Dr. Karl-Heinrich Wagner: Die imechten Zylinderprojektionen.
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Einheitlichkeit zu begrüßen sein. Für die Praxis dagegen könnte es gleichgültig sein, auf welche Weise die Ent
würfe gewonnen werden, angewendet sehen sie ja doch genau so aus. Aber gerade vom praktischen Standpunkt
aus betrachtet erlauben die hier gegebenen Formeln größte Anpassung. Und hierin liegt das Neuartige der vorge
führten Methode.
Die moderne Kartographie steht schon seit einiger Zeit auf dem Standpunkt, daß die geometrisch einfach definier
ten Formen zur Darstellung größerer Erdräume nicht mehr ausreichen. In vielen Fällen können hier die unechten
Zylinderprojektionen helfend eingreifen. Hierauf hat besonders Winkel bei der Veröffentlichung seiner Netze
hingewiesen. Bisher ist aber in dieser Richtung noch wenig erfolgt. Dies mag einmal daran liegen, daß heute eine
Kartographische Anstalt sich scheut, durch völlige Neuherstellung einer Karte mit neuer Netzberechnung die
Arbeit zu verteuern. Der Hauptgrund dürfte aber wohl der sein, daß die unechten Zylinderprojektionen, so wie sie
für die Abbildung der ganzen Erde vorliegen, für die Abbildung größerer Erdräume nicht das günstigste Bild liefern.
Die Netze müssen hierfür besonders angepaßt werden, und gerade dafür fehlt bisher die mathematische Vorarbeit.
An Hand unserer Formeln können wir aber die Wege zeigen, die für eine solche Anpassung nötig sind. Einige An
deutungen finden sich bereits in Teil II, Abschnitt 1, 61.9, a, b. Die Veränderungen, die unsere Formeln erfahren müs
sen, wirken sich nur auf die Konstanten aus. Die Beziehungen zwischen den Variablen bleiben dieselben.
Falls die unechten Zylinderprojektionen für die Abbildung größerer Erdräume in Frage kommen, wird es sich
stets um mehr oder weniger breite Zonen handeln. Auf die Länge der Zonen kommt es wohl auch, wie später noch
besprochen werden wird, im allgemeinen aber weniger an. Die Breite dieser Zonen ist stets < 2- 90°. Unsere bis
her ermittelten Werte für m und n gelten aber für die Ausdehnung bis zum Pol. Man wird also bei den Fällen, bei
denen die Zonenbreite geringer als 2 • 90° ist, in der Wahl der Konstanten etwas mehr Freiheit haben.
Am besten wird dies erläutert durch ein Beispiel. Wir wollen die abgeänderte Eckertsche Sinuslinienprojektion
j; x = m<p wählen. Für Totalflächentreue für die ganze Sphäre gilt die Beziehung
1
mit y = nl cos [ ■ —
m • n = —
n
/°“fy)
dcp
Wenn wir nun annehmen, daß eine 2 mal 60° breite Zone abgebildet werden soll, ist es natürlich nicht zweck
mäßig, einfach einen Ausschnitt des Netzes für die ganze Sphäre zu nehmen, sondern man wird m und n so be
stimmen, daß Totalflächentreue gerade bis zum begrenzenden Parallelkreis gewahrt bleibt (d. i. bis <p 1 = 60°).
Wir haben nach 61. 8, S. 13 zu schreiben
sin 60°
m • n
<Pi = 60»
/oos '
fl 1
2 cp
3
d cp
Aus der Menge der Wertpaare von m und n greifen wir jetzt 3 Fälle heraus, die für die praktische Anwendung
von besonderem Wert sind.
1. Man kann wie bisher m — n annehmen. Dann wird
„ sin 60° sin 60°
<H — 60»
d< p
3 .
2 Sm
2 cp
+ C
9t-60»
-| / 2 sin 60°
I 3 sin 40°
-- 0,94774
Dieser Wert liegt schon wesentlich näher bei dem natürlichen Wert m = n = 1 wie bei derselben Projektion für
die ganze Erde (n = 0,887 . .). Die Beziehung zwischen dem Hilfswinkel y> und der geographischen Breite <p bleibt
dieselbe. Wir hatten gefunden
sin
! Y>\ __ 2 sii
sin y
3 n 2
wobei man hier den eben gefundenen Wert für n einzusetzen hat. Die so ermittelte Projektion y = nX cos;
x = nip wird flächentreu bis cp 1 = 60°.