleiteten  Resultate,
besonders  die  Ausprägung  der  vorstehend  erörterten  Maxima  und  Minima  der  Häufigkeit,  bestätigten  und  sogar  klarer  ergaben. ­
  Inzwischen  gelang  es  durch  den  günstigen  Umstand,  daß  sich  Frl.  A.  Meckermann  erneut  für  diese  umständlichen

■)  Z.  f.  Geophysik  l.c.;  „Arktis“,  Jg.  1,  1928,  H.  3/4,  S.  93  f.
            
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